Der Markt ist unpatriotisch – Vaterländische Unternehmen gibt es nicht
Bonn/Bad Homburg – In Deutschland trägt die Wirtschaftselite zur Entsolidarisierung bei. Die Herren Manager halten sich nicht einmal mehr an ihre eigenen kapitalistischen Tugenden; stattdessen herrscht der blanke Eigennutz. Es gibt keine Marktwirtschaft mehr, sondern nur noch ein „System der Konzerne“ (John Kenneth Galbraith). Diese Thesen finden sich in dem neuen Buch „Dann wählt mal schön“ des ZDF-Journalisten Wolfgang Herles. Sie dürften die gängige Meinung über die deutsche Wirtschaftselite widerspiegeln. „Auf der Suche nach dem patriotischen Unternehmer“ lautet die irreführende Überschrift der FAZ-Redakteurin http://www.faz.net Karen Horn, die in ihrer Zeitung über die jüngsten Sinclair-Haus-Gespräche berichtet. Denn der Vorwurf des unpatriotischen Handelns trifft wohl eher die angestellten Manager von Konzernen als die Inhaber kleiner oder mittlerer Unternehmen, die oft im Familienbesitz und regional verwurzelt sind.
Horn erinnert daran, dass in Zeiten der Globalisierung immer weniger Unternehmen französisch, deutsch oder amerikanisch sind. Politiker kommen mit dieser neuen Wirklichkeit noch nicht klar. Der ehemalige SPD-Parteichef Franz Müntefering bezeichnete die ausländischen Finanzinvestoren als „Heuschrecken“. Manche fürchteten, dass diese Wortwahl zu antiamerikanischen und antisemitischen Fehldeutungen einladen würde. Auch von den „neuen vaterlandslosen Gesellen“ war schon die Rede. Und in Frankreich rief der smarte Premierminister Dominique de Villepin einen „Wirtschaftspatriotismus“ aus, der irgendwo zwischen Protektionismus und Industriepolitik changiert, so Horn. Der Philosoph Hermann Lübbe brachte die Dinge bei dem Sinclair-Haus-Gespräch der Herbert-Quandt-Stiftung http://www.h-quandt-stiftung.de in Bad Homburg auf den Punkt: Rational betrachtet bedeute das Schlagwort Wirtschaftspatriotismus, dass das wirtschaftlich zu tun sei, was dem Land am meisten nutze – Protektionismus und Industriepolitik zählten bekanntlich nicht dazu.
Alexander Dibelius, Leiter von Goldman Sachs Deutschland http://www.goldman-sachs.de, fasste es noch kürzer: Unpatriotisch ist eine Politik, die die Unternehmen ins Ausland treibt.“ Kritischere Töne kamen von dem Historiker Lothar Gall, der die These aufstellte, unternehmerisch Handelnde würden sich heute nicht mehr für das Gemeinwesen und die gemeinsame Arbeit daran interessieren. Und Michael Klett, Vorstandsvorsitzender der Klett AG http://www.klett.de, forderte insbesondere die mittelständischen Unternehmer auf, sich politisch zu engagieren, damit sich die Standortbedingungen besserten. Und Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.de, befindet: „Der Markt ist unpatriotisch. Bloße Appelle an die Vaterlandsliebe von Unternehmen bringen gar nichts. Ein Unternehmer oder ein angestellter Manager muss zuerst an seine Mitarbeiter denken. Abstraktere Größen wie das Vaterland spielen keine Rolle in seinen täglichen Überlegungen.“
Quelle: medienbüro.sohn / pressbot.net
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30.11.2005 - 9:40 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 604 X
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