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Mit virtuellem Volldampf voraus


Der Kindheitstraum Lokomotivführer zu sein, lässt sich nun zumindest auf dem PC verwirklichen. Ein virtueller Dampflokführerstand hilft bei der Ausbildung von Ehrenlokführern und Lehrlingen. In einer abgespeckten Version können auch Laien durch den Harz dampfen.

Jeden Sommer fahren historische Dampfzüge auf Nostalgietouren durch Deutschland, etwa die Fränkische Schweiz, den Schwarzwald oder Thüringen. Das ganze Jahr über hingegen rattern sie durch den Harz. Rund 10 von insgesamt 27 Loks fahren im Regelbetrieb. Jährlich befördern die Züge auf 130 Kilometern Schmalspurstrecke rund 1,1 Millionen Fahrgäste. Mitarbeiter des Betreibers Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB), der Hochschule Harz in Wernigerode und Forscher vom Virtual Development and Training Centre VDTC des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg haben nun einen virtuellen Dampflokführerstand aufgebaut. Er wird die HSB künftig bei der Ausbildung ihrer Lehrlinge und Ehrenlokführer unterstützen. In einer etwas reduzierten, käuflichen Version des Programms können sich auch Dampflokfans an ihrem heimischen Rechner als Fahrer der neu gebauten Lok mit der Nummer 99 7232 versuchen.

»Normalerweise modellieren und planen wir mit unserer Software modernste Industrieanlagen«, sagt Marco Schumann, Projektleiter am IFF. »Es war eine Herausforderung, mit dem gleichen Werkzeug eine historische Lok, von der nur noch sehr wenige technische Zeichnungen existieren, authentisch darzustellen.« In Fleißarbeit sammelten die Forscher aus alten Plänen und Büchern die Daten für das 3-D-Modell zusammen. Fehlendes ergänzten sie durch Messungen am Original. Zusammen mit Experten der HSB belegten sie dann jedes Hebelchen, jeden Schalter und jedes Manometer der Lok mit den zugehörigen Funktionen. Im fertigen Programm können angehende Profis und Hobbylokführer nun eine Dampflok interaktiv vom kleinen Harzer Örtchen Schierke bis zur Endstation Brocken steuern – Aussicht und Geräuschkulisse inklusive. »Wir können auch versteckte Vorgänge sichtbar machen, etwa den Weg des Dampfs durch die Maschine«, nennt Schumann einen wesentlichen Vorteil der virtuellen Darstellung. »Zudem können Lokführerlehrlinge kritische Betriebszustände und brenzlige Situationen vollkommen gefahrlos durchspielen und üben.«

Der Aufwand für solche virtuellen historischen Modelle ist hoch. Aber Schumann sieht darin eine Chance, Wissen um die Funktion technischer Oldtimer, das sonst möglicherweise verloren geht, zu bewahren. »Im Architekturbereich lassen Historiker so bereits ganze Städte wieder auferstehen. Wir können mit virtueller Realität alle möglichen Meilensteine der Industriegeschichte interaktiv erfahrbar machen.« So ließe sich etwa die Dampflokfahrt um einen holprigen Ausflug in einem der ersten Automobile ergänzen.

 

Dipl.-Inf. Marco SchumannTelefon: +49 391 4090-158Fax: +49 391 4090-115 iff.fraunhofer.de" target="_blank">marco.schumanniff.fraunhofer.de Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierungIFFSandtorstr. 2239106 Magdeburg



Quelle: FRAUNHOFER IFF / pressrelations.de

12.08.2005 - 18:00 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 128 X

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