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& o-Geschäftsführer Michael Müller: Große Koalition darf neue Bundesländer nicht links liegen lassen – 15 Jahre nach der Wiedervereinigung sollte Ostdeutschland nicht nur Chefsache, sondern auch Herzenssache sein


Potsdam – 15 Jahre nach Herstellung der deutschen Einheit scheint der Aufbau in Ostdeutschland keine Rolle mehr zu spielen. Bei den Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Großen Koalition blieb bisher unklar, wer in Zukunft für den Osten Deutschlands zuständig sein wird. „Auf die Menschen in Brandenburg, Sachsen oder Thüringen müssen die Gespräche zwischen Union und SPD in Berlin abschreckend wirken. Sie haben nicht zu Unrecht den Eindruck, dass Ostdeutschland nur noch ein ungeliebtes Thema ist, für das sich keiner mehr so recht interessiert, weil es keine persönlichen Meriten verspricht. Das haben die Menschen, die hier leben, einfach nicht verdient“, sagte Michael Müller, Geschäftsführer der a & o-Gruppe in Potsdam und Wirtschaftssenator im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW).

„Bisher wurde viel über Posten und Karrieren von Parteipolitikern gesprochen. Ob die Politiker von Union und SPD alle ihren Traumjob als Minister, Kanzler oder Staatssekretäre bekommen, das interessiert den Arbeitslosen in Frankfurt an der Oder oder in Bautzen herzlich wenig. Insbesondere von einer Kanzlerin, die selber aus dem Osten kommt, hätten sich viele ein anderes psychologisches Signal erwartet nach dem Motto: Jetzt packen wir es noch mal richtig an und korrigieren die Fehler, die seit 1990 gemacht worden sind“, so Müller. Müller zeigte sich irritiert über Presseberichte, wonach der designierte Wirtschaftsminister Edmund Stoiber (CSU) kein Interesse an der Zuständigkeit für die neuen Länder bekundet und mitgeteilt habe, die mögliche Kanzlerin Merkel werde Ostdeutschland zur Chefsache machen. „Sollte das stimmen, hielte ich eine solche Aufgabenverteilung für sehr bedenklich. Bei manchen wird der Eindruck entstehen, als wolle sich der CSU-Vorsitzende ein Ministerium nach seinen Wünschen zusammen basteln. Und mit dem Osten kann man nach weiß-blauer Lesart wohl nicht so viel Staat machen“, meinte Müller.

Müller hatte den Firmensitz seines Unternehmens Anfang September 2005 nach Potsdam-Babelsberg verlegt: „Ich habe dies als Zeichen an die Menschen in der Region verstanden. Zu der Zeit, als aus Bayern über die angeblich frustrierten Ostdeutschen geklagt wurde, haben wir völlig andere Erfahrungen gemacht. Die brandenburgische Landesregierung hat uns den roten Teppich ausgerollt und unbürokratische Hilfe beim Start geleistet. Und die Menschen haben uns mit offenen Armen empfangen, weil wir bis Ende 2005 rund 150 Leute in unserem Firmensitz in Potsdam in Lohn und Brot bringen wollen.“ Man dürfe aber nicht alles mies reden. Müller äußerte die Hoffnung, dass eine Große Koalition auf Bundesebene die Probleme in Ostdeutschland endlich als gesamtdeutsche Frage begreife. „Ich bin ja gebürtiger Rheinländer und der Region weiterhin sehr verbunden. Seit mehreren Jahren lebe ich aber mit meiner Familie in der Nähe von Magdeburg und erlebe die Einheit jeden Tag als tolles Geschenk. Leider werden sich die vielen Arbeitslosen im Osten, die sich von der Politik abgeschrieben fühlen, weniger freuen als ich.“

Die neuen Länder müssten zur Wachstumslokomotive gemacht werden, so Müller. Es sei sehr bedenklich, wenn die Wirtschaft 2004 im Osten nur um 0,5 Prozent, im Westen aber um 1,5 Prozent gewachsen sei. Außerdem blute der Osten immer mehr aus. In den kommenden 15 Jahren werde die Bevölkerungszahl von heute 13,6 auf dann zwölf Millionen zurückgehen. Aber es sei auch nicht alles schlecht. So liege beispielsweise Sachsen im Länder-Vergleich der wirtschaftlichen Dynamik an der Spitze vor Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Bayern. Und es gebe die so genannten „Leuchtturm“-Regionen in Berlin, Dresden oder Leipzig. „Wir sollten genau studieren, was in diesen Städten und Regionen besser gelaufen ist als anderswo“, sagte der a & o-Geschäftsführer. Vielleicht könnten sich die Politiker den wichtigen Problemen des Landes wieder zuwenden, wenn die Personalfragen in der Hauptstadt endgültig geklärt seien.




Quelle: medienbüro.sohn / pressbot.net

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19.10.2005 - 12:12 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 146 X