Paul
Bonn/Frankfurt am Main – Betrachtungen über „Unternehmenskultur zwischen Ethik und Ökonomie“ sind eigentlich ein Thema für Manager-Seminare oder Sonntagspredigten. Das Thema ist dann meist so bewusst vage gehalten, dass sich keiner direkt angesprochen fühlt. Manche Manager beziehen aus solchen Veranstaltungen ein gutes Gefühl frei nach dem Motto: So böse sind wir Kapitalisten ja gar nicht. Wenn wir auch ein wenig die Moral beachten, machen wir vielleicht sogar ein besseres Geschäft. Der ein oder andere Leser des Wirtschaftsteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) http://www.faz.net wundert sich jedoch vielleicht, wenn ihm auf der Management-Seite ein ziemlich langer Beitrag zu einem solchen Thema präsentiert wird. Der Autor des vorliegenden Textes ist nicht der Dalai Lama oder ein Motivationslehrer mit Esoterik-Diplom, sondernJ. Kohtes, seines Zeichens Gründer der Beratungsgesellschaft für PR und Corporate Communications Pleon Kohtes & Klewes in Düsseldorf.
Zugegeben: Einige Buchtitel des Verfassers können bei eher „handfesten“ Zeitgenossen Vorbehalte wecken. So ist Kohtes Mitherausgeber des Buches „Die eigene Tiefe erspüren. Leben aus der Kraft von Spiritualität, Kreativität und Kunst“ sowie Autor der Zen-Gedichte „Silbermond in dunkler Nacht“ und Zen-Schüler von Professor Michael von Brück, dem Gründer der „Europäischen Zen-Akademie für Führungskräfte“. Es verwundert daher nicht, dass Kohtes in seinem FAZ-Artikel Meister Eckhart, Konfuzius, Buddha und Jesus bemüht. Doch auch diese Bezugsgrößen können den Eindruck nicht verwischen, dass hier einige Leerformeln zu Papier gebracht worden sind. So stellt Kohtes fest: „Die Abnahme gemeinsamer Werte erleben wir zurzeit in Deutschland – mit den gravierenden Folgen des sozialen Dissenses auf nahezu allen Ebenen. Die großen Konflikte in der Welt, beispielsweise die Auseinandersetzung zwischen der islamischen Welt und den Vereinigten Staaten, beruhen ebenfalls auf dem Auseinanderklaffen elementarer Wertbedeutungen.“
Außerdem verrät uns der hochdotierte Berater: „Was man mit dem Gewinn anstellt, das kann möglicherweise ethisch sein – und hängt entscheidend wiederum vom individuellen Wertesystem ab.“ Am Schluss verkündet Kohtes, er wolle das „bisher Dargelegte“ in drei Arbeitsschritten konkretisieren als Versuch, „Ethik als Triebkraft für erfolgreiches unternehmerisches Handeln zu nutzen“. Erstens sei es ethisch, sich auf die Problemlösung zu konzentrieren. Zweitens, so der Berater, sei ethisch aufbauend, konstruktiv handelnd. Das bedeute positives Denken im Sinne einer „Problemlösungskultur“. Beim Lesen dieses Satzes beschleicht einen der Verdacht, es werde um so häufiger von Kultur gesprochen und geschrieben, je weniger eigentlich die Kultur gemeint sei; siehe auch die so genannten „Streitkultur“. Und drittens proklamiert der Autor: „Ethisch sind Win-win-Situationen, weil sie zur Freiheit der Beteiligten führen.“ „Wenn auf diese Weise ein Unternehmen in einem positiv-konstruktiven Spirit ist“, schließt der Verfasser, „fließt es nahezu automatisch zum Erfolg. Das gleiche gilt natürlich auch für den Menschen als Individuum – und damit schließt sich der Kreis.“
Wen diese allgemeinplatzverdächtigen Ausführungen ratlos zurücklassen, der sollte sich schnell Rat bei Buddha, Konfuzius, Meister Eckhart und Jesus zusammen holen. Eine einzige philosophische Richtung oder Weltreligion reicht nicht als Gegengift. Oder man zündet ein Räucherstäbchen an, legt die neueste Leonard Cohen-CD ein, macht autogenes Training und hofft auf die innere Leere, die einen all das vergessen lässt, was man so im Laufe des Lebens gelesen hat. Vielleicht verdrängt das Unterbewusstsein dann auch all das, was man so über „Unternehmenskultur zwischen Ethik und Ökonomie“ in letzter Zeit zu sich genommen hat.
Quelle: medienbüro.sohn / pressbot.net
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12.10.2005 - 15:36 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 139 X
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