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Keine Utopie: Die theoretische Fahrerlaubnisprüfung als "Videospiel"




In den meisten Ländern Europas wird sie längst praktiziert: die theoretische Fahrerlaubnisprüfung am Computer. Während sich die Nationen überwiegend noch darauf beschränken, den traditionellen Fragebogen auf den Rechner zu überspielen, ist man in Finnland schon einen Schritt weiter. Dort stellt der Prüfling an Hand realitätsnaher Computersimulationen unter Beweis, dass er gefährliche Verkehrssituationen rasch erkennt und richtig reagiert. In Deutschland soll diese Art der theoretischen Fahrerlaubnisprüfung ab 2009 Wirklichkeit werden. Erste Vorversuche an ausgewählten Standorten verlaufen nach Auskunft von TÜV SÜD, dem größten deutschen Auto-TÜV, sehr viel versprechend.

"Die Qualität unserer Fahrschulausbildung und Fahrprüfung ist im europäischen Vergleich anerkannter Maßen hoch, aber wir nutzen längst nicht alle Möglichkeiten der modernen Kommunikationsmittel", sagt Gerhard Müller, Führerscheinexperte bei TÜV SÜD. Nach seinen Angaben gibt es in der Europäischen Union nur noch acht von 28 Länder, die bei der theoretischen Prüfung den alt gedienten Papierfragebogen einsetzen. Doch wirklich fortschrittlich sind auch viele der PC-Prüfungen der anderen Nationen nicht. Der Grund: meistens wird auf den Rechner nur der Prüfbogen übertragen. Eine Frage, mehrere mögliche Antworten – an diesem Prinzip hat sich seit Jahrzehnten nichts geändert.

Doch das soll bald anders werden. "Wir wollen mittelfristig eine moderne Computer gestützte Prüfung dazu nutzen, nicht nur reines Regelwissen abzufragen, sondern z.B. auch das Erkennen komplexer Verkehrssituationen und das davon ausgehende Gefahrenpotential zu hinterfragen", sagt TÜV SÜD-Fachmann Müller und erwartet dadurch eine Erhöhung der Verkehrssicherheit. Dabei werde der Prüfling mit virtuellen Gefahren konfrontiert und auf diese Weise zielgerichteter als bisher auf den Alltag im Straßenverkehr vorbereitet. Gerade junge Fahranfänger, deren Risiko, bei einem Autounfall getötet zu werden, drei Mal so groß ist wie bei anderen Autofahrern, sollen von der Prüfung am PC profitieren. "Mit dem multimedialen Gefahrentraining im Schonraum erhoffen wir uns auch eine positive Auswirkung auf das Gefahrenbewusstsein der jungen Autofahrer", sagt Gerhard Müller.

Nach rund 40.000 PC-Testprüfungen auf Fragebogenbasis, die in diesem Jahr an mehreren deutschen Standorten durchgeführt werden, wird eine spezielle Arbeitsgemeinschaft, der unter anderem auch TÜV SÜD angehört, das Lastenheft für eine komplexe und moderne PC-Prüfung erarbeiten, deren Umsetzung bis 2009 erfolgen soll. Die ersten Testerfahrungen bewertet Gerhard Müller durchweg positiv. "Das Medium Computer bereitet unseren Kandidaten überhaupt keine Schwierigkeiten", sagt er. Sie gingen damit ebenso selbstverständlich um wie andere mit Stift und Fragebogen. Müller glaubt deshalb auch nicht, dass die Erfolgsquote bei der Fahrerlaubnisprüfung durch den Einsatz des Computers niedriger wird. Aktuell betrage sie rund 70 Prozent und das werde sich kaum ändern.

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Redaktion: Franz Billinger



Quelle: TÜV SÜDDEUTSCHLAND / pressrelations.de

10.08.2005 - 18:00 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 432 X