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Ostdeutschland: Vom Staatsbetrieb zum Erfolgsmodell


Vor 15 Jahren übernahm die Allianz die Mehrheit am ehemaligen Staatsversicherer der DDR – eine Investition, die sich schon bald auszahlte.

Berlin, 8. Juli 2005 - Im Nachhinein erwies es sich als eine der rentabelsten Investitionen, die die Allianz jemals getätigt hat – und als eines der ganz wenigen Beispiele einer wirklich erfolgreichen Privatisierung von DDR-Unternehmen.

Vor 15 Jahren, am 1. Juli 1990, übernahm die Allianz die Aktienmehrheit des Joint Ventures "Deutsche Versicherungs-AG" und damit das gesamte Privatkundengeschäft sowie sämtliche Standorte und Mitarbeiter der Staatlichen Versicherung der Deutschen Demokratischen Republik. Dadurch war der Versicherungsschutz für die Bürger der damaligen DDR übergangslos gewährleistet.

Zunächst hagelte es Kritik: Ein staatliches Monopol werde durch ein privates ersetzt, meinten manche. Der designierte DDR-Wirtschaftsminister Elmar Pieroth kündigte sogar an, die bereits unterschriebenen Verträge rückgängig machen zu wollen.

Währungsunion kostete Kunden

Einige Monate später war dann von einem "Milliardengrab" die Rede: Da bei der Währungsunion Lebensversicherungen – im Gegensatz zu Sparguthaben - nur zu einem Kurs von zwei DDR-Mark zu einer D-Mark umgestellt werden sollten, kündigten die Kunden scharenweise ihre Verträge.

"Das war ein regelrechter Massenansturm", erinnert sich Michael Beckord, der heutige Leiter der Zweigniederlassung Berlin. Einige Mitarbeiter brauchten sogar Polizeischutz, andere mussten mehrmals täglich sechsstellige Summen in bar von der DDR-Staatsbank holen – mit dem Fahrrad. Gleichzeitig warben Wettbewerber dem ehemaligen Monopolisten nicht nur Kunden, sondern auch Mitarbeiter aus dem Vertrieb ab.

Ein weiter Weg

Den Erfolg konnte das nicht aufhalten. Beckord: "Der Business-Case sah Investitionen von zwei Milliarden DM und schwarze Zahlen für das Jahr 1998 vor. Tatsächlich machten wir bereits 1995 Gewinn und hatten das investierte Geld 1998 zurückgezahlt. Heute sind die Zweigniederlassungen Berlin und Leipzig die rentabelsten in Deutschland. Dass es uns gelungen ist, aus einem staatlichen Dienstleister ein modernes Unternehmen zu machen, darauf können alle Mitarbeiter stolz sein."

Bis dahin war es ein weiter Weg. Die DDR-Versicherung arbeitete flächendeckend mit insgesamt 225 Standorten. Jede Dienststelle war praktisch eine komplette Versicherung – bis hin zum Rechnungswesen. Manche erinnerten 1990 fast an Museen: Mit Kohleöfen oft unzureichend beheizte Baracken, altmodische Schreibmaschinen, wenige Telefone, ein einziger Fotokopierer, keine Computer – geschweige denn die heute üblichen Handys oder E-Mail.

Nach dem Mauerfall am 9. November 1989 hatte Beckord, der seit 1971 in verschiedenen Positionen im Vertrieb der Allianz arbeitete, sofort gedacht: "Ich gehe in den Osten." Für ihn war der Gedanke an eine Wiedervereinigung immer lebendig geblieben.

"Außerdem war es natürlich eine einmalige Chance, dort etwas neu aufzubauen." Vier Monate später, im März 1990, war klar: Die staatliche Versicherung der DDR wandelte sich in eine Aktiengesellschaft um, deren Hauptaktionärin die Allianz sein würde.

Kommunikationshemmnisse

"Das war für uns eine sehr anstrengende, aber auch spannende und schöne Zeit", erinnert sich Beckord. Die gesamte Kundenkartei gab es nur in Papierform. "Datentypistinnen erlebten damals eine Renaissance. Sie mussten diese Datenmengen für die Verarbeitung im Großrechner eingeben."

Auch die Kommunikation war eine Herausforderung – nicht nur, weil selbst Telefonleitungen Mangelware waren. Ab 1991 informierte eine eigene Kommunikationsstelle vor Ort Mitarbeiter, Kunden und Presse über die zahlreichen Veränderungen.

"In gewisser Weise sprachen wir verschiedene Sprachen, es war ein richtiges Sprachwirrwarr", sagt Beckord. "Viele Begriffe hatten unterschiedliche Bedeutungen. Die ostdeutschen Kollegen waren nicht mit unseren Anglizismen vertraut – manche Rundschreiben mussten wir regelrecht übersetzen. Trotzdem gab es eigentlich keine Probleme, miteinander zu reden, da beide Seiten offen waren und sich schnell eine eigene Unternehmenskultur entwickelte."

Mitarbeiter mussten sich umstellen

Viele Mitarbeiter waren zunächst verunsichert. "Innerhalb von fünf Monaten wurden wir vom Monopolisten zu einem von über 100 Anbietern", erzählt Beckord. "Diese plötzliche Konkurrenz war für viele überraschend, geradezu erschreckend. Außerdem mussten sie sich an Computer, neue Produkte und ein völlig neues Rechtssystem gewöhnen."

Die Dienststellen mussten sukzessive zusammengelegt werden. Beckord: "Die dezentrale Aufstellung beizubehalten war undenkbar – damit wären wir niemals konkurrenzfähig geworden." Unter dem Strich blieb die Zahl der Beschäftigten aber annähernd gleich: Während im Innendienst Stellen reduziert wurden, bauten Beckord und seine Kollegen gleichzeitig ein flächendeckendes Vertriebsnetz auf.

Vertrieb neu aufgebaut

"Immerhin gab es schon zu DDR-Zeiten einen Vertrieb", so Beckord. "Wie auch im Innendienst arbeiteten hier überwiegend Frauen. Sie und alle neu Hinzugekommenen mussten zunächst intensiv geschult werden." Schon nach einem knappen Jahr gab es in den neuen Bundesländern knapp 1900 hauptberufliche Vertreter. Heute sind es fast 3500 - und viele Kunden, die 1990 panikartig gekündigt hatten, sind wieder zurückgekehrt.

1992 übernahm die Allianz die restlichen Aktienanteile und war damit alleinige Eigentümerin der Deutschen Versicherungs-AG, Anfang 1998 wurde sie in die Allianz eingegliedert. Heute gehört die Allianz mit insgesamt rund 11.000 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern in Ostdeutschland.

Frauen-Power

Die Allianz Vertreter in den "neuen Ländern" gehören zu den erfolgreichsten in Deutschland. Nach wie vor ist ungefähr ein Drittel von ihnen Frauen, während im Westen weibliche Vertreter eine Ausnahme sind. Frauen leiten acht von 32 Geschäftsstellen in Ostdeutschland. Im Westen mit 82 Geschäftsstellen stehen dagegen nur vier unter weiblicher Leitung.

Beckord: "Witzig war die erste "gesamtdeutsche" "Hess-Club"-Reise für die erfolgreichsten Agenturen. Bis dahin war das ein reiner Männerverein gewesen, der zu den Reisen auch die Ehefrauen mitbrachte. Folglich hielten die westdeutschen Vertreter am Anfang die Kolleginnen aus dem Osten für begleitende Ehefrauen! Die "Damenprogramme" mussten dann verändert werden, da daran plötzlich auch Ehemänner teilnahmen."

Ampelmännchen und Haushaltversicherung haben überlebt

Eine weitere regionale Besonderheit, die die Zeitenwende überstanden hat, ist die Erweiterte Haushaltversicherung - eine Kombination aus Hausrat-, Haftpflicht- und Reisegepäckversicherung, bei der Fahrraddiebstahl und Elementarschäden wie Hochwasser mit versichert sind.

"Die schlägt jedes Westprodukt", sagt Beckord - deshalb führt die Allianz nicht nur die alten Verträge weiter, sondern bietet die Haushaltversicherung in den fünf neuen Bundesländern und Berlin auch weiterhin an. Etwa jeder zweite Haushalt hat dort einen entsprechenden Vertrag.

Für die Kunden machte sich das positiv bemerkbar, als das "Jahrhunderthochwasser" im August 2002 halb Sachsen überschwemmte.

Christian Cassebaum, Chef der Zweigniederlassung Leipzig, erinnert sich: "Dank der Haushaltversicherung waren sehr viele gegen Hochwasser versichert. So haben wir innerhalb von drei Wochen über 100 Millionen Euro an die Geschädigten ausbezahlt. Einige Vertreter sind sogar mit dem Fahrrad durch die Hochwassergebiete gefahren, um den geschädigten Kunden Schecks als Soforthilfe auszustellen. Die Kunden haben schnell gemerkt, dass sie sich auf uns verlassen können."

Engagement für die Region

Das so gewonnene Geld bleibt nicht nur über Investitionen und Mitarbeiter in der Region: Die Allianz fördert auch zahlreiche soziale, kulturelle und Umweltprojekte in den neuen Bundesländern.

Der Allianz Kinderhilfsfonds Berlin/Leipzig feierte im Mai 2005 sein zehnjähriges Bestehen. Auf Initiative von Michael Beckord gegründet, hilft er gezielt sozialen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche – zum Beispiel nach den Zerstörungen durch das Hochwasser. Bis heute sind rund 1,3 Millionen Euro gespendet worden, fast ausschließlich durch Vertreter und Mitarbeiter der Allianz.

Was der damalige Vorstandsvorsitzende Henning Schulte-Noelle schon 1998 prophezeite, hat sich erfüllt: "In der Geschichte der Allianz wird die erfolgreiche Umgestaltung der ehemaligen staatlichen Monopol-Versicherungsanstalt der DDR zu einem wettbewerbsfähigen, rentablen Unternehmen einen besonderen Platz einnehmen."

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.

 

Mehr Informationen zum Thema:

www.allianz-berlin.de Allianz Umweltstiftung hilft bei Beseitigung von Flutschäden Allianz: Nahezu alle Jahrhundertflut-Schäden reguliert Allianz in Ostdeutschland erfolgreich



Quelle: ALLIANZ / pressrelations.de

08.07.2005 - 14:55 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 559 X