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Faber: "Wir dürfen den Klimawandel nicht ignorieren"




Allianz.com News sprach mit Joachim Faber, Vorstandsmitglied der Allianz AG, über den Klimawandel, dessen Auswirkungen auf den Finanzsektor und die Ansätze, mit denen die Allianz die entsprechenden Risiken entschärfen will.

München, 29. Juni 2005

Allianz.com News: Allianz und WWF haben soeben einen gemeinsamen Bericht über den Klimawandel und dessen Auswirkungen auf den Finanzsektor veröffentlicht. Warum mißt die Allianz diesem Thema so große Bedeutung bei?

Joachim Faber: Wir gehen davon aus, dass Naturkatastrophen durch den Klimawandel immer häufiger auftreten und gravierendere Schäden anrichten werden. Und wenn sich beispielsweise Sachschäden häufen, bleibt das natürlich nicht ohne Folgen für unser Versicherungsgeschäft.

Auch aus Sicht von Asset-Management ist es so, dass der Klimawandel unter Umständen die Weltwirtschaftsleistung und damit den Wert von Investitionen drücken kann.

Gleichzeitig sehen wir neue Geschäftsfelder, die sich durch den Klimawandel eröffnen. Im Finanzsektor sind zu nennen: der Handel mit Emissionsrechten, Investitionen in erneuerbare Energien und umweltfreundliche Technik oder auch neue Versicherungsprodukte, die Kunden gegen Umweltrisiken absichern.

? Viele Menschen verhalten sich, wenn es um Klimawandel geht, eher abwartend. Was hat die Allianz dazu veranlaßt, etwas zu unternehmen?

Faber: Unsere Überzeugungen resultieren aus unseren Erfahrungen. Unsere Tochtergesellschaft, Dresdner Bank, hat z.B. das EU-Emissionsrechtesystem ganz wesentlich mit auf den Weg gebracht. Für uns zeichnet sich bereits ab, dass es im Handel mit Emissionsrechten Gewinner und Verlierer geben wird. Am schlimmsten trifft es die Versorger und den Rohstoffsektor, der viel CO2 verursacht. Wenn CO2-Emissionen zum Kostenfaktor werden, kann das zunehmend die Gewinne beeinträchtigen.

Als Versicherer, Investor und Kreditgeber können wir dieses Wissen nicht einfach ignorieren. Das sind wir unseren Kunden und Aktionären schuldig.

? Was genau unternimmt die Allianz, um diese Risiken für das eigene Geschäft zu reduzieren?

Faber: Wir glauben die Risiken des Klimawandels sind beherrschbar. Um mit diesen Risiken umzugehen, haben wir eine gruppenweite Taskforce gegründet. Diese so genannte "Climate Core Group" wird alle mit dem Klimawandel verbundenen Risiken und Chancen systematisch untersuchen, also für unsere gesamte Geschäftstätigkeit quer durch alle Geschäftsbereiche.

Die Arbeitsgruppe fungiert als Center of Competence, ist also sachverständiger Ansprechpartner für den Vorstand und die Geschäftsbereiche, und sie soll kein Thema ausklammern, von der Versicherbarkeit der Windenergiehersteller bis hin zu Tools, mit denen sich Risiken abschätzen lassen, etwa durch Hochwassergebietsbestimmungen oder Naturkatastrophen-Modelle.

? Der Klimawandel ist ein langfristiges Phänomen, die Kapitalmärkte sind jedoch überwiegend kurzfristig orientiert. Interessieren sich Ihre Asset-Management-Kunden wirklich für den Klimawandel?

Faber: Viele Kunden ordnen das Thema Klimawandel ausschließlich ökologisch-ethischen Geldanlagen bzw. SRI-Fonds zu. Aber als Fondsmanager haben wir die Pflicht, alle Risiken einzubeziehen, die die Investitionen unserer Klienten beeinträchtigen könnten. Letztlich wird sich das CO2-Risiko als darstellen. Wir müssen kurzfristige und langfristige Risiken abwägen. Hier bildet der Klimawandel keine Ausnahme.

? Wie werden Sie den Klimawandel konkret in Investmententscheidungen einrechnen?

Faber: Wir nutzen das Wissen, das uns bereits zur Verfügung steht, und wir bauen dieses Wissen mit Informationen, die über reine Finanzkennziffern hinausgehen, weiter aus. Im Rahmen des Carbon Disclosure Projects hat die Allianz alle im FT Global 500 erfaßten Unternehmen aufgefordert, ihre CO2-Emissionen offen zu legen.

Als Gründungsmitglied der Enhanced Analytics Initiative bezahlen wir fünf Prozent unserer Makler-Provisionseinnahmen an Brokerhäuser, die Informationen - wie etwa Fragen des Klimawandels - in ihr Research einarbeiten.

? Was sind Ihre nächsten Schritte?

Faber: Die "Climate Core Group" wird das Instrumentarium weiterentwickeln, mit dem sich CO2-Risiken systematisch erfassen lassen und diese in unsere Geschäftsprozesse allgemein sowie in das Risikomanagement einbinden. Die Allianz wird weiterhin in den Sektor erneuerbare Energien investieren und hat dafür sogar eine eigene Abteilung gegründet. Saubere Energieträger werden nicht nur die CO2-Emissionen senken, wir gehen davon aus, dass sich die Absatzchancen für Windenergie in Europa binnen fünf Jahren verdoppeln werden.

Wir fordern außerdem die Regierungen dazu auf, klare politische Richtlinien zum Thema Klimawandel vorzugeben, besonders mit Blick auf den EU-Emissionsrechtehandel nach 2012. Dann kämen wir auch zu einer verläßlicheren Bewertung von Risiken, die sich aus dem Klimawandel ergeben, und zwar sowohl für langfristige Investitionen als auch für die Kreditvergabe.

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.

 

Kontakt für Presse Michael AnthonyAllianz GroupFon:+49.89.3800-18401 > E-Mail senden



Quelle: ALLIANZ / pressrelations.de

29.06.2005 - 21:44 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 939 X