Deutsch-Polnisches Jahr bei Allianz Kulturstiftung
Bis zum Mai 2006 läuft das Deutsch-Polnische Jahr, das die beiden Präsidenten Köhler und Kwasniewski vor kurzem eröffnet haben. Die Allianz Kulturstiftung fördert mit sechs Projekten Begegnungen zwischen Polen und Deutschen.
Allianz Kulturstiftung, München, 28. Juni 2005 - Literatur, Theater, Musik, filmische Geschichtsforschung - die Allianz Kulturstiftung unterstützt deutsch-polnische Begegnungen in fast allen Bereichen des Kulturlebens. Sie beteiligt sich damit aktiv am "Deutsch-Polnischen Jahr 2005/2006", das Bundespräsident Horst Köhler und Staatspräsident Aleksander Kwasniewski am 30. April in Berlin eröffnet haben.
Das bislang größte Programm dieser Art in Deutschland und Polen umfasst über 400 Veranstaltungen und läuft bis zum Mai 2006. Mit sechs verschiedenen Projekten ist die Allianz Kulturstiftung dabei.
"European Borderlands": Grenzüberschreitende Kontakte
Das von ihr initiierte Projekt "European Borderlands" wird Künstler, Schriftsteller und Übersetzer mit Buch- und Zeitschriften-Verlegern ins Gespräch bringen und so gemeinsame Projekte anregen.
Pro Jahr sind zwei internationale Treffen entlang der Ostgrenze der Europäischen Union geplant; ein erstes Vorbereitungstreffen wird im Oktober 2005 im polnischen Sejny stattfinden. Die Ergebnisse sollen mehrsprachig im Internet nachzulesen sein.
Übersetzungen gefördert
Auch beim "European History and Literature Translation Programme" geht es um Literatur: Auf der nächsten Warschauer Buchmesse im Mai 2006 verleiht die Stiftung erstmals den Allianz Übersetzerpreis für Mittelosteuropa an eine Übersetzung aus dem Deutschen ins Polnische eines herausragenden geisteswissenschaftlichen Werkes.
Außerdem werden zehn europäische Standardwerke aus Literatur, Geschichte und Politik mit Hilfe der Kulturstiftung in verschiedene Sprachen Mittel- und Osteuropas übersetzt. Träger des Programms ist der "Fund for Central and East European Book Projects" in Amsterdam.
Gemeinsam Theater spielen
Auf der Theaterbühne kommen Deutsche und Polen ebenfalls zusammen: In der "Werkstatt Europa" haben Jugendliche aus vier Ländern (Polen, Deutschland, Tschechien und Schottland) mit Hilfe von Profis eigene Theaterstücke erarbeitet, die auf ihren Ideen und Utopien basieren.
Am 22. und 23. Juni wurden die vier Stücke in Prag als "Sommerfestival" aufgeführt, bei dem sich alle Teilnehmer treffen. "Es geht um Angst, Mut, Zivilcourage und Widerstand, zum Beispiel in dem Stück der deutschen Gruppe "Ich will ja!", das sie bereits in Leipzig gespielt hat", erklärt Projektleiter Thomas Richter.
In einem Jahr kommen alle Teilnehmer in Dresden zum Theatercamp "Utopia" zusammen. Bis dahin werden die Jugendlichen in mehreren Workshops auf Schloss Kreisau (Krzyzowa) weiter arbeiten. "Bisher ging es um die "Welt der Wirklichkeiten"", sagt Richter. "Im zweiten Jahr möchten wir mit der "Welt der Möglichkeiten" weitermachen."
"Werkstatt Europa" wird außer von der Allianz Kulturstiftung auch von der Jürgen-Ponto-Stiftung sowie der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank unterstützt.
Künstlerkarawane verbindet Festivals
Unter dem Namen "Theater/Festivals in Transition" möchten außerdem mitteleuropäische Festivals in Zukunft enger kooperieren und werden dabei von der Kulturstiftung gefördert.
Eine "Künstlerkarawane" tritt dafür auf mehreren Festivals mit innovativer darstellender Kunst auf, verbunden mit zeitbezogenen Diskussionsplattformen. Der nächste Beitrag ist für das Festival "Spielart" geplant, das vom 17. November bis 3. Dezember 2005 in München stattfindet.
Trinationales Nachwuchsorchester
Die Musik kommt im deutsch-polnischen Programm der Kulturstiftung nicht zu kurz: Im von ihr unterstützten Junge Klangforum spielen junge deutsche, polnische und tschechische Musiker. Das Orchester begleitete die Gedenkfeier des Bundestages zum 60. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai sowie die Veranstaltung zur Befreiung von Theresienstadt.
Im September 2005 erarbeitet das Klangforum auf Schloss Kreisau (Krzyzowa) ein neues Programm und stellt dieses auf einer Konzerttournee in Polen und Japan vor.
Zeitzeugen interviewen und filmen
Die Geschichte Niederschlesiens, also der ehemals deutschen, heute polnischen Region um Breslau/Wroclaw, haben deutsche und polnische Jugendliche mit Hilfe der Allianz Kulturstiftung im Projekt "Begegnungen Leipzig-Marcinowice" der Stiftung Forum Krasków aus unterschiedlichen Blickwinkeln erkundet.
Die 15- bis 17-jährigen Schüler aus Leipzig und Marcinowice reisten in die Vergangenheit: Sie interviewten ältere Menschen aus Niederschlesien - Deutsche, die nach dem Zweiten Weltkrieg von dort vertrieben wurden, andere, die blieben, und Polen, die ebenso unfreiwillig aus dem ehemaligen Ostpolen (heute Ukraine) dorthin kamen.
Drei Dokumentarfilme als Ergebnis
Nachdem zuvor Profis sie in Filmtechnik und in Geschichte eingeführt hatten, filmten die Jugendlichen ihre Gespräche. Das Ergebnis sind drei kürzere Dokumentarfilme mit den persönlichen Erinnerungen der Zeitzeugen, die auf dem Europafest in Leipzig im Mai 2005 Premiere hatten. Anschließend fand eine Podiumsdiskussion über Deutsche und Polen statt. Kurz zuvor waren die Leipziger Schüler zu einem gemeinsamen Workshop nach Polen gefahren.
"Ich persönlich war wirklich beeindruckt, wie offen diese älteren Menschen uns gegenüber waren. Am meisten berührt hat mich, dass diese Leute bei der Vertreibung in unserem Alter waren und es uns im Gegensatz dazu heute so gut geht", sagte die 16jährige Marielle aus Leipzig zu dem Projekt. Und Aleksandra von der polnischen Gruppe fügte hinzu: "Wir lernen die Erinnerungen dieser Menschen kennen und das ist was völlig anderes, als wenn wir es aus den Schulbüchern erfahren."
Kontakte intensivieren
Michael Thoss, der Leiter der Allianz Kulturstiftung, sagt: "Wir sind froh, mit diesen Projekten unseren Schwerpunkt Mittel- und Osteuropa ausbauen zu können. Durch regelmäßige Treffen vor Ort arbeiten wir nun viel intensiver mit den dortigen Kultureinrichtungen zusammen. Denn wir wollen ja, dass unsere Projekte auch nach dem Deutsch-Polnischen Jahr noch fortwirken."
Michael M. ThossAllianz KulturstiftungFon: +49.89.4107303 E-Mail senden
Quelle: ALLIANZ / pressrelations.de
28.06.2005 - 20:57 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 601 X
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