Wirtschaftsforscher bestätigen Umschau-Berechnung: Gesetzliche Rente schlechtes Geschäft für Jüngere
Leipzig (mdr) – Für Jüngere ist die gesetzliche Rente ein schlechtes Geschäft. Die Rendite der staatlichen Altersvorsorge tendiere gegen Null, teilweise seien sogar Verluste zu erwarten. Das ist das Fazit einer Studie des Bonner Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG Bonn), die der MDR-Umschau vorliegt. Die Studie im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA Bonn) kommt zu dem Schluss, dass "ledige Männer der Geburtsjahrgänge ab 1980 bei der gesetzlichen Rente wahrscheinlich reale Verluste erleiden", so die Autoren der Untersuchung, die morgen offiziell vorgestellt wird.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung stützen die pessimistischen Einschätzungen des Freiburger Rentenexperten Bernd Raffelhüschen, Leiter des Instituts für Finanzwissenschaften, der für die Umschau die reale Rendite der gesetzlichen Renten ausgerechnet hatte. Sein alarmierendes Ergebnis: Heutige Renten-Zahler werden größtenteils nicht einmal den Wert ihrer monatlichen Beiträge zurückerhalten. So werde ein heute 40-jähriger Mann bei einem (angenommenen) monatlichen Beitrag von 300 Euro zwar noch 400 Euro monatlich Rente erhalten, doch die Rendite seiner "Einzahlung" liegt angesichts langer Beitrags- und kurzer Rentenzeit bei 0 Prozent. Eine gleichaltrige Frau dagegen würde bei 300 Euro immerhin noch 690 Euro Rente erhalten und so bedingt durch die kürzere Beitragszeit und die höhere Lebenserwartung und damit längere Rentenbezugszeit eine Rendite von 2,8 Prozent "ihrer" Beiträge erzielen.
Die Bundesregierung und die Rentenkassen hatten diese Berechnung des "Außenseiters" Raffelhüschen daraufhin als "nicht nachvollziehbar" zurückgewiesen. Die Berliner Bundesversicherungsanstalt (BfA) nannte die Berechnungen "völlig unrealistisch": Die Rendite der Rentenbeiträge werde für die heute 20-Jährigen zwar geringer ausfallen als für die gegenwärtige Rentnergeneration, sie bleibe aber mit zwei bis drei Prozent "deutlich positiv", so die BfA.
Die Rendite der gesetzlichen Rente sinken bei den Berechnungen des Rentenexperte Raffelhüschen deshalb stärker, weil er anders als die Rentenversicherungen und das IWG Bonn nicht vom Idealfall des Standardrentners mit 45 Beitragsjahren ausgeht. Raffelhüschen legt stattdessen einen so genannten "Durchschnittsrentner" zu Grunde. Das bedeutet, in seiner Berechnung wird der tatsächliche Durchschnitt von Rentenbeiträgen und – leistungen der jeweiligen Generationengruppe zu Grunde gelegt. Und damit entspricht der "Durchschnittsrentner" eher der realistischen Erwartung an die Zukunft der Rente als der idealtypische Standardrentner.
Und obwohl sich das Bonner IWG bei seinen Untersuchungen zur besseren Vergleichbarkeit mit den Rentenversicherungsträgern den idealtypischen Standardrentner als Grundlage seiner Berechnung gewählt hat, kommt es auch zu pessimistischeren Einschätzungen als die Rententräger selbst. Und so kritisiert das IWG Bonn die "sehr optimistische amtliche Annahmen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" durch die Rentenversicherungen und dass dort "die langfristigen Folgen des demografischen Wandels teilweise ausgeblendet" würden.
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Quelle: MDR / pressrelations.de
28.06.2005 - 20:57 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 305 X
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