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Bietet der polnische Arbeitsmarkt noch Facharbeiter für deutsche Investitionen?


Viele der jungen, gut ausgebildeten Polen sind ins Ausland gegangen, um besser zu verdienen. Gleichzeitig steigen die Gehälter in Polen und viele denken an Rückkehr. Sind die Polen flexibel und motiviert genug, um Ansprüche der ausländischen Investoren zu erfüllen?



Diese Frage wurde auf dem 17. Deutsch-Polnischen Wirtschaftssalon in Köln am 18. Juni 2007 zur Diskussion gestellt. Teilnehmer waren: Lars Bosse - Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer, Janusz Grzyb - stellvertretender Leiter der Abteilung Migrationpolitik im Ministerium für Arbeit und Soziales der Republik Polen, Andrzej Kaczorowski - Generalkonsul der Republik Polen in Köln, Arndt G. Kirchhoff - Vorsitzender der Geschäftsführung der Kirchhoff-Automotive. Durch die Diskussion führte die freie Journalistin Angelika Basdorf. Die Veranstaltung wurde geleitet von Danuta Dominiak-Wozniak - Leiterin der Abteilung für Handel- und Investitionen im Generalkonsulat der Republik Polen in Köln



Wachstumslokomotive Polen



Polen ist für deutsche Unternehmen besonders wegen seines bevölkerungsreichen Markts und der hohen Produktivität der letzten Jahre sowie den wettbewerbsfähige Weltmarktprodukten und nicht zuletzt wegen seiner niedrigen Löhne interessant. Mit einem prognostizierten Wirtschaftswachstum von 7% für 2007 gehört Polen zu den Wachstumslokomotiven Europas, konstatierte Angelika Basdorf in der Diskussionseinführung. Die Schattenseite der florierenden, polnischen Wirtschaft: Viele, gut ausgebildete Kräfte wandern vor allem nach England und Irland ab.



Gezielte Maßnahmen der Arbeitskräftebeschaffung



Es gibt keine konkreten Zahlen über polnische Arbeitskräfte, die in den europäischen Ländern tätig sind aufgrund der vielfältigen Arbeitserlaubnisverfahren der einzelnen Mitgliedsstaaten, erläuterte Janusz Grzyb. Das Arbeitskräfte-Potential Polens sei sehr hoch, ebenso aber auch dessen Mobilität. Polens Fachkräfte sind gekennzeichnet durch sehr gute Ausbildung, besonders im Bereich Fremdsprachen, daher sind sie für den europäischen Arbeitsmarkt sehr interessant. Der Arbeitskräfte-Abwanderung, so Grzyb, wolle man in Polen durch gezielte Maßnahmen der Arbeitskraftbeschaffung entgegenwirken und habe daher in 2007 bereits mehr als 2000 Arbeitsvisa an Personen aus der Ukraine und Weißrussland erteilt. Für die nächsten Jahre hoffe man, dass Polen sich weg vom Billiglohnland wandle.



Erhebliche Rekrutierungsprobleme



Aus deutscher Sicht schilderte Lars Bosse die Situation. Techniker, Ingenieure und Handwerker sind für deutsche Investoren in Polen die meistgesuchten Arbeitskräfte. Hier stoße man besonders in der Baubranche auf erhebliche Rekrutierungsprobleme, teilweise könnten Bauvorhaben sogar nicht beendet werden mangels Arbeitskräften. Hohe Abgaben und niedriger Löhne bieten für polnische Fachkräfte derzeit im eigenen Land nur wenig Anreiz, daher stoßen deutsche Unternehmen nur auf eine befriedigende Menge an Arbeitskräften.



Keine dauerhafte Gefahr



Arndt Kirchhoff betonte aus unternehmerischer Sicht die Bedeutung der polnischen Arbeitskräfte auf dem europäischen Markt wegen deren überdurchschnittlicher Ausbildung. Er sehe jedoch nicht die Gefahr einer dauerhaften Abwanderung, es gäbe durchaus noch genügend Fachkräfte in Polen um die dortige Wirtschaft stabil zu erhalten. Polnische Fachkräfte kämen auch gerne wieder zurück in die Heimat, wenn das Angebot stimme.



Chance statt Bedrohung



Andrzej Kaczorowski sieht eine konkrete Bedrohung für den polnischen Arbeitsmarkt nur dann gegeben, wenn bestimmte Altersgruppen oder Branchen zahlreich abwandern. Aufgabe der polnischen Botschaften im Ausland ist dann die intensive Betreuung der Landsleute besonders in arbeitsrechtlichen Angelegenheiten. Man müsse hier die Integration der Polen in dem jeweiligen Ausland stärken, so der Generalkonsul, schließlich bringe diese Situation auch Vorteile. Auslandspolen investieren in der Heimat und unterstützen dort ihre Familien, zudem verbessern sie ihre Fachkenntnisse im Ausland. Daher müsse man die Abwanderung als Chance statt als Bedrohung sehen.



Ansprechpartner:



Generalkonsulat der Republik Polen in Köln

Abteilung für Handel und Investitionen

Konsul Roman Szramka

Tel.: 0221-349958

E-Mail roman.szramkawirtschaft-polen.de

http://www.wirtschaft-polen.de

19.06.2007 - 17:01 Quelle: pressetext.de | Gelesen: 341 X

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