Genossenschaften werden europäisch
Berlin, 19. Oktober 2005 - Das Bundesjustizministerium hat heute den Referentenentwurf zur Reform des Genossenschaftsrechts den Bundesministerien, Ländern und Verbänden zur Stellungnahme zugeleitet.
Anlass ist die Einführung der Europäischen Genossenschaft oder Societas Cooperativa Europaea (SCE) in das deutsche Recht. Die SCE ist eine neue Rechtsform nach europäischem Gemeinschaftsrecht. Sie tritt neben die Genossenschaft nach nationalem Recht. Grundlage sind zwei EU-Rechtsakte vom Sommer 2003: eine Verordnung, die unmittelbar in den Mitgliedstaten gilt, und eine Richtlinie über die Beteiligung der Arbeitnehmer, die bis August 2006 in nationales Recht umzusetzen ist.
"Die neue Rechtsform der Europäischen Genossenschaft soll Genossenschaften die grenzüberschreitende Betätigung erleichtern. Durch attraktive Ausführungsvorschriften wollen wir einen Anreiz bieten, dass eine neu gegründete Europäische Genossenschaft ihren Sitz in Deutschland nimmt", erklärte die Bundesjustizministerin Brigitte Zypries.
Um die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Genossenschaft gegenüber der SCE zu gewährleisten, sieht der Gesetzentwurf neben den Ausführungsvorschriften zum europäischen Recht eine maßvolle Modernisierung des deutschen Genossenschaftsgesetzes vor:
- Die Gründung von Genossenschaften soll erleichtert und die allgemeinen Rahmenbedingungen gerade für kleine Genossenschaften verbessert werden. Zum Beispiel soll die Mindestmitgliederzahl von sieben auf drei abgesenkt werden. Die Rechtsform der Genossenschaft soll auch für soziale oder kulturelle Zwecke geöffnet werden. Besonders wichtig für kleine Genossenschaften ist die vorgesehene Ausnahme von der Prüfung des Jahresabschlusses bei Genossenschaften mit einer Bilanzsumme bis einer Million Euro.
- Ideen aus der im Aktienrecht geführten Corporate-Governance-Diskussion sollen auf die Genossenschaft übertragen werden. Dabei geht es z.B. um die Stärkung der Rolle des Aufsichtsrats durch Informationsrechte des einzelnen Aufsichtsratsmitglieds und um bessere Informationsversorgung und Einflussmöglichkeiten der Mitglieder.
- Die Kapitalbeschaffung und Kapitalerhaltung soll erleichtert werden: Hierfür soll zum Beispiel eine Sachgründung zugelassen werden, ein Mindestkapital eingeführt werden können, rein investierende Mitglieder zugelassen werden.
"Mein Ziel ist es, die Attraktivität der Genossenschaft zu stärken und deutlich zu machen, dass die Genossenschaft eine den Ansprüchen des modernen Wirtschaftslebens entsprechende Rechtsform ist. Denn Genossenschaften sind eine bewährte Form wirtschaftlicher Tätigkeit, bei denen sich unternehmerische Initiative, Selbsthilfe und soziale Orientierung miteinander verbinden. In Zeiten, in denen mehr Bürgerinitiative gefragt ist, und das Bewusstsein wächst, dass zum Unternehmertum auch soziale Verantwortung gehört, sollte die Genossenschaft eine größere Rolle im Wirtschaftsleben und in der Gesellschaft spielen", so Zypries weiter.
Herausgegeben vom Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit desBundesministeriums der JustizVerantwortlich: Eva Schmierer; Redaktion: Ulf Gerder, Dr. Henning Plöger, Christiane WirtzMohrenstr. 37, 10117 BerlinTelefon 01888 580-9030Telefax 01888 580-9046presse
bmj.bund.de
Quelle: BUNDESMINISTERIUM DER JUSTIZ (BMJ) / pressrelations.de
20.10.2005 - 10:13 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 64 X
Vorherige Artikel
EU-Kommissar Piebalgs und Staatssekretär Adamowitsch eröffnen "Europäisches Fossile Brennstoffe Forum" in Berlin
19.10.2005 - Die Europäische Kommission veranstaltet am 19./20. Oktober 2005 im Konferenzzentrum des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit das "Europäische Fossile Brennstoffe Fo
Deutschland unterstützt Humanitäre Hilfsmaßnahmen in der Erdbebenregion Kaschmir
19.10.05 - Unmittelbar nach dem Erdbeben in Pakistan und Indien hat die Bundesregierung die betroffenen Staaten Ihrer vollen Unterstützung versichert und Hilfe angeboten. Deutschland hat bisher
Auswärtiges Amt veranstaltet VN-Konferenz zum Thema "Menschenrecht auf Wasser" (21.-22. Oktober 2005)
Mittwoch 19.10.05 - Zu Beginn der VN-Dekade "Water for Life" veranstaltet das Auswärtige Amt gemeinsam mit dem Büro der Hochkommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen in di
Nächste Artikel
Grubenwehr-Ehrenzeichen in Gold und Silber verliehen
19.10.2005 - Zwölf Grubenwehr-Ehrenzeichen in Gold und ein Grubenwehr-Ehrenzeichen in Silber verlieh der Thüringer Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Dr. Volker Sklen
STADLER: Keine Bundeswehreinsätze im Inneren
BERLIN, 19.10.2005 - Zu den Verhandlungen der CDU/CSU und SPD über den Einsatz der Bundeswehr im Inneren erklärt der Innenpolitiker der FDP-Bundestagsfraktion, Max STADLER: Die FDP wird e
Letzte Chance für preisgünstigen Reisepass ohne Biometriechip bis 31. Oktober 2005
Sputen muss sich jetzt, wer bei seinem neuen Reispass 23 Euro sparen, auf dem Passfoto lächen und ohne per Funk auslesbaren Fingerabdruck im Passchip die nächsten 10 Jahre leben will. Viele
DGB fordert Politik für Beschäftigung und Wachstum
19.10.2005 - Mit Blick auf die laufenden Koalitionsverhandlungen haben die rund 90 Delegierten des DGB-Bundesausschusses, dem höchsten Gremium des DGB zwischen den Bundeskongressen, am Mittwoch
Bundeswehr hat im Inneren nichts zu suchen
19. 10. 2005 - Die Union will das Grundgesetz ändern, um die Bundeswehr auch im Innern einsetzen zu können. Dazu erklärt Petra Pau, Linksfraktion:Die Bundeswehr ist keine Ersatzpolizei