Politik einfacher machen – Aldi-Diät für Bürokraten und andere Komplexitätskünstler
Bonn/Berlin – Politiker erteilen Wirtschaftsführern gern Lektionen. Doch es funktioniert auch umgekehrt. Sicher läuft in Unternehmen nicht alles besser als in der Politik. Doch insgesamt agieren Unternehmen häufig effizienter als Politiker, behauptet zumindest Dieter Brandes http://www.konsequent-einfach.com in seinem aktuellen Buch „Die Aldi-Diät für Deutschland“. Hierbei handelt es sich nicht um einen weiteren überflüssigen Abspeck-Ratgeber, sondern um „Rezepte für eine einfache Politik“. Der Autor war jahrelang Mitglied des Verwaltungsrates von Aldi Nord http://www.aldi.de und arbeitet mittlerweile als selbständiger Berater für Strategie und Organisation in Hamburg.
Ähnlich wie Handelsblatt-Chefredakteur http://www.handelsblatt.de Bernd Ziesemer sieht Brandes Deutschlands Hauptproblem darin, dass das Land in der Komplexitätsfalle steckt. Kaum jemand blickt mehr durch, politische Entscheider mit eingeschlossen, da grundlegende Regeln der Einfachheit missachtet werden. „Aldisierung“ der Politik bedeute etwas Positives, so der Autor, weil damit „Qualitätsorientierung und Konzentration“ gemeint seien. Ein guter Manager konzentriere sich nur auf Weniges. Einfachheit ist das Kernelement seines Managementsystems. Brandes hat fünf Regeln für eine gute Regierung und gute Politiker entwickelt, die sich an Leitsätzen für Unternehmenslenker orientieren, die auf Management statt Murks setzen.
Ein guter Politiker müsse eine klare Vorstellung davon haben, wie der Staat effizient geführt werden könne. Er solle auf seine Aufgaben durch eine entsprechende Berufsausbildung vorbereitet sein. Außerdem konzentriert er sich auf seine Verantwortung und die grundlegenden Regeln der Verfassung. Ein guter Politiker arbeite mit einem glaubwürdigen und konkreten Programm, das nicht aus 170 Themen bestehe, sondern aus zehn bis zwanzig Kernthemen und sich somit auf das Wesentliche konzentriere. Ein guter Politiker ist nach Einschätzung Brandes mutig und orientiert sich an seinem Programm und seinen Überzeugungen, ohne auf Pragmatismus zu verzichten. Zudem müsse er geistig und materiell unabhängig sein. Schließlich sei er glaubwürdig und berechenbar. Die Bürger können sich auf seine Worte verlassen.
„Es ist in der Tat so, dass die Politik eine Diät vertragen könnte. Man denke nur an die Themen Steuern, Hartz IV, den Arbeitsmarkt oder den Dauerbrenner Bürokratie. Gehen wir von der nationalen auf die europäische Ebene: Der berühmte ‚Acquis Communautaire’, also der Stand des gemeinsamen EU-Rechts, umfasst 31 Bände mit mehr als 85.000 Seiten. Da könnten schon noch ein paar Pfunde purzeln“, kommentiert Tobias Janßen von der Neusser Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft Goldfish Holdings http://www.goldfish-holdings.com. So meinte der Vizepräsident eines ostwestfälischen Regierungsbezirkes einmal ketzerisch: „Vielleicht muss man einfach zehn Prozent der Stellen in den Verwaltungen einsparen – dann gäbe es auch zehn Prozent weniger Verordnungen.“
Dieter Brandes: Die Aldi-Diät für Deutschland. Rezepte für eine einfache Politik. Econ Verlag: Berlin 2007. 180 Seiten, 16,95 Euro, ISBN-10: 3430200113.
Quelle: medienbüro.sohn / pressbot.net
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25.04.2007 - 0:00 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 315 X
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