Wratislavia Cantans – Festival europäischer Dimension
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Im polnischen Wroclaw (Breslau) ging das 42. Wratislavia Cantans zu Ende, ein Festival, das zu den bedeutendsten Musikereignissen in Polen zählt und seit 1978 bei der European Festivals Association (EFA) aufgenommen einen festen Platz unter den großen europäischen Festivals inne hat.
In der Ausgabe 2007 gab es rund 40 Konzerte mit mehr als 2000 Mitwirkenden nicht nur in Wroclaw sondern an zahlreichen historischen Orten weiterer niederschlesischer Städte.
Das 11tägige Festival kennt nach eigenen Angaben keine kulturellen, religiösen, historischen oder geografischen Grenzen. Oratorien und Symphoniekonzerte, Kammermusik und sakrale Musik stehen auf dem Programm.
Neben Breslau, wo ein Großteil der Veranstaltungen stattfindet, gab es in diesem Jahr erstmals ein Konzert in der Friedenskirche in Ś;widnica/Schweidnitz zu bestaunen, ein UNESCO prämierter Ort ganz besonderer optischer Qualität.
Beim bemerkenswerten 2007 Programm sakraler Musik von klassisch bis zeitgenössisch haben Festivaldirektor Andrzej Kosendiak und sein künstlerischer Direktor, der englische Dirigent Paul McGreesh, mit viel Fingerspitzengefühl den musikalischen Bogen zwischen Barock und Moderne gespannt.
Die Bedeutung von Wratislavia Cantas ist unbestritten die hohe Qualität der ausländischen Gäste in Zusammenarbeit mit qualifizierten polnischen Ensembles, Sängern und Dirigenten. Aber nicht nur ein miteinander Arbeiten und voneinander Lernen tauschen sich dabei aus; auch gelingt es, der Musikelite, die in Polen verblieben ist, ein internationales Podium zu schaffen. Im Gegenzug erhalten die über 25.000 zumeist polnischen Festivalbesucher jährlich ein Top-Angebot internationaler Stars der Branche in Wroclaw angeboten.
Dazu zählten in diesem Jahr der britischen Dirigenten Sir John Eliot Gardiner (mit Kantaten aus der Bach Familie rund um das Erzengel-Fest des Hl. Michael) und aus Deutschland der Rias-Kammerchor (mit Choralmusik von Mendelssohn, Brahms und Mahler) und Cantus Cölln (mit Buxtehude, Weckmann und Rosenmüller „auf dem Weg zu Bach“).
Darüber hinaus boten Veranstaltungen mit Brahms Deutschem Requiem und Händels Brockes Passion (ein zu Unrecht vernachlässigtes Werk) bis hin zu Ralph Vaughan Williams (Flos Campi) und die daran angelehnte Uraufführung „of the songs“ von Agata Zubel eine extreme Bandbreite von sakraler Musik polnischer Provenienz oder Interpretation.
Bei einem derart hohen Qualitätsaufkommen vermisst man den ausländischen Besucherstrom, sei es aus dem nahen Deutschland, den Benelux-Ländern, Österreich und der Schweiz ebenso wie die asiatischen Musikliebhaber und die Amerikaner, die allesamt eine wichtige ökonomische Bedeutung für Wroclaw haben könnten. Die polnischen Musikfreunde buchen bekanntermaßen frühzeitig alles, was Qualität hat. Die ausländischen Gäste hingegen verweilen in der Region und sollten unbedingt informiert und angesprochen werden, eine Arbeit, die nicht Aufgabe des Festivals sein kann und der sich andere städtische Organisationen stellen müssten.
Wratislavia Cantas als europäisches Festival internationaler Qualität, verdient unbedingt noch mehr die Aufmerksamkeit des internationalen Festivalpublikums.
Zum Nachlesen: http://www.wratislaviacantans.pl/programde.htm
Foto: Viele Kirchen in Niederschlesien sind Schauplatz von Kunst und Kultur, nicht nur zur Wratislavia Cantans Festivalzeit. Hier die politisch kritische Arbeit „Schach-Spiel der Könige, Installation aus Blut und Teer“ des deutschen, in Wroclaw arbeitenden Bildhauers Kurt Fleckenstein, der zeitgenössische, kritische Kunst in oder im direkten Umfeld klassischer polnischer Sakralbauten ausstellt. (www.fleckenstein.com)
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20.09.2007 - 17:09 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 168 X
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