Landesdenkmalamt und Stadt Völklingen informieren über die Ausgrabungen an der Martinskirche
Umweltstaatssekretär Rainer Grün: "Ein bedeutsamer Ort für die Völklinger Stadtgeschichte"
Seit einigen Wochen laufen in Völklingen auf dem Gelände der ehemaligen Martinskirche, die in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts abgerissen worden war, wieder archäologische Ausgrabungen. Bei einem Pressetermin, den das Landesdenkmalamt und die Stadt Völklingen dazu nutzten, um die aktuellen Grabungsergebnisse vorzustellen, informierte sich auch Umwelt-Staatssekretär Rainer Grün vor Ort über die neuesten Befunde.
Geleitet werden die Ausgrabungen von zwei Archäologinnen des Landesdenkmalamtes. Hier einige interessante Ergebnisse der aktuellen Grabungen: Die Geschichte der ehemaligen Kirche konnte weitgehend geklärt werden. Der bis vor wenigen Jahrzehnten noch sichtbare Bau aus der Barockzeit war im 19. Jahrhundert erweitert und umgebaut worden. Die Ausgrabungen wiesen mehrere Vorgängerbauten des Früh- und Hochmittelalters nach. Über zwölf Jahrhunderte hinweg hatten die Einwohner Völklingens um die Kirche herum ihre Toten bestattet. Zahlreiche Gräber konnten freigelegt und untersucht werden. Die noch ausstehenden anthropologischen Untersuchungen versprechen in Verbindung mit den archäologischen Beobachtungen noch wesentlich mehr Erkenntnisse.
Besonders interessant ist eine Gruppe von Gräbern, in denen schwangere oder im Kindbett verstorbene Frauen bestattet wurden. Diese Gräber stammen aus dem Spätmittelalter. Die Bestattungen erfolgten dicht bei der Kirche und fallen durch ihre Grabbeigaben auf, die aus einem Tongefäß bzw. einem anderen Behältnis und einer Eisenschere bestehen. Welche Vorstellungen sich genau hinter diesem Brauch verbergen, bleibt noch zu erforschen. Noch immer sind viele Fragen offen. So ist das Gründungsdatum der Kirche, das sicher schon vor dem Jahr 1000 gelegen hat, bisher noch nicht exakt festzustellen. Die Archäologen setzen derzeit an mehreren Stellen gezielt an, die Aufschluss über diese wichtige Frage versprechen. Die Chancen stehen gut, dass es gelingen wird, die Geschichte der Kirche noch weiter zurück ins Frühmittelalter zu verfolgen.
Nach Beendigung der diesjährigen Grabungen steht den beiden Archäologinnen, Ines Berwanger und Constanze Schiene, die wichtige Aufgabe bevor, die vielen einzelnen "Puzzleteilchen" des "Alten Brühl", zusammen zu tragen. Hierzu müssen schriftliche und mündliche Überlieferungen zusammengetragen und ausgewertet werden. Nach Abschluss der Untersuchungen sollen die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Seit 2001 fanden bereits mehrere Grabungen statt, die jeweils mehrere Monate dauerten und die den Bereich der Kirchenruine und des zugehörigen Kirchhofs erforschten. Anlass für diese umfangreichen Arbeiten war damals der Plan, an dem Standort der alten Kirche ein Einkaufszentrum zu errichten.
Weil der Bau des Einkaufzentrums ein wichtiges Zeugnis der Völklinger Stadtgeschichte zu zerstören drohte, wurden die Bauplanungen bald eingestellt. Nachdem die Bedeutung des Bodendenkmals erkannt war, konnte die umgehend eingeleitete Rettungsgrabung in ein umfangreiches und längerfristiges Forschungsprojekt überführt werden, das bereits wichtige Aufschlüsse zur Geschichte der Stadt Völklingen erbracht hat und noch erbringen wird. In enger Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt und der Bürgerinitiative "Alter Brühl" e.V. hat die Stadt Völklingen mit großem Engagement das Projekt gefördert und vorangetrieben. Kennen Sie schon das neue Internetportal des Landesdenkmalamtes? Schauen Sie doch mal rein unter: www.denkmal.saarland.de
Internet-Link zur Druckversion: http://www.saarland.de/prd/prd_drucken.htm?mid=8085
Quelle: MINISTERIUM FÜR UMWELT DES SAARLANDES / pressrelations.de
21.09.2005 - 18:03 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 386 X
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