Bild zensiert ARD/Reaktionen/Stellungnahme Regisseur
Aufgrund diverser Reaktionen und Nachfragen zum Zensur-Skandel hat der BVR den Regisseur Robert Sigl um Stellungnahme gebeten, inwieweit durch die von der Bild-Zeitung betriebenen Zensur tatsächlich ein Eingriff in die Dramaturgie vorliegt. Die Stellungnahme des Regisseurs gegenüber dem BVR geben wir im Folgenden wieder:
"In dem Film geht es um einen machtbesessenen Industriellen, der in Geldnöten steckt und es auf das Vermögen seiner Adoptivtochter abgesehen hat. Die junge Frau, die er emotional und sexuell komplett von sich abhängig gemacht hat, leidet an einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung und kann und will Zusammenhänge, die ihre Scheinwelt zerstören könnten, nicht wahrnehmen. In der von der Bild-Zeitung ausgeschlachteten Szene nähert sich ihr Stiefbruder einem Badehaus und beobachtet ungläubig und geschockt, wie sich die junge Frau von ihrem Adoptivvater auf einem Tisch "nehmen" läßt. Dabei blickt der Mann auf, entdeckt seinen Sohn, wirft ihm einen triumphierenden Blick zu und dringt dann weiter in seine Adoptivtochter ein, wobei es hierbei überhaupt nicht um die Erotik, sondern um pure Machtdemonstration geht.
Erst durch diesen Blickwechsel (der in der zensierten, ausgestrahlten Version völlig fehlt) wird die ganze Abgründigkeit, die in dieser zerrütteten Familie herrscht, deutlich. Der Sohn stürzt daraufhin in das Badehaus auf den Vater zu und versucht ihn von der Adoptivtochter zu trennen. Daraufhin prügelt der Vater den Sohn in den Pool, springt ihm hinterher und drückt ihn mehrmals unter Wasser. Die Adoptivtochter richtet sich auf dem Tisch auf und sieht völlig apathisch vor sich hin, als würde sie die ganzen Vorgänge gar nicht wahrnehmen. (Später wird sie im Kommissariat behaupten, daß ihr Bruder gar nicht anwesend war.) Der Bruder kann sich aus dem Würgegriff des Vaters befreien und ergreift die Flucht.
Der Vater steigt aus dem Becken, schreitet als Sieger an seiner Adoptivtochter vorbei. Diese sitzt noch immer auf dem Tisch, sieht vor sich hin nach unten und sagt tonlos: "Paß auf, daß du nicht in die Scherben trittst." Dieser Moment ist ebenfalls zensiert. Sie sagt diesen Satz nun im OFF und man sieht nicht den Vater, der nackt aus dem Pool kommt. Durch die Anhäufung von Schnitten und den nachträglichen inflationären Einsatz von Zeitlupe zur Kaschierung der Eingriffe kam es zu einer großen Verwirrung bei den Zuschauern, die die Szene zum Teil für eine Traumsequenz hielten. Auf alle Fälle wurde ein wichtiger psychologischer Aspekt des Films ausgehebelt. Die Szene hatte keinen voyeuristischen Charakter und wurde erst durch die Bild-Zeitung aus dem inhaltlichen Zusammenhang gerissen und in einen pornographischen Kontext gerückt."
RA Steffen Schmidt-HugGeschäftsführung BVRBundesverband RegieTel.:+49.(0)89.34019109Fax.+49.(0)89.34019110 www.regieverband.de
Quelle: BUNDESVERBAND REGIE (BVR) / pressrelations.de
17.11.2005 - 10:00 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 394 X
Vorherige Artikel
Bild zensiert ARD: Übernimmt Springer nun auch die TV-Aufsicht?
Der Bundesverband Regie (BVR) warnt vor einer zunehmenden Medienkontrolle durch den Springer-Verlag. Der Boulevard-Riese schickt sich nicht nur an, mit der Senderkette Pro SiebenSat1 wesentliche T
Solarien-Branche im Wandel – „Sachliche Kritik statt Polemik“
„Sonnenstudios – so gefährlich sind sie!“ behauptet ein Beitrag in der jüngsten Ausgabe der Springer-Zeitschrift „Bild der Frau“. Der Berufsfachverband der Solarien, Photomed, reagiert mi
EventConsult Germany kooperiert mit Mewes & Partner in Berlin
Hamburg/Berlin, November 2005 - EventConsult Germany und Mewes & Partner in Berlin starten im Incentive- und Eventbereich eine strategische Partnerschaft. „Berlin steht auf der Liste der beliebt
Nächste Artikel
DIW Berlin verurteilt Diffamierungen von Mitarbeitern des Instituts
Mit großem Befremden hat das DIW Berlin Zeitungsartikel zur Kenntnis genommen, die sich in den vergangenen zwei Wochen mit einem möglichen Umzug des Instituts nach Berlin-Mitte und der K
Postbank sichert Männervorteil
Düsseldorf, den 16. November 2005 − Seit kurzem ist die Postbank mit einer neuen Kampagne für ihr PB Rentenkonto, das Postbank-Produkt zur Riester-Rente, on air. Ziel des speziel
Tipps für Kommunikation, Redaktion und Medienarbeit
Am 24. November 2005 erscheint der neue Newsletter mit PEP. Diesen Monat enthält er acht Tipps für erfolgreichere Medienarbeit, die Bekanntmachung des ersten Schweizer Karrieretools für die Kommunikat
Experten Portale – die Alternativen zu Blogs?
Blogs erfreuen sich auch in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Knapp eine Million verbreiten so derzeit Ihre Informationen und es werden mit jedem Tag mehr. Ob Knowledge Blogs, Corporate Blogs oder
Ex-BDI-Chef Henkel findet Talkshows "zum Kotzen" – Wirtschaftsexperten kritisieren medialen Trend zur "Christiansen Economics"
Hamburg/Bonn, www.ne-na.de - Der ehemalige BDI-Präsident und Talkshow-Dauergast Hans-Olaf Henkel ist privat kein großer Fan dieser Art von Fernsehen: "Ich kann die Sendungen ja selbst nicht mehr sehen