Das Lazarus-Prinzip – Wie die Globalisierung dem Unternehmertum neues Leben einhaucht
Von Ansgar Lange
Bonn/Würzburg – Ein in den siebziger Jahren Todgesagter feiert fröhliche Auferstehung: Der Unternehmen. Derzeit erleben wir die „Wiedergeburt des Unternehmers“, schreibt Norbert Berthold, der Volkswirtschaft an der Universität Würzburg http://www.uni-wuerzburg.de lehrt, in einem Beitrag für das Handelsblatt http://www.handelsblatt.de. Der Grund: Die Globalisierung belohne nicht die komplexen großen Einheiten, sondern die kleineren, die risikofreudig, flexibel und innovativ sind. Der Würzburger Professor für Volkswirtschaftslehre vertritt die Meinung, dass wirtschaftliches Wachstum entgegen der landläufigen Meinung in erster Linie nicht auf Humankapital, Realkapital und technologischem Wissen basiert. Darauf habe der Nobelpreisträger Douglas North hingewiesen: „Was wirtschaftliches Wachstum wirklich treibt, erkennt man erst, wenn klar ist, was die Individuen dazu bringt, mehr zu arbeiten, verstärkt zu investieren und innovativer zu werden.“
Seit Mitte der neunziger Jahre haben die Vereinigten Staaten die EU-15 auch deshalb abgehängt, da die Arbeitsstundenproduktivität in den USA schneller zunahm als in Europa. Vieles deute auch dahin, dass die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien „in der Fläche weniger genutzt werden als in den USA“. Europa muss unternehmerischer werden, um den Anschluss zu halten, so Berthold. Hierzu könnten gerade die kleinen und mittleren Unternehmen einen wichtigen Beitrag leisten, da sie innovativer seien als die großen Einheiten, größere Risiken eingingen und schneller reagierten. „So gesehen erlebt die Welt die Schwächung komplexer Gebilde und die Wiedergeburt des unternehmerischen Handelns. Europa muss die Spielräume für Unternehmer ausweiten, wenn es wirtschaftlich erfolgreicher sein will.“ Was macht den Unternehmer aus? Der privaten Unternehmer ist wichtig, um wirtschaftliche Freiheit in Wachstum umzusetzen. Er entwickelt ständig neue Produkte, Verfahren, Märkte oder Organisationen. Er verlässt die ausgetretenen Pfade und ist offen für das Ungewohnte. Sind Unternehmer erfolgreich, so der Autor, dann gestalten sie die Welt wirtschaftlich neu.
Da überrascht es nicht, dass die amerikanischen Ökonomen Candace Allen und Dwight Lee Unternehmer mit Helden verglichen. Mit der herrschenden Meinung hat dies aber nur wenig zu tun. Denn private Unternehmer galten laut Berthold bis Mitte der siebziger Jahre als aussterbende Spezies: „Für viele waren sie tragische Figuren einer längst versunkenen Welt. Die Meinung war weit verbreitet, große managergeführte Unternehmen seien die Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung“. Die damalige Utopie sah folgendermaßen aus: Mit dem korporatistischen Modell sollte es Unternehmertum ohne private Unternehmer bei hohen Wachstum und hoher Beschäftigung geben. Doch die Wirklichkeit sehe oft anders aus: „Korporatismus begünstigt Großunternehmen und deren Beschäftigte zu Lasten Dritter. Lastesel ist zumeist der Sozialstaat.“ Die am stärksten ausgebauten Sozialstaaten wie Belgien, die Niederlande, Dänemark oder Schweden weisen daher nicht ohne Grund die schwächsten unternehmerischen Aktivitäten auf.
Laut Berthold setzt die Globalisierung den zentralistischen Strukturen aber schon seit längerem verstärkt zu. Korporatistische Systeme hätten ihre Zukunft hinter sich: „Die Tyrannei der Größe neigt sich dem Ende zu. Dezentrale Strukturen gewinne an Boden, auch auf dem Felde des Unternehmertums. Kleine und mittlere Unternehmen sind eben nicht dem Untergang geweiht, Unternehmerpersönlichkeiten keine aussterbende Spezies. Sie sind wieder gesucht. Unternehmertum der Zukunft ist ohne private Unternehmer nicht möglich. Mit der Globalisierung erleben Unternehmergeist und kleine und mittlere Unternehmen auch in reichen Ländern eine Wiederauferstehung.“
„Den Bibelkundigen erinnert die These von der Wiedergeburt des Unternehmers an die Geschichte von Lazarus. In der heiligen Schrift erweckte Jesus Lazarus von den Toten, weil er Mitleid mit dem Toten und dessen Schwestern hatte. Selbstverständlich war in den letzten 30 Jahren das freie Unternehmertum nie wirklich abgemeldet oder tot, doch der Staat setzte immer stärker auf die großen Einheiten. Aber ohne das kreative Potenzial der Mittelständler wäre Deutschland schon längst von der Landkarte der ökonomisch ernst zu nehmenden Ländern verschwunden. Mit dem Siegeszug der Dienstleistungssparte stellte sich zugleich der Erfolg vieler kleiner und mittlere Unternehmen ein, die eben oft näher beim Konsumenten und seinen ganz eigenen Wünschen sind“, bestätigt Michael Müller, Geschäftsführer der auf IT-Dienstleistungen spezialisierten a&o-Gruppe http://www.ao-services.de und Wirtschaftssenator im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmwonline.de.
Auch nach Einschätzung von Berthold sind kleinere Unternehmen, die klar im Trend lägen, besser in der Lage, die Nachfrage der Kunden zu befriedigen, da die Konsumenten mit steigendem Einkommen mehr differenzierte und weniger standardisierte Produkte nachfragten. Zudem gingen die Manager großer Unternehmen meist die extrem hohen Risiken nicht ein, die mit der Entwicklung bahnbrechender Innovationen verbunden seien. Der Harvard-Ökonom Frederic Scherer habe darauf hingewiesen, dass die meisten wirklich wichtigen und zukunftsweisenden Innovationen von neuen und kleineren Unternehmen stammten. Allerdings macht es der Staat dem freien Unternehmertum nicht einfach, so das Resümee des Autors. Staat dem privaten Unternehmertum die nötige Freiheit zu geben, damit er neue Märkte erschließen und neue Produkte entwickeln könne, schnüre er ihn ein wie in einem Korsett. Die Globalisierung wird die Staaten dazu zwingen, die Fesseln ein wenig zu lockern.
Quelle: medienbüro.sohn / pressbot.net
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16.01.2007 - 15:01 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 343 X
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