Yummi Mummies und das Einkaufen im eigenen Wohnzimmer: Späte Mütter schätzen persönliche Shopping-Beratung
Unternehmen sollten Kunden individueller bedienen
London/Bonn/Düsseldorf - Wer sich neu einkleiden will, fühlt sich von den 08/15-Fussgängerzonen vieler Städte eher abgeschreckt. Zu viele Geschäfte, eine zu große Auswahl, zahllose Warteschlangen, mickrige Umkleidekabinen und aggressives Verkaufspersonal sind keine Seltenheit. In London haben die viel beschäftigten Frauen in Führungspositionen häufig wenig Zeit oder Lust, sich auf der Suche nach neuen Outfits oder Accessoires durch Geschäfte zu schleppen. Aus diesem Grund nutzen einige Karrierefrauen ihren „Personal Shopper“, der sich stellvertretend für sie durch die großen Kaufhäuser kämpft. Doch inzwischen wächst die Zahl weiterer Angebote, die das gestresste Frauenherz höher schlagen lassen. Verkäufe im heimischen Wohnzimmer, jenseits der traditionellen Ladenöffnungszeiten oder direkt am Schreibtisch sind die neuesten Trends in Londons exklusiven Shopping-Kreisen. Neben diesen Diensten für eine gehobene Klientel gibt es inzwischen auch Low-Budget-Versionen im persönlichen Stil.
„Die so genannten ‚Home Sales’ finden an einem privaten Ort statt und werden typischerweise von einer ‚Yummy Mummy’ organisiert. Yummy Mummies planen ihre Karriere und Familie genau durch und gehören zur wirtschaftlich attraktivsten Bevölkerungsgruppe. Prominente Beispiele sind Madonna oder Victoria Beckham, die sich bewusst erst für die Karriere und dann für Kinder entschieden haben. Diese ‚späten Mütter’ der Londoner High Society verkaufen besonders erlesene Markenprodukte oder entwerfen Kleidungsstücke, die ihrem neuen Lebensstil entsprechen. Da sie sich häufig schon in einem gefestigten Bekanntenkreis bewegen, reicht es aus, ihre Gäste per Mundpropaganda einzuladen“, so Zukunftsletter-Chefredakteur Matthias Horx http://www.zukunftsletter.de. Eine Home Sales-Veranstalterin sagt, es sei „wie ein Club. Mit meinen Gästen teile ich gemeinsame Lebensstile, einen verwandten Geschmack und ähnliche Bedürfnisse. Ich weiß, welche Art von Kleidung sie anziehen möchten, wenn sie ihre Kinder von der Schule abholen oder wenn sie direkt nach der Arbeit zum Abendessen gehen.“ Das Gefühl einer Club-Atmosphäre eröffnet auch die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen: Viele Gäste nutzen die Situation, um Visitenkarten auszutauschen und um sich gegenseitig berufliche Tipps zu geben.
Ein wichtiger Aspekt sei nach Erkenntnissen von Trendforscher Horx die Exklusivität: „In einer Welt mit allgegenwärtigen Luxusmarken hat Originalität höchste Priorität. Home-Seller setzen daher auf einmalige Fundstücke. Das gemütliche Beisammensein scheint ebenfalls einen Erfolgsfaktor darzustellen: Die Gäste werden zu Tee und selbst gemachten Brownies in eine entspannte Atmosphäre eingeladen. Diese Events, wie sie auch Handtaschendesignerin Anya Hindmarch organisiert, sind äußerst gefragt“, sagt Horx.
Ein wachsender Markt im Einzelhandel ist auch das Schreibtisch-Shopping. Früher haben sich damit die gelangweilten Sekretärinnen abgelenkt, doch inzwischen erobert das Schreibtisch-Shopping auch die Gruppe der Besserverdienenden. So liefert zum Beispiel der Jimmy Choo Schuh-Service http://www.jimmychoo.com seine Produkte direkt an den Schreibtisch. Die Boutique Matches http://www.matchesfashion.com hat den Matches Club ins Leben gerufen, der eine Shopping-Erfahrung außerhalb des Ladens verspricht.
„Die Shopping-Konzepte in London sind ein guter Indikator, in welche Richtung sich die Dienstleistungsökonomie entwickeln muss und welches Geschäftspotenzial noch erschlossen werden kann – besonders in Deutschland. Die amerikanische Soziologin Shoshana Zuboff nennt das treffend Support-Economy. Konsumenten sollten von Dienstleistern nicht mehr als gesichtslose und auswechselbare Masse eingestuft werden. Stress, Wartezeiten, inkompetente Beratung, Schikanen und Bürokratie beherrschen allerdings immer noch den Konsumalltag“, bemängelt Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.com/de.
Verbraucher würden immer noch auf eine Wand von Ahnungslosigkeit und Gleichgültigkeit stoßen, kritisiert Zuboff http://www.thesupporteconomy.com. Sie prallen an einer organisatorischen Realität ab, die noch immer auf den Massenkonsum ausgerichtet sei. „So ist es einfach, eine bezüglich Preis wettbewerbsfähige Versicherungspolice zu finden – aber schwierig bis unmöglich, eine Versicherungsfirma aufzuspüren, die zur Stelle ist, wenn sie gebraucht wird. So haben Patienten Zugang zu vielen medizinischen Spezialisten, doch keiner lotst sie durch das System, integriert und erläutert die wichtigen Informationen und setzt sich für sie ein. So können wir Flugreisen offen vergleichen und uns zwischen ähnlich unbequemen Sitzen entscheiden, aber niemand hilft, einen komplexen Reiseplan zusammenzustellen, Transport und Unterkunft zu integrieren und in unserer Abwesenheit die Arbeiten im Haushalt zu organisieren. Für ein banales Umbuchen eines Fluges zahlen wir eine Strafgebühr von 150 Dollar“, so Zuboff. Unternehmen dürften in der Dienstleistungsökonomie nicht länger als Geisterfahrer unterwegs sein, fordert Nadolski: „Wer seine Angebote nur über den Preis und nicht über ausgezeichnete sowie unverwechselbare Dienstleistungskonzepte durchsetzen will, landet in einem Dumping-Teufelskreis mit negativen Folgen für die Wertschöpfung. Man kann nicht dauerhaft Gewinne erzielen auf Kosten von Konsumenten, Angestellten und Lieferanten“.
Quelle: medienbüro.sohn / pressbot.net
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13.05.2008 - 0:00 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 118 X
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