Betriebsübergaben scheitern oft an Soft Skills
Wirtschaft/Unternehmen
Tourismus: Betriebsübergaben scheitern an Soft Skills
Emotion ist ihr Kapital. Österreichs Hoteliers und Gastwirte sind wahrlich Meister in der Kommunikation der Marke Österreich auf der Gefühlsebene. Doch was bei in – und ausländischen Gästen funktioniert, scheitert bei den eigenen Nachfolgern oft kläglich: gerade wegen fehlender Berücksichtigung der Soft Skills wird Österreichs Tourismuswirtschaft in den nächsten Jahren in ein Nachfolge-Problem schlittern – sagt die Vorarlberger Organisationsberaterin Sandra Schoch.
(Bregenz, 18/06/2006) – Auf Österreichs Wirtschaft kommt ein kollektiver Generationswechsel zu: alleine bis zum Jahr 2013, so schätzt jedenfalls die KMU Forschung Austria, werden mehr als 50.000 Betriebsübergaben die Managementstruktur österreichischer Unternehmen nachhaltig verändern. Naturgemäß ist davon auch die Tourismus-Wirtschaft betroffen, doch scheint es als wollten viele der derzeitigen Hoteliers und Gastwirte den unternehmerischen Generationenvertrag gerne kündigen und das Unternehmen nicht an ihre Nachfolger übergeben wollen. Die Vorarlberger Organisationsberaterin Sandra Schoch ortet einen der Gründe für die Zögerlichkeit der Touristiker vor allem in der Vernachlässigung von Soft Skills im Prozess der Übergabe: „Gerade Touristiker, die es tagtäglich vorzüglich verstehen, bei ihren Gästen positive Gefühle zu erzeugen, schaffen das nicht bei ihren künftigen Nachfolgern“, so Schoch über das Paradoxon in der Tourismuswirtschaft. Immerhin aber machen Soft Skills zumindest nach einigen Untersuchungen 75 Prozent des Erfolges bei Betriebsübergaben aus.
Familienbetriebe – und von ihnen ist der überwiegende Teil der österreichischen Tourismuswirtschaft geprägt, müssen sich beim Prozess der Betriebsübergabe mit einem recht komplexen Problem auseinander setzen: „Zusätzlich zu allen betriebswirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen jedes Unternehmen zu kämpfen hat, muss sich ein Familienunternehmen mit einem der größten Konfliktpotentiale im eigenen Unternehmen auseinandersetzen: Übertragungen und Rollenvermischungen, die aus dem Familiensystem in den Betrieb einwirken“, analysiert Organisationsberaterin Schoch. Daher lokalisiert Schoch die Rollen-Klarheit als ersten Schritt für einen erfolgreichen Generationswechsel. „Urplötzlich fühlt sich auch der 35jährige Juniorchef wieder wie der 15jährige, der damals ungerechterweise von seinem Vater gescholten wurde, wenn der Vater im Meeting einen ähnlichen Tonfall anschlägt oder eine unbewusste Handbewegung macht. In diesem Moment der vollen Wucht der alten Emotion ausgesetzt kommt oft eine trotzige Reaktion, die nichts mehr mit dem tatsächlichen Gegenstand des Gespräches zu tun hat“, sagt Schoch über die klassischen Fallen innerhalb von Familienbetrieben.
Niemals könne die Übergabe eines Unternehmens innerhalb einer Familie vollständig von rationalen Faktoren beherrscht werden. Und deshalb scheitern eben viele Unternehmer an zu wenig Gefühl beim Prozess der Übergabe: „Übergeben bedeutet Vertrauen zu haben, dass das Lebenswerk erfolgreich weiter geführt wird. Vertrauen bedeutet auch immer Nähe. Und mit menschlicher Nähe sind Gefühle verbunden. Gefühle, die nicht immer als angenehm empfunden werden“, so Schoch.
Erst kürzlich wurde dies bei einem Vortrag bestätigt, zu dem Sandra Schoch vom Jungen Gastgewerbe Vorarlberg eingeladen wurde.
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18.06.2006 - 0:00 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 280 X

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