Fischöl hält das Herz im Rhythmus
In einer jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Chest erschienenen Studie konnten amerikanische Forscher erstmals nachweisen, dass Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl wesentlich wirkungsvoller als alpha-Linolensäure aus Pflanzenöl Herzrhythmusstörungen verhindern können, berichtet heute Diplom Oecotrophologe Thomas Reiche von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e. V. in Aachen. Menschen, die unter Herzrhythmusstörungen leiden, empfehlen die Ernährungswissenschaftler der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik daher jeden zweiten Tag Fettfische wie Makrele, Hering und Lachs zu verzehren oder nach Absprache mit dem Arzt Fischölkapseln aus der Apotheke einzunehmen. Die Popularität mehrfach ungesättigter Omega-3-Fettsäuren lässt sich auf eine Vielzahl klinischer Studien zurückführen, die deren schützende und vorbeugende Wirkung im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweisen. Darüber hinaus belegen etliche kontrollierte Untersuchungen, dass insbesondere die im Fett von Seefischen wie Hering, Lachs oder Makrele reichlich enthaltenden herzgesunden Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosapentaensäure (DHA) über die aus ihnen gebildeten Eicosanoide entzündungshemmend sind, Thrombosen entgegen wirken sowie Blutfettwerte und Blutdruck senken, weiß Thomas Reiche. Seit kurzem rückt zunehmend die Sekundärprävention koronarer Herzerkrankungen einschließlich des plötzlichen Herztodes durch Omega-3-Fettsäuren in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses. Ein Großteil dieser Erkrankungen führt zum plötzlichen Herztod, der in den meisten Fällen eine direkte Folge von Herzrhythmusstörungen ist, die wiederum häufig mit einer verringerten Herzratenvariabilität (HRV) einhergehen [3, 4]. Die HRV ist eine Messgröße der neurovegetativen Aktivität und der autonomen Funktion des Herzens. Sie beschreibt die Fähigkeit des Herzens, den zeitlichen Abstand von einem Herzschlag zum nächsten laufend (belastungsabhängig) anzupassen und sich so flexibel den ständig wechselnden Anforderungen zu stellen [5]. Omega-3-Fettsäuren verringern das Risiko einer Herzarrhythmie, indem sie die HRV erhöhen. Mit zunehmender Konzentration von Omega-3-Fettsäuren in den Zellmembranen sinkt somit das Risiko, einen plötzlichen Herztod zu erleiden. Erstmalig haben nun Wissenschaftler um Fernando Holguin von der Universität Atlanta/USA eine randomisierte doppelblinde Studie zu den Auswirkungen verschiedener Quellen von Omega-3-Fettsäuren auf die HRV durchgeführt [1]. Insgesamt erhielt die eine Hälfte der 52 Pflegeheimbewohner im Alter von über 60 Jahren täglich zwei Gramm Fischölkapseln (83,2 Prozent EPA und DHA), die andere Hälfte dagegen zwei Gramm Sojaölkapseln (6,78 Prozent alpha-Linolensäure). Über sechs Monate erfolgte eine 6-minütige Messung der HRV im Liegen. Die anfängliche Kontrollperiode von zwei Monaten ohne Supplementierung ermöglichte die Bestimmung einer Baseline, so dass jeder Proband seine eigene Kontrollperson darstellte. Als Ergebnis konnten die Forscher eine signifikante Erhöhung der HRV bereits nach drei Wochen in der Fischöl-Gruppe verzeichnen, während der HRV-Anstieg in der Sojaöl-Gruppe deutlich geringer ausfiel und auch erst nach neun Wochen erfolgte. Ganz entscheidend ist, dass die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl einen Dosis abhängigen Anstieg der HRV bewirkt, wodurch sich das Risiko einer Herzrhythmusstörung um 48 Prozent verringern kann [2]. Daher stellt der regelmäßige und reichliche Verzehr von Seefisch ein sehr wirkungsvolles Mittel zur Sekundärprävention der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit dar. Demzufolge sollten nach den Richtlinien der American Heart Association Menschen ohne Herzkrankheiten mindestens zweimal pro Woche (vorzugsweise fetten) Seefisch essen. Patienten mit koronaren Herzerkrankungen sollten täglich 900 Milligramm EPA und DHA aufnehmen. Da diese Menge etwa drei Portionen Makrele, vier Portionen Hering oder fünf Portionen Lachs pro Woche entspricht, ist insbesondere hier der Einsatz von Fischölkaseln mit 300 bis 850 Milligramm EPA und DHA pro Kapsel (1 Gramm) sinnvoll, empfiehlt Ernährungsexperte Thomas Reiche abschließend.
Quellen:
[1]Holguin, F. et al.: Cardiac Autonomic Changes Associated With Fish Oil vs Soy Oil Supplementation in the Elderly. Chest 2005, 127 (4), 1102-1107.
[2]Leaf et al.: Membrane Effects of the n-3 Fish Oil Fatty Acids, which prevent fatal ventricular arrhythmias. J Membr Biol 2005, 206 (2), 129-139.
[3]Brouwer, I. A. et al.: Rationale and design of a randomised controlled clinical trial on supplemental intake of n-3 fatty acids and incidence of cardiac arrhythmia. Eur J Clin Nutr 2003, 57 (10), 1323-1330.
[4]Marchioli, R. et al.: Antiarrhythmic mechanisms of n-3 PUFA and the results of the GISSI-Prevenzione trial. J Membr Biol 2005, 206 (2), 117-128.
[5]Hottenrott, K. (Hrsg): Herzfrequenzvariabilität Sport. Prävention – Rehabilitation – Training. Symposium am 8. Dezember 2001 in Marburg. Hamburg: Czwalina Verlag, 2002.
Quelle: Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. / pressbot.net
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22.03.2006 - 0:00 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 2206 X
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