Rosaroter Blick auf den Standort Österreich – „Made in Germany“ kurbelt Produktivität der österreichischen Wirtschaft an
Bonn/Wien – Österreich nimmt im europäischen Standortwettbewerb eine vorteilhafte Position ein. In den vergangenen zehn Jahren wie das Land im Vergleich zum Nachbarn Deutschland mehr Wachstumsdynamik und eine höhere Beschäftigung auf. Bereits seit 1999 liegt die Wirtschaftsleistung pro Kopf höher, gleiches gilt für die Produktivität, die Lohnkosten sind geringer und die Jahresarbeitszeit höher. Diese positive Einschätzung des Standorts Österreich liefert Tilo Berlin in der Einleitung des Buches „Investitions- und Steuerstandort Österreich“.
Das Industriezeitalter ist Geschichte. Moderne Staaten wandeln sich zu Dienstleistungsgesellschaften. Auch hier sei Österreich auf bestem Wege, meint Bernhard Gröhs, Vorsitzender der Geschäftsführung von Deloitte & Touche Österreich http://www.deloitte.com. Gröhs zufolge kann Österreich sowohl in der Ausbildung technischer Spezialisten als auch beim Standard von Managementleistungen auf ein „hervorragendes Bildungsniveau“ verweisen. Die Leistungen der österreichischen Techniker und Manager seien auch im Ausland sehr gefragt, so der Autor. Der Anteil der im Dienstleistungssektor Beschäftigten betrage drei Viertel der Gesamtbeschäftigtenzahl, und auch in der Industrie verlagere sich die Beschäftigungsstruktur immer mehr zu wirtschaftlichen und technischen Dienstleistungen.
Doch es könne noch mehr erreicht werden, und daher müsse die österreichische Wirtschaftspolitik alles daran setzen, den Weg vom Dienstleistungsstandort zu einem Leistungsstandort einzuschlagen. Gröhs gibt sich sehr optimistisch: „Österreich hat durch sein großes Potenzial an Ingenieuren und Akademikern beste Voraussetzungen und gehört in bestimmten Bereichen wie Automobilbau, Umwelttechnik, Chemie, Pharmakologie, Biotechnologie, Informationstechnologie und künstliche Intelligenz zum internationalen Spitzenfeld.“ Sowohl bei der Verfügbarkeit hochwertigen Personals, beim Schutz von Patenten und bei der Kooperation zwischen Unternehmen und Universitäten habe das Land im World Competitiveness Yearbook 2004 hervorragende Noten erzielt. Als Beispiel für die Innovationsfähigkeit Österreichs erwähnt der Managing Partner von Deloitte & Touch den Technologiewandel im öffentlichen Sektor. Im Rahmen des E-Government habe das Land große Fortschritte erzielt und internationale Maßstäbe gesetzt.
Während Gröhs „Felix Austria“ durch eine rosarote Brille betrachtet, weisen andere Experten auf die Schwächen des Kleinstaates hin. „Fachleute bemängeln ein im internationalen Vergleich geringes formales Qualifikationsniveau der österreichischen Erwerbsbevölkerung. Besonders gravierend: Unterdurchschnittlich wenig Österreicher studieren naturwissenschaftliche und technische Fächer. Wissenschaftler konzedieren jedoch, dass das Land einen Vorsprung bei der Modernisierung des Hochschulwesens habe. Die 2001 eingeführten Studiengebühren führten bereits zu einer Verkürzung der Studiendauer. Hochschullehrer werden nicht mehr lebenslang angestellt und künftig stärker leistungsbezogen entlohnt. Und auch beim PISA-Test rangierte die Republik in der oberen Hälfte der teilnehmenden Länder und damit weit vor Deutschland. Auch in der Medizintechnik ist Österreicher in Teilen Vorreiter, wie die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte belegt“, sagt Michael Müller, Wirtschaftssenator im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmwonline.de und Geschäftsführer der a & o-Gruppe http://www.ao-services.de, die als IT-Dienstleister weltweit tätig ist.
Die Produktivität und damit das Wachstum der österreichischen Wirtschaft werde durch Forschungs- und Entwicklungsergebnisse „Made in Germany“ wesentlich stärker angekurbelt als durch die heimische Forschung, so Müller. In Österreich gibt es nur wenige echte Marken; die meisten Branchen kommen über ein mittleres und niedriges Technologieniveau nicht hinaus. Während kleine Länder wie Finnland, Schweden und Holland pro eine Million Einwohner in den zurückliegenden Jahren jährlich zwischen 136 und 69 Patente beim Europäischen Patentamt anmeldeten, waren es in Österreich nur 19. Der Beschäftigtenanteil in wissensintensiven Dienstleistungen ist geringer als in der EU15. Der Anteil an Abiturienten und Akademikern ist im internationalen Vergleich extrem niedrig. Diese Fakten belegen, dass das von Gröhs entworfene Bild seines Landes etwas zu positiv getönt ist.
Otmar Thömmes/Michael Lang/Josef Schuch: Investitions- und Steuerstandort Österreich. München: Verlag C. H. Beck 2005. 360 Seiten, 38 Euro, ISBN: 3-406-53710-3
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19.01.2006 - 0:00 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 361 X
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