Deutschland schon jetzt weltmeisterlich bei den Arbeitskosten – Industrielöhne im internationalen Vergleich zu teuer
Bonn/Berlin – „Es schaut exzellent aus am Arbeitsmarkt“ – Nein, diese Äußerung stammt nicht aus dem Munde von Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) oder Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Österreichs Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) ist der Urheber dieses Satzes, und er meinte damit die Trendwende, die im April dieses Jahres mit einem Rückgang der österreichischen Arbeitslosenzahlen eingesetzt habe. Den Rückgang der Arbeitslosenzahlen im Juni um 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr sieht der Arbeitsminister als ermutigendes Zeichen. „Deutschland bleibt Weltmeister – bei den Kosten der Arbeit“, schreibt hingegen Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmwonline.de, in der aktuellen Ausgabe des Fachdienstes Erfolg. Die Wirtschaft brumme, doch auf dem Arbeitsmarkt bleibe die Beschäftigung aus.
„In Wolfsburg ist die Produktion des Golf im Stammwerk von Volkswagen bedroht, die neue Generation des Scirocco wird in Portugal gebaut. Grund: Die Arbeit in Deutschland ist zu teuer. Die Beispiele zeigen: die in der deutschen Industrie gezahlten Löhne können gegen die internationale Konkurrenz nicht bestehen, sie sind zu hoch“, so der Mittelstandspräsident. Nach den Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) http://www.iwkoeln.de lagen die Arbeitskosten im deutschen verarbeitenden Gewerbe 2004 bei 26,30 Euro je Arbeitsstunde. Damit bleibe Deutschland Weltmeister unter den großen exportorientierten Industrienationen – in der Europäischen Union sei nur die Arbeitsstunde in Dänemark teurer, meint Ohoven.
Zwar seien in Deutschland die Lohnstückkosten, also die Kosten je hergestellter Produkteinheit, in den vergangenen Jahren gesunken und hätten Jobs hierzulande wettbewerbsfähiger gemacht, während sie in den meisten übrigen Ländern zugelegt hätten. Doch zufrieden zurücklehnen können sich die Deutschen nicht, da der rapide wachsende Welthandel die internationale Konkurrenz dramatisch verschärfe. Und diese vollziehe sich überwiegend im industriellen Sektor: „So wurden im vergangenen Jahr 87,4 Prozent der deutschen Exporte mit Industriewaren erzielt. Dies zeigt, wie wichtig der industrielle Sektor für den deutschen Arbeitsmarkt noch immer ist.“ Auch die hohe Produktivität könne die zu hohen Löhne nicht rechtfertigen. Dies ist vielmehr eine Folge der hohen Löhne, die immer mehr Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit getrieben habe.
Auch an der Ausgestaltung der Sozialversicherungen wird sich die Zukunft der traditionellen Arbeitsverhältnisse in Deutschland entscheiden. Seit zehn oder zwanzig Jahren zeichne sich die Flexibilisierung der Erwerbsformen immer stärker ab, schreibt Ulrich Walwei, Vizedirektor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) http://www.iab.de, in einem Gastkommentar für das Handelsblatt http://www.handelsblatt.de. „Auch nach den jüngsten Arbeitsmarktreformen ist das Normalarbeitsverhältnis weiter mit hohen Abgaben belastet und durch starke Regulierungen gekennzeichnet. Solange sich dies nicht ändert, wird die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses weitergehen“, so Walwei. Daher werde man in den Sozialversicherungen nicht umhinkommen, Eigenbeteiligungen und ergänzende private Absicherungen auszubauen. Zudem müssten die Reformen des Sozialversicherungssystems mit denen des Arbeitsmarktes Hand in Hand gehen. Ein reformierter, weniger strikter Kündigungsschutz könne den notwendigen Strukturwandel unterstützen und mehr Aufmerksamkeit in Richtung entstehender Beschäftigung lenken.
Quelle: medienbüro.sohn / pressbot.net
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04.07.2006 - 0:00 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 732 X
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