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Innovation – mehr als ein Schlagwort


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Kooperation von Forschung und Praxis auch gut für neue Jobs

Diskussionsveranstaltung am 13. Juni in Berlin-Adlershof

„Mit Innovation zu neuen Arbeitsplätzen“ hieß es am 13. Juni im Einstein-Newton-Kabinett von WISTA, dem Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof.
Auf dem Podium: Prof. Hans-Herwig Atzorn (Erster Vizepräsident der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft – FHTW), Rosina Dieser (Quartiersmanagement Oberschöneweide), Uwe Doering (Parlamentarischer Geschäftsführer der Linkspartei.PDS-Fraktion im Abgeordnetenhauses Berlin), Prof. Dr. Wolfgang Lausch (Vorsitzender des Wirtschaftskreises Treptow-Köpenick). Die Moderation lag bei Christoph Nitz, Redakteur der Zeitung „Neues Deutschland“.



Der Begriff Innovation im Sinne von „neu“ verkommt häufig zum nebulösen Schlagwort, heißt es in der Internet Enzyklopädie Wikipedia. Bei einer Veranstaltung in der Reihe „Perspektiven in Berlin“ am 13. Juni ging es keineswegs nebulös, sondern höchst konkret um Innovation im engeren Sinne, nämlich in Verbindung mit neuen Verfahren und Techniken. „Mit Innovation zu neuen Arbeitsplätzen“ hieß es da. Der Ort des Disputs war mit dem Einstein-Newton-Kabinett des WISTA passend gewählt. Zwar ist der Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof (zum Bezirk Treptow-Köpenick gehörig) samt seiner gängigen Abkürzung noch nicht so in aller Munde wie die Humboldt-Uni oder die FU oder die TU, aber für Berlin als Stadt der Wissenschaft und Forschung ist er eine wichtige Größe. Ebenso wie die FHTW, die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft. Sie ist gerade mit beachtlicher Unterstützung seitens des Landes im Begriff, in den ehemaligen Industriestandort Oberschöneweide (ebenfalls im Bezirk Treptow-Köpenick) umzusiedeln.
Damit waren die Herren und die eine Dame auf dem Podium mitten im Thema: der Niedergang von Berlin als Industriestandort sowie die Möglichkeiten und Notwendigkeiten, produzierendes Gewerbe in der Stadt zu halten, zu pflegen und neu anzusiedeln.
Uwe Doering, der Politiker in der Runde, erinnerte sich an seine Lehrzeit als Elektromechaniker bei der AEG. 25.000 Menschen arbeiteten Ende der 60er Jahre dort. Als er 1996 für die PDS ins Abgeordnetenhaus kam, waren es noch 3.000. Die Dienstleistungsgesellschaft könne diese Verluste an Industriearbeitsplätzen nicht auffangen. Die Wirtschaftsverwaltung im rot-roten Senat setze deshalb weiterhin auch auf Erhalt und Entstehung neuer Arbeitsplätze im industriellen Sektor.
Viele Arbeiter im früheren Westberlin, so schätzt Doering ein, waren angelernte Kräfte. Als Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion und ihr wirtschaftspolitischer Sprecher setzt er deshalb auf Qualifizierung in den Unternehmen. Besonders hat er Firmen im Auge, die zur Gewinnmaximierung ihr Personal deutlich abbauen oder Standorte gänzlich schließen. Sie müssten verpflichtet werden, ihre Leute vor der Entlassung zu qualifizieren, damit diese eine Chance bei der Arbeitsvermittlung haben. Diese Aufgabe dürfe nicht allein den Arbeitsagenturen und damit der Gesellschaft überlassen werden. Kleinere und mittlere Unternehmen, die sich für die Herstellung von neuen Produkten oder die Veränderung von Produktionsverfahren entscheiden, sollten bei der Qualifizierung ihrer Beschäftigten unterstützt werden, um so deren Weiterbeschäftigung zu sichern. Diese Firmen könnten auch selten eigene Forschungsarbeit betreiben. Für sie seien Einrichtungen wie die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft ein Segen.
Prof. Hans-Herwig Atzorn, Erster Vizepräsident der FHTW, verwies an dieser Stelle auf zahlreiche Kontakte gerade zu kleinen und mittleren Firmen. Etwa 90 Prozent der jährlich 1.500 Diplomarbeiten entstehen in Zusammenarbeit mit einem solchen Unternehmen. Das bringe Vorteile für beide Seiten. Die Studierenden sind dem Betrieb nützlich, und andererseits finden, wie Prof. Atzorn annimmt, 20 bis 30 Prozent von ihnen auf diese Weise eine Anstellung. (Das würde die Rolle der Kleinen und Mittleren für den Nachwuchs bestätigen. Sie stellen in Berlin 70 Prozent der Ausbildungsplätze.) Die Betriebe sind regelrecht zur Zusammenarbeit eingeladen. Dafür ist an der Fachhochschule eigens ein Service eingerichtet worden. Weiterhin ist die FHTW an einem von der EU unterstützten Projekt für arbeitslose Akademiker beteiligt. Diese Förderung für 18 Monate erfolgt ebenfalls jeweils in Kooperation mit einer Firma. Hier soll die Vermittlungsquote bei 80 Prozent liegen.
Prof. Dr. Wolfgang Lausch, Vorsitzender des Wirtschaftskreises Treptow-Köpenick, mahnte Realismus an: Die großen Unternehmen, die um die Welt ziehen, folgen den Gesetzen des Marktes. Deshalb sollten vor allem die Unternehmen gepflegt werden, die an den Standort gebunden sind. Mit dem häufig gehörten Satz „nur die Wirtschaft schafft Arbeitsplätze“ wollte er sich nicht zufrieden geben. Politik und Verwaltung müssten Voraussetzungen schaffen, sie müssten mitspielen, und zwar führend. In diesem Zusammenhang vermisste er im Bezirk eine Aufbruchstimmung in Sachen Flughafenbau. Es könne nicht sein, dass Treptow-Köpenick nur ein Transitbezirk wird, meinte er und verwies auf die 40.000 ALG-II-Empfänger im Bezirk. Gerade war er von einer Beiratssitzung des Job-Centers gekommen.
Moderator Christoph Nitz brachte nun den iPod ins Gespräch. Ein winziges Gerät zum Musikhören, auf dem man mittlerweile auch Videos abspielen kann. Die Grundlagen wurden am Frauenhofer Institut Berlin entwickelt. Produziert wird es für die amerikanische Weltfirma „Apple“ in Fernost. Was läuft da schief, war die Frage, ergänzt durch die Information, dass Berlin gleich nach München kommt, wenn es um die Anzahl der Patente geht. Aber nur wenige würden in Berlin umgesetzt und in den Wertschöpfungsprozess einfließen.
Prof. Lausch verwies auf die Förderprinzipien. Forschung würde unterstützt, aber vor der Überführung in die Praxis lässt es dann mit der Förderung nach. Außerdem, vermutete er, würden Innovationen häufig von Tüftlern kommen, die nicht in ein Büro oder einen Betrieb passen. Die kämen ganz schlecht an Geld heran und hätten möglicherweise auch Stress mit dem Ordnungsamt, wenn’s aus der Garage zischt und qualmt.
Rosina Dieser vom Quartiersmanagement sieht gerade, dass sich solche kreativen Menschen in Oberschöneweide niederlassen. Noch leide der Kiez unter dem gewaltigen Arbeitsplatzabbau und dem damit verbundenen Kaufkraftverlust. Mit den Arbeitsplätzen wären auch nach und nach viele Dienstleister verschwunden. Der Leerstand bei Wohnungen sei weiter hoch. Bisher hätten sich die Hoffnungen nicht erfüllt, dass diejenigen, die sich wegen guter Arbeitsbedingungen ansiedeln, auch dort wohnen wollen. Nun setzt man auf den baldigen Umzug der FHWT und darauf, dass die Studierenden im Stadtteil Quartier nehmen. Allerdings müssten sich darauf auch die Vermieter einstellen. Stichworte hier: Miethöhe und Wohngemeinschaften. Mit Hilfe des Quartiersmanagements hätten sich in etlichen der ehemaligen Industriebauten kleine innovative und durchaus erfolgreiche Unternehmen angesiedelt, auch Vereine und Initiativen sowie Künstler finden hier neue Räume.
Kann sein, philosophierte der Moderator, dass Oberschöneweide demnächst „in“ ist für junge Leute, die kreativ sind und voll Unternehmungslust. So, wie einst Kreuzberg, Prenzlauer Berg und Friedrichshain zu „angesagten Orten“ wurden.

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„Perspektiven in Berlin“ heißt eine Veranstaltungsreihe. Sie wird getragen von der Linkspartei nahestehenden Einrichtungen (der Berliner Stiftung „Helle Panke“, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem „kommunalpolitischen forum berlin“) sowie der Fraktion der Linkspartei.PDS im Abgeordnetenhaus.

Quelle: Pressebüro Nitz / pressbot.net

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24.06.2006 - 0:00 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 254 X