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WT Kirchardt & Bad Rappenau: Gewalt macht Schule


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- Über das (Un-)Wesen von Jugendgewalt (Teil 4)

In den letzten Teilen war von den unterschiedlichen Gesichtern der Jugendgewalt die Rede, wie sie vor allem an Schulen zu finden ist. Ein Patentrezept gegen gewalttätige (meist) Jungen gibt es nicht; weder von Seiten der Politik noch aus Sicht der Erziehungswissenschaften.

Auch verschiedene Kampfkunstschulen haben sich mit der Frage beschäftigt, was denn aus den jugendlichen Gewalttätern wird. Es gibt es Kampfsportler, die die Ansicht vertreten, straffällig gewordene Jugendliche im Dojo/der Schule auf den „richtigen Weg“ bringen zu können. Folgende Begründungen werden hierfür genannt:

Kampfsport/Kampfkunst
· dient zum Aggressionsabbau
· fördert das Verständnis von Fairness und Gemeinschaft
· bringt die Jugendlichen von der Straße
· trägt zur Disziplin und gegenseitigen Respekt bei
· führt zum Kampf mit sich selbst anstatt gegen andere

Die angeführten Argumente zeugen zweifelsohne von einer gut gemeinten Absicht, etwas gegen die Gewalt an den Schulen und auf den Straßen unternehmen zu wollen.
Aber es gibt eine Vielzahl von Gründen, die dagegen sprechen, Täter in Kampfkünsten zu unterrichten. Einige möchte ich im Folgenden benennen.

Schutzraum oder Täterkonfrontation?

Insofern diese Jugendlichen in den „normalen“ Unterricht integriert werden sollen, können bereits hier erste Irritationen entstehen, die die anderen Übenden abschrecken. Das beginnt schon damit, dass Tätertypen durch ihr dominantes Auftreten das Unterrichtsklima erheblich stören können. Welcher Anfänger will beim Sparring dem Aggressionsabbau eines Täters gegenüber stehen? Außerdem: Welches Opfer sucht schon eine Kampfkunstschule auf, das den Schulhofschläger unterrichtet, dem es letzten Monat gegenüber stand? Kampfkunstschulen sollten in dieser Hinsicht „Schutzräume“ sein.

Selbsteinschätzung

Wer Täter unterrichtet, überschätzt die Tragweite seines Einflusses. Er sollte sich die Frage stellen, wie viele Stunden er mit dem Jugendlichen pro Woche verbringt, ob es dabei nur um das Vermitteln von Techniken geht und wie groß der Einfluss innerhalb sowie der Welt außerhalb des Dojos/der Schule auf ihn ist. Geht es um zwei, vier oder sechs wöchentliche Unterrichtsstunden?
Innerhalb dieser Zeit eine komplexe Psyche umzuformen, ist eine Herausforderung, an die sich noch nicht einmal viele Hauptschullehrer wagen, die jeden Tag mit schwierigen Jugendlichen zu tun haben. So ist nach einer Studie der Uni Freiburg, die in Südbaden mit 950 (meist Hauptschul-) Lehrern durchgeführt wurde, fast jeder Zweite von ihnen massiv bedroht und beleidigt worden. Jedoch nur 1,4 Prozent waren Opfer körperlicher Gewalt und sieben Prozent erlebten Beschädigungen persönlichen Eigentums. Immerhin leiden mehr als 30 Prozent an spezifischen Stress- und Belastungssyndromen. Das zeugt von einer enormen pädagogischen Aufgabe, die (nicht nur innerhalb einiger Trainingstermine) zu bewältigen ist.

Verantwortung gegenüber den Opfern

Das Unterrichten eines gefährlichen Kampfsystems ist ein langfristiger Prozess, in dem der Schüler zu friedvollen Einsichten gelangen kann – oder auch nicht! Das kann ein heikles Experiment werden. Ist der Einfluss z.B. zu einer delinquenten Jugendgang stärker, so macht man den Täter nur kampfstärker und erreicht wenig. Ist es vor sich selbst und gegenüber anderen zu verantworten, einen Schläger zu unterrichten, der dann plötzlich rückfällig wird? Jeder Kampfsport-/Kampfkunst-Unterrichtende sollte sich bewusst machen, dass er/sie auch eine gesellschaftliche Verantwortung besitzt, an wen er/sie gefährliche Techniken weiter gibt.
Deshalb ist es meiner Ansicht nach nahe liegender und selbstredend, die „Schwachen“ zu stärken, anstatt zu versuchen, die „Starken“ umzupolen. Schließlich ist die Schwäche der (potenziellen) Opfer und der passiven „Zuschauer“ die Stärke (aber nicht das Motiv) der Täter.

Ansätze für Täter

Es gibt einige Projekte, die sich auf Tätertherapie spezialisiert haben. Selbst diese sind umstritten. Ein klassisches Muster ist es, straffällig gewordene Jugendliche mit gemeinnütziger Arbeit zu konfrontieren, zu „Workcamps“ zu fahren oder ihnen reibungslos eine Ausbildungsstätte zu verschaffen, damit sie sich besser in die Gesellschaft einfügen. Zudem stehen therapeutische Ansätze insbesondere für Sexualstraftäter zur Verfügung. So gab es in Nordrhein Westfalen zwischen 2001 und 2005 ein 837.000 Euro teures Projekt in Zusammenarbeit mit sieben Beratungsstellen, das insgesamt 150 straffällig gewordene Jugendliche betreut hat. Nach offiziellen Angaben sind nur drei von ihnen rückfällig geworden. Kampfsport wurde hier nicht unterrichtet.
Doch solange für Jugend-, Mädchen- und Frauenprojekte Gelder fehlen, ist es ein ambivalentes Thema, jugendliche Täterprojekte zu fördern bzw. in Zeiten mangelnder Jobs und Lehrstellen jugendlichen Straftätern das Privileg einer Ausbildung bzw. eines Arbeitsplatzes zukommen zu lassen. Das setzt außerdem Signale in eine falsche Richtung (sollen Jugendliche heutzutage zu Schlägern werden, um dann endlich eine Lehrstelle zu bekommen?).

Fazit

Es ist sicherlich begrüßenswert, wenn es zukünftig bessere Strukturen gibt, die sich um jugendliche Täter kümmern, indem sie sie von der schiefen Bahn holen. Das kann aber nur im Zusammenhang mit einer besseren Opferversorgung geschehen. Auch sollte schwerpunktmäßig auf Prävention gesetzt werden, anstatt auf Schadensverarbeitung. Das schließt die Förderung von Jugendzentren, Beratungsstellen und Sportvereinen mit ein. Wenn es um Aggressionsabbau bzw. -Kanalisierung geht, so sind Sportarten wie Volleyball, Fußball oder Schwimmen sicherlich das bessere und friedlichere Mittel als eine Kampfkunst. Abgesehen davon stellt sich die Frage, ob es überhaupt „negative Energien“ gibt, oder ob die bereits vorhandenen Energien lediglich mit „negativen Emotionen“ verknüpft werden, die ihren Ursprung nicht in Lethargie haben.
Im Falle unserer WT-Schulen muss der neue WT-Schüler beim Vertragsabschluss bestätigen, dass er nicht vorbestraft ist, aber eine 100-prozentige Sicherheit, dass es wirklich der Fall ist, hat man als Schulleiter leider nicht. Man kann aber dafür Sorgen, ein angstfreies und freundschaftliches Klima in der Schule herzustellen, das bestimmte Verhaltensweisen Einzelner von vornherein enttarnt (soweit dies überhaupt möglich ist). Außerdem bietet die EWTO unter der Leitung von Sifu Roy Schirdewahn spezielle Ausbilderseminare zum Thema „Gewaltprävention für Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen" an.


Quelle: Oliver C. Pfannenstiel, 3. TG WingTsun
Veröffentlicht auf den Internetseiten der Europäischen WingTsun Organisation.

WingTsun Schulen in der Nähe von Kirchardt & Bad Rappenau:

WT- Schule Kirchardt
Am Kandel 3/1
74912 Kirchardt-Berwangen

WT- Schule Bad Rappenau
Vulpiusstr. 6
74906 Bad Rappenau

Infotelefon:
07267-911 896 oder
07267-313 317

E-Mail:
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Web:
www.schnelleralsdieangst.de

Ihr Ansprechpartner:
Sascha Wagenbach, WingTsun Trainer der WT-Schulen Kirchardt & Bad Rappenau

Quelle: WingTsun Schulen Kirchardt & Bad Rappenau / pressbot.net

12.09.2006 - 0:00 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 475 X