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Comeback: Schwere Düfte sind wieder gefragt - Parfum sollte zum Typ und zum Anlass passen


Von Alexander Hauk

Der Kinofilm „Das Parfum“ lässt die Nachfrage nach Duftstoffen steigen. Das berichtet der Bundesverband Parfümerien im nordrhein-westfälischen Recklinghausen. Vor allem die blumigen Düfte seien wieder in, so Geschäftsführer Werner Hariegel. Abgesehen davon, gebe es keine eindeutigen Dufttrends, zu unterschiedlich seien die Geschmäcker. „Welches Parfüm verwendet wird, hängt vom Typ und vom Anlass ab“, so Hariegel. Doch wie findet man in der Fülle des Angebots das Parfüm, das zu einem passt?

Ob blumig, frisch, holzig, ledrig, metallisch oder orientalisch: Für welche Duftnote man sich entscheidet, hängt zunächst einmal vom persönlichen Geschmack ab. Wer nur an der Flasche oder einem Teststreifen schnuppert, riecht hauptsächlich die Kopfnote und den Alkohol. „Unsere Duftberaterinnen arbeiten deshalb ohne Kärtchen, weil der Duft auf der Haut riechen muss“, sagt Maximilian Riegler, Inhaber der Zentral Drogerie in München. Sein Unternehmen ist mit etwa 1.500 Düften und mehr als 300.000 Artikeln die größte inhabergeführte Parfümerie in Europa. Gut entwickle sich ein Parfum vor allem, wenn man es an Körperstellen aufträgt, die besonders warm sind, etwa am Hals oder an den Handgelenken. „Bevor das Parfum auf der Haut aufgetragen wird, sollte man sich vergewissern, dass an der Stelle nicht schon ein anderer Duft vorhanden ist, zum Beispiel von einer Seife oder Creme“, rät Riegler im Ladengeschäft nahe dem Münchner Hauptbahnhof.

Duftneutralisation mit Kaffeebohnen

Wer einen bestimmten Duft sucht, kann zunächst einmal versuchen, ihn zu beschreiben. Eine gute Beraterin kann auch dann weiterhelfen, wenn man nicht so genau sagen kann, was man eigentlich sucht. Bei der Zentral Drogerie legt man großen Wert auf Beratung. „Von unseren 43 Mitarbeiterinnen sind 34 in der Beratung tätig“, berichtet Riegler. Neben ihrer drei Jahre dauernden Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, haben alle Mitarbeiter eine Zusatzausbildung zur Visagistin, Kosmetikerin oder Drogistin. Zudem nehmen alle Mitarbeiter jährlich an mehreren Schulungen und Seminaren teil. „Man sollte niemals mehr als zwei oder drei Parfüms gleichzeitig testen. Die Nase kann nicht in einem kurzen Augenblick eine Reihe von Düften mustern“, rät Riegler. Zur Duftneutralisation wird in der Zentral Drogerie eine Dose mit Kaffeebohnen gereicht.

„Den typischen Parfümkäufer, der dieses oder jenes Parfüm kauft, gibt es nicht“, hat Riegler beobachtet. Aber: Romantische Typen bevorzugen Blütendüfte wie beispielsweise Jasmin, Rosen und Lavendel. Extravagante Typen mögen schwere Parfüms mit einem betörenden Duft, die meist viel Moschus oder Zibet enthalten. Sportliche Typen dagegen bevorzugen leichte, frische Parfüms, also zitronige Duftnoten. Der Duft muss aber nicht nur zum Träger, sondern auch zum Anlass passen. „Im Büro empfiehlt sich ein klassischer, auf gar keinen Fall aufdringlicher Duft“, so Riegler. Bei gesellschaftlichen Anlässen am Abend könne der Duft dann aber ruhig mal intensiver sein.

Auch für die Disco darf es ruhig etwas mehr und intensiver sein. Wo sich verschwitzte Körper auf der Tanzfläche drängeln, herrscht meist dicke Luft, die den eigenen Wohlgeruch unterdrückt. Bei sommerlichen Temperaturen sollten Düfte dagegen sparsamer eingesetzt werden, weil die Produktion vermehrter Hautfette den Duft intensiviert. „Statt eines Parfüms reicht auch ein weniger stark konzentriertes Eau de Toilette“, sagt Riegler. Einen Trend hin zu einem bestimmten Produkt oder Duft gebe es nicht, berichtet der Duftexperte. Allerdings gebe es Klassiker, wie „Chanel No. 5“ oder „Cool Water“ von Davidoff, die immer wieder gekauft würden.

Gleiches Parfüm riecht unterschiedlich

Jedes Parfüm hat sein eigenes Leben: Es besteht aus pflanzlichen oder chemischen Duftstoffen, die in Alkohol gelöst sind. „Die Zusammensetzung der Mischung ist das Geheimnis des Parfumeurs, der dem Duftwasser Sinnlichkeit und Tiefe verleiht“, sagt Werner Hariegel vom Bundesverband Parfümerien. Ein neues Parfüm wird aus verschiedenen Duftstoffen zusammengesetzt, wobei der Parfumeur zwischen Kopf-, Herz- und Basisnote unterscheidet. Als erstes wird die Kopfnote wahrgenommen, die durch leichtere und frischere Düfte bestimmt wird, die sich schnell verflüchtigen.

Den wahren Charakter eines Parfüms verrät die Herznote, die alle Düfte zu einem Duftkomplex vereint. „Die Basisnote schließlich ist Grundlage für die Ausdrucksstärke des Parfums“, so Hariegel. Dafür verwenden die Duftexperten schwere, lang anhaltende Duftstoffe wie zum Beispiel Sandelholz. Seine volle Blüte könne ein Duft erst auf der Haut entfalten. Aber jede Haut ist anders: „Alles, was an der Hautoberfläche passiert, beeinflusst den Duft des Parfüms auf der Haut“, so Hariegel. Das hängt zum Teil mit der Verdunstung zusammen, die notwendig ist, damit das Parfüm überhaupt riecht. Je mehr man schwitzt, desto weniger haften die Duftstoffe.

Auch die Ernährung beeinflusst den Duft. „Wer sich zum Beispiel sehr fettreich und scharf gewürzt ernährt, verändert dadurch seine Körpergerüche“, berichtet Hariegel. Starke Gerüche wie Knoblauch, Alkoholausdünstungen und Zigarettenrauch verfälschen ebenfalls den Charakter eines Parfüms. Das gilt auch für Medikamente und Chemikalien. Starke Raucher beklagen sich zudem häufig darüber, dass Düfte bei ihnen nicht so intensiv duften. „Durch das Rauchen wird der Geruchssinn abgestumpft, und so verfallen viele Raucher dem Irrglauben, dass das Parfum zu schwach duftet“, erklärt Hariegel. Mit der Folge, dass sie zu viel Parfüm auftragen.

Duftradius: Maximal eine Armlänge

Als Faustregel gilt: Das Parfüm sollte bis zu einer Armlänge um den Träger herum wahrnehmbar sein. Diese Grenze überschreitet schnell, wer ständig das gleiche Parfüm benutzt. „Die Nase gewöhnt sich daran, so dass der Träger immer mehr davon aufträgt“, so Werner Hariegel. Oft werde das Parfüm auch durch Körperlotionen und Deos verfälscht. „Lieber duftneutrale Produkte für Körperpflege wählen oder Produkte aus der Linie des Lieblingsparfüms benutzen“, empfiehlt der Duftexperte.

Liebe geht durch die Nase

Schon in den Kulturen der Vor- und Frühgeschichte hatten Düfte einen festen Platz im Leben der Menschen. Die ersten Parfüms wurden vermutlich vor mehr als 7000 Jahren in Ägypten eingesetzt. Mit Räucherkerzen wollten Priester so die Götter günstig stimmen. In der katholischen Kirche wird bis heute Weihrauch verbrannt. Der Ursprung dieses Rituals ist vermutlich auch hier Götterglaube: Das lateinische „Per fumum“ bedeutet „durch den Rauch“ und ist Wurzel des heutigen Worts „Parfüms“. Was sogar Götter betören soll, schlägt auch beim Menschen an. Wer sportlich, sexy oder geheimnisvoll wirken will, kommt um die Duftwässer nicht herum.

Übrigens: Duftforscher wissen schon lange, dass Liebe nicht nur durch den Magen, sondern auch die Nase geht. Nur wer sich riechen kann, findet sich auch sympathisch. Möglich machen dies zehn Millionen Riechzellen mit 80 Millionen Riechhärchen in der Nase. Sie leiten Gerüche an das limbische System weiter. Diese Schaltstelle steuert verschiedene Körperfunktionen, lebenswichtige Instinkte wie Hunger und Durst, aber auch die Emotionen. Düfte und Emotionen hängen also miteinander zusammen. Mit dem richtigen Parfüm kann man nachhelfen. Die ätherischen Öle enthalten pflanzliche Pheromone, die hormonartige Wirkung besitzen. Noch aber träumen Schürzenjäger, Mauerblümchen und Parfümhersteller gleichermaßen vom Duft, der das andere Geschlecht betört und reihenweise auf die Knie sinken lässt – trotz Hakennase oder Fistelstimme.

Quelle: bayern-nachrichten.de / pressbot.net

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02.03.2007 - 16:50 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 435 X

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