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[GRN-BT] Atomkatastrophe auch in Deutschland möglich


Atomkatastrophe auch in Deutschland möglichPRESSEMITTEILUNG der Bundestagsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN

NR. 0366
Datum: 16. März 2006

Atomkatastrophe auch in Deutschland möglich

Zum Start des Films "Die Wolke" erklärt Hans-Josef Fell, Sprecher für
Energie:

Herr Minister Glos, wir fordern Sie auf: Schauen Sie sich den Film "Die
Wolke" an - spielt er doch in ihrer Heimatregion Schweinfurt! Überzeugen
Sie sich direkt in Tschernobyl, dass die im Film gezeigten Folgen einer
Atomkatastrophe bereits Realität sind. Hören Sie endlich auf, von
Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke zu reden!

Eine Atomkatastrophe ist in Deutschland solange möglich, bis das letzte
Atomkraftwerk stillgelegt ist. Der Film "Die Wolke" zeigt, welche Folgen
dies hätte. Es spricht für die Macher, dass sie darauf verzichten,
massenhaften Tod von Menschen und Tieren bildlich darzustellen. Eine
große Leistung des Films liegt darin, dass er auch der jüngeren
Generation ermöglicht, an der historischen Tschernobyl-Erfahrung
teilzuhaben. Die Folgen einer atomaren Strahlung, die nicht sinnlich
erfahrbar ist, werden anhand von persönlichen Schicksalen dargestellt.
Ein Atomunglück hätte in dem dicht bevölkerten Deutschland weitaus
drastischere Folgen als in dem dünn besiedelten Tschernobyl-Gebiet.

Die Bedrohungslage hat seit Tschernobyl sogar drastisch zugenommen.
Grund ist der internationale Terrorismus, der längst die Atomkraftwerke
als potenzielle Anschlagsziele in seine Überlegungen einbezogen hat.
Terrorangriffe können auf vielfältigen Wegen zu einem Supergau führen.
Die Kraftwerksschutzhüllen sind meist gegen Flugzeugabstürze einer
kleinen Militärmaschine vom Typ Phantom ausgelegt. Einige ältere
Reaktoren würden nicht einmal dem Stand halten. Große Passagierflugzeuge
wiegen bis zu 27-mal so viel wie eine Phantom. Der Explosionswirkung
eines solchen Szenarios würde weltweit kein Reaktor standhalten
können.Auch Raketenangriffen wären AKWs hilflos ausgeliefert. Und das
Eindringen von Terroristen auf Kraftwerksgelände ist ein realistisches
Szenario, wie Greenpeace nach dem 11. September 2001 mehrfach belegen
konnte. In einem südafrikanischen Atomreaktor wurde erst kürzlich bei
einem ernstzunehmenden Störfall über Sabotage spekuliert.Es gibt vor
einem Luftangriff keine wirksamen Schutzmaßnahmen. Die von den
Betreibern vorgeschlagene Vernebelung von Atomkraftwerken ist eine
politische Vernebelungstaktik, die über die Hilflosigkeit hinwegtäuschen
soll.

Wir fordern die Bundesregierung auf, am gesellschaftlich vereinbarten
Atomausstieg festzuhalten. Statt über längere Laufzeiten sollte die
große Koaltion über ein schnelles Abschalten diskutieren.




(c) Bundestagsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN

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16.03.2006 - 18:00 Quelle: news-on-web.de | Gelesen: 295 X