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Mode: Elsa Schiaparelli: Die erfolgreichste Pariser Modeschöpferin


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Leseprobe aus dem Taschenbuch "Superfrauen 13 - Mode und Kosmetik" von Ernst Probst:

Die erfolgreichste Pariser Modeschöpferin der 1930-er Jahre war die aus Italien stammende Elsa Schiaparelli (1890–1973). Man rechnete sie zum leuchtenden „Dreigestirn der Haute Couture“, zu dem außer ihr noch Christian Dior (1905–1957) und Jacques Fath (1912–1954) zählten. Sie erfand „Shocking-Pink“ als Modefarbe, richtete die erste ”Prêt-á-porter-Boutique“ in Paris ein, schuf als Erste Abendkleider aus Cord und machte den Reißverschluss salonfähig.

Elsa Schiaparelli kam vermutlich am 10. September 1890 – nach anderen Angaben erst 1896 – als Tochter einer Gelehrtenfamilie in Rom zur Welt. Ihr Vater war Orientalist, ein Onkel Ägyptologe und ein anderer Astronom. Am liebsten hielt sich Elsa während ihrer Kinderzeit in der elterlichen Bibliothek auf, in der sie sich mit Philosophie und Theologie beschäftigte.

Nach dem Studium der Philosophie lebte Elsa Schiaparelli in den USA. In New York befreundete sie sich mit dem französischen Maler spanischer Abstammung, Francis Picabia (1879–1953), der während der 1920-er Jahre in Paris im Dadaismus führend war. Durch Picabia bekam Elsa Kontakte mit anderen Künstlern.

1914 heiratete Elsa Schiaparelli den polnischen Grafen William Wendt de Kerlor. 1920 brachte sie ihre Tochter Yvonne zur Welt, die „Gogo“ gerufen wurde. Nach der Scheidung ihrer unglücklichen Ehe zog Elsa 1920 mit ihrem kleinen Kind und vielen Ideen nach Paris.

In der französischen Hauptstadt entwarf Elsa Schiaparelli für sich selbst einen schicken, schwarzen Pullover mit weißen Streifen und angestricktem Schal, der einer amerikanischen Einkäuferin so gut gefiel, dass sie 40 Exemplare davon orderte. Mit diesem Kleidungsstück, das erfolgreich in amerikanischen Kaufhäusern angeboten wurde, startete sie ihre Karriere als Modeschöpferin.

Madame Schiaparelli mietete zunächst eine Mansarde in der damaligen Modestraße „Rue de la Paix“, dann einen Speicher und schließlich eine Bel Etage am „Place Vendôme“ in Paris. 1928 trat sie in der Hierarchie der Haute Couture die Nachfolge des Modezaren Paul Poiret (1879–1944) an, der 1927 die Pforten seines Modehauses schloss und als armer Mann endete.

Wie Poiret liebte auch „Schiap“ glühende Farben. Sie eröffnete die erste „Prêt-á-porter-Boutique“ von Paris und bot dort neben ihrem Haute-Couture-Haus auch Konfektionsware zu weniger hohen Preisen an: Modeschmuck, Sweater, Tücher, kleine Reisekostüme, Hüte und Strandensembles.

Eine der ersten Kundinnen war die Bestseller-Autorin Anita Loos (1893–1981), die unter anderem das Buch „Gentlemen prefer Blondes“ (1961) schrieb, und für sie in Hollywood Reklame machte. Bald gehörten auch die Filmschauspielerinnen Gloria Swanson (1899–1983), Joan Crawford (1908–1977), Norma Shearer (1900–1983), Marlene Dietrich (1901–1992) und Greta Garbo (1905–1990) zum Kundenkreis von Elsa Schiaparelli. Außerdem zog sie die junge Herzogin von Windsor und die Begum an.

In den 1930-er Jahren arbeiteten etwa 400 Angestellte für Elsa Schiaparelli, die als junge Modeschöpferin von dem amerikanischen Objektkünstler Man Ray (1890–1976) fotografiert wurde. Schon damals hatte sie ein modernes Gesicht mit kurzen Haaren und vollem Mund. Den „Jedermann-Stil“ der Modeschöpferin Choco Chanel (1883–1971) kritisierte sie heftig.

Elsa Schiaparellis Kreationen wirkten auf das Publikum sensationell. Sie war bekannt für ihren mutigen Gebrauch von Farben, zu denen unter anderem ein schockierendes Pink gehörte. Außerdem gestaltete sie Reißverschlüsse und Knöpfe und kreierte abenteuerlich aussehende Hüte. Ihre surrealen Kopfbedeckungen besaßen die Form von Spinnweben, Soldatenmützen oder menschlichem Hirn.

„Schiap“, deren Hobby der Zirkus war, entwarf Seidentüchter mit Zirkusmotiven und wurde durch glitzernde Clowns zu paillettenbestickten Abendkleidern inspiriert. Ihr Parfüm hieß nach ihrem schockierenden Rot „Shocking“. Ihr gebührt auch die Ehre, den eleganten Haus-Pyjama, mit denen Madame zur blauen Stunde empfing, und die Abendhose erfunden zu haben.

Die größten Triumphe feierte Elsa Schiaparelli während der exaltierten Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg. Damals zeigten ihre Entwürfe den Einfluss des Surrealismus auf die Mode. Sie arbeitete mit den berühmten spanischen Künstlern Pablo Picasso (1881–1973) und Salvador Dalí (1904–1989) zusammen. Als die Deutschen in Paris einmarschierten, setzte sich Elsa in die USA ab.

Ablehnend stand Elsa Schiaparelli der Gleichmacherei in Sachen Mode von Uniform-Look bis Unisex gegenüber. Ihr oberstes Gebot war es stets, eine Frau so anzuziehen, dass sie sehr sexy und ein bisschen „fatal“ wirkte. Viele ihrer närrischen Mode-Einfälle wie Clowns, Elefanten, Pferde und Luftballons, auf Stoffe gedruckt, schwarze Strumpfhalter und Watteschultern, kehrten später in der Popmode wieder.

In Elsa Schiaparellis Memoiren „Shocking“ (1954) heißt es unter anderem: „Vergessen wir nie, dass 20 von 100 Frauen Minderwertigkeitskomplexe und 70 von 100 Illusionen haben“. Außerdem schrieb sie, die Mode entstehe aus Kleinigkeiten, Tendenzen oder politischen Ereignissen, aber niemals, indem man Kleider kürzer oder länger mache und Plissees, Putz oder andere Lappalien zu fabrizieren versuche.

Kleider zu entwerfen, das war nach Ansicht von Elsa Schiaparelli kein Beruf, sondern eine Kunst, die wegen der Schnelligkeit, mit der ein Entwurf aus der Mode kommt, extrem schwierig und frustrierend sei. Die Schöpfung müsse immer in die Zukunft gerichtet sein, erklärte sie, und ihre Zartheit erfordere sichere Führung, die mit dem Studium der Klassiker komme.

Die neue Idee von Elsa Schiaparelli war immer die gleiche: Auswahl und Übereinstimmung von Kollegen mit außergewöhnlichen Talenten, der Inspiration und Begleitung dieser Elite hin zu einer Übersteigerung ihrer Fähigkeiten, neue Objekte von emotionalem Wert zu schaffen und zu produzieren.

1954 schloss Elsa Schiaparelli ihr renommiertes Haute-Couture-Haus in Paris, führte jedoch Parfüm und Lizenzen weiter. Danach zog sich die an Gefäßkrankheiten Leidende in ihr Palais in der „Rue de Berri“ in Paris zurück, das einst einer Prinzessin und Nichte von Napoléon Bonaparte (1769–1821) gehört hatte.

Während ihrer letzten Lebensjahre hatte Elsa Schiaparelli nur mit wenigen engen Freunden Kontakt. Dazu gehörten der Modeschöpfer Hubert de Givenchy, der bei ihr lernte, Yves Saint-Laurent, Salvador Dalí, der verrückte Hüte und Schuhe für ihre Kollektionen entwarf, und Leonor Fini, die die berühmte Flasche mit Wespentaille für das Schiaparelli-Parfüm „Shocking“ schuf. Außerdem freute sie sich über die Gesellschaft ihrer Enkelin Marisa Berenson, die als Fotomodell und Jet-Set-Girl Aufsehen erregte.

Im November 1973 starb Elsa Schiaparelli im Alter von vermutlich 83 Jahren in Paris. Der Couturier Yves Saint-Laurent sagte über sie, sie sei immer ihrer Zeit weit voraus gewesen. „Schiaps“ Tochter heiratete in erster Ehe den italienischen Marquese di Giuliano, dem sie die Töchter Berinthya und Marisa gebar. Erstere vermählte sich mit dem Filmschauspieler Antony Perkins, Letztere war mit David Rothschild verlobt.

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Quelle: Verlag Ernst Probst / pressbot.net

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23.09.2005 - 9:44 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 338 X