Die sprechende Fabrik
Mit der Einführung von Sprachdialogsystemen lassen sich selbst effizient gestaltete Arbeitsabläufe in der Industrie noch weiter verbessern. Erste Anwendungen im Bereich der Logistik und der Qualitätssicherung weisen die Potenziale der Technik nach. Auf einer Tagung in Stuttgart stellten Referenten vom Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und von Sikom konkrete Lösungen vor. Rund 30 Fachleute aus der Industrie besuchten die Veranstaltung.
Erst seit einem Jahr beschäftigt sich das IPA näher mit der Spracherkennung für den industriellen Einsatz. In einem ersten wissenschaftlichen Prototypen schafften es die Experten, eine Heizung dazu zu bringen, per Sprache ihren Wartungszustand mitzuteilen. Mittlerweile haben sich erste Anwendungen herauskristallisiert. Beispielsweise nutzt BASF die Technik für die Erfassung der Eisenbahnwaggons auf seinem Güterbahnhof. In der lauten Umgebung können die mit Headsets ausgestatteten Rangierer die Waggonnummern korrekt an die Zentrale übermitteln. Weitere Potenziale gibt es in der Instandhaltung, der Logistik, im Qualitätsmanagement und der Reklamationsbearbeitung. Darüber hinaus sieht das Institut mögliche Anwendungen im Facility-Management oder der Verwaltung.
Prof. Dr.-Ing. Engelbert Westkämper vom IPA Stuttgart benennt die Vorteile der Technik: Mit Hilfe von Sprachapplikationen kann der Nutzer freihändig und konzentriert seine Aufgaben erfüllen. Außerdem lassen sich Arbeitsabläufe durch sprachgestützte Prozesse straffen. Die Technik war in der Vergangenheit aufgrund der Sprecherabhängigkeit, der Erkennung nur von Einzelworten oder nicht vorhandenen Feedback-Möglichkeiten nur schwer in industriellen Umgebungen einzusetzen. Heutige Systeme bieten eine natürlichsprachliche Erkennung von Worten und Sätzen, sind plattformübergreifend und nutzen Internet-Standards wie etwa Extensible Markup Language (XML). Außerdem verfügen die multimodalen Anwendungen über eine Anbindung an den Internet-Browser, um zusätzliche Informationen bereitstellen zu können.
Welche Bandbreite die Spracherkennung mittlerweile in der Industrie hat, demonstrierte Sikom-Geschäftsführer Jürgen Hoffmeister. Beispielsweise rüstete das Versandunternehmen Quelle die Mitarbeiter der Retourenabteilung mit Headsets aus, um die zurückgesendeten Pakete aufzunehmen. Die Fehlerquote der Dateneingaben ist erheblich gesunken, während gleichzeitig ein Kostenvorteil von 20 Prozent erzielt wurde. Trotz der lauten Umgebung in der Retourenabteilung erzielt unsere Lösung sehr gute Ergebnisse, berichtet Hoffmeister. Eine weitere Anwendung aus einer Fülle von Beispielen ist die Organisation des Bereitschaftsdienstes beim Pharmahersteller Schering. Die Firma setzt die Sprecherverifikation für die Authentifizierung von Mitarbeitern ein, z.B. zur automatisierten Rücksetzung von Passwörtern.
Dr. Alexander Schloske vom IPA führte zwei Beispiele aus der Praxis vor. Das erste behandelte die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse, im Fachjargon Failure Mode and Effects Analysis (FMEA) genannt. Dort wird die Diagnose mittels Sprache und virtueller Realität unterstützt. Wir wollen keine statischen Systeme, sondern dynamische Lösungen, die sich ohne Eingriffe an die Umgebung orientieren, meint Schloske. Im Bereich der Qualitätssicherung ist eine weitere Anwendung angesiedelt, in der die Oberflächeneigenschaften einer Motorhaube per Sprachbefehl an den Computer übermittelt wird. Der Qualitätsprüfer kann sich auf seine verantwortungsvolle Aufgabe konzentrieren und die Ergebnisse im Dialog systematisch erfassen.
Eine rege Diskussion am Ende der Veranstaltung zeigte, dass die Ideen auf fruchtbaren Boden gefallen waren. So wurde beispielsweise die Steuerung von Maschinen per Sprachbefehl diskutiert. Ein wichtiges Ziel der Veranstaltung war es, solche Vorschläge voranzubringen, resümiert Westkämper.
Bilder:
Bild 1:
Qualitätssicherung per Sprache an einer Motorhaube: Der Prüfer erfasst die Oberflächeneigenschaften des Bauteils und übermittelt die Werte an den Sprachcomputer.
Bild 2:
Prof. Dr.-Ing. Engelbert Westkämper vom IPA Stuttgart: Sprache ist ein natürliches Mittel für die Übermittlung von Informationen aus der Produktion.
Über Sikom
Die Sikom Software GmbH ist führender Anbieter von automatisierten Sprachanwendungen und zählt zu den innovativsten Unternehmen im Bereich Telekommunikation. Auf der Basis offener Standards realisiert Sikom leistungsstarke und zukunftssichere Lösungen zur Optimierung von Kommunikationsprozessen in allen Branchen. Mittelpunkt des umfassenden Produkt-Portfolios sind die mehrfach ausgezeichnete, multimodale Sprachdialogplattform VoiceMan® sowie AgentOne® (Contact-Center-Lösung) und t.e.o.® (Billingsystem). Sikom gründet den Erfolg auf starken Partnerschaften, u. a. in großen Forschungsprojekten mit Universitäten und industriellen Partnern. Zu den Kunden zählen Unternehmen wie T-Online, Karstadt-Quelle, Arvato, Schering, Henkel, Microsoft, zahlreiche Banken und Sparkassen, sowie Behörden und Kommunen. Das 1998 gegründete Unternehmen hat derzeit rund 30 Mitarbeiter und ist bundesweit mit Niederlassungen in Heidelberg, Zwickau, Hamburg, Hannover, Wuppertal und München vertreten.
Über IPA
Das IPA ist eines der größten Institute der Fraunhofer Gesellschaft (FhG) und beschäftigt sich mit allen Themen der Automatisierung und der Produktion, wie z.B. Roboteranwendungen oder Methoden der Prozessoptimierung. Ziel der Forschungs- und Entwicklungsprojekte ist es, Automatisierungs- und Rationalisierungspotenziale in den Unternehmen aufzuzeigen und auszuschöpfen, um mit kostengünstigeren und umweltfreundlichen Produktionsabläufen sowie verbesserten Produkten unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Arbeitsplatzsituation zu verbessern. Weitere Infos finden Sie unter http://www.ipa.fhg.de .
17.10.2006 - 17:01 Quelle: pressetext.de | Gelesen: 576 X
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