„Brückenbau vom Elfenbeinturm zur Produktionshalle“ – Deutschland braucht mehr Inder, Innovationen und Investitionen
Von Ansgar Lange
Bonn/Berlin – Was muss die Bundesregierung bis 2009 leisten? Antworten auf diese Frage liefert das Agenda-2009-Team aus dem Berliner Büro des Handelsblattes http://www.handelsblatt.de. Als Aufhänger für einen Beitrag zum Thema Forschung und Wissenschaft wählt die Zeitung das Beispiel des MP3-Players. Er wurde in Deutschland erdacht, das Geld verdienten die anderen. Hiermit werde das Problem des Innovationsstandorts Deutschland auf den Punkt gebracht. Doch das Handelsblatt warnt: „Es gibt zu viele Felder, in denen Deutschland nicht mal mehr bei den Ideen an vorderster Front steht – so wie bei der Medikamentenentwicklung. Ganz zu schweigen von den Fachgebieten, in denen Deutschland noch nie vorne lag, etwa bei der Informationstechnologie.“
So müssten zum Beispiel bei der roten und grünen Gentechnik gesetzliche Barrieren abgetragen werden, um zu verhindern, dass Deutschland hier endgültig den Anschluss verliere. Eklatant sei der Geldmangel an einer entscheidenden Bruchstelle des Innovationssystem: in der Startphase kleiner Unternehmen, denen das Kapital fürs Wagnis fehle. Nach wie vor sei man von den so genannten „Lissabon-Zielen“ weit entfernt: Eigentlich sollten die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bis 2010 von heute zweieinhalb auf drei Prozent gesteigert werden. „Zurzeit brummt die Wirtschaft. Es herrscht Freude über sprudelnde Steuereinnahmen, sinkende Arbeitslosenzahlen und eine gute Auftragslage für die deutsche Wirtschaft. Jetzt ist es an der Zeit, die konsumtiven Ausgaben zu senken, um mehr Geld für Zukunftsinvestitionen zu haben“, sagt Tobias Janßen, Vorstandschef der Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft Goldfish Holdings http://www.goldfish-holdings.com in Düsseldorf und Mitglied im Executive Board American Chamber of Commerce http://www.amcham.de.
Janßen fährt fort: „Wir brauchen eine tabulose Debatte über alle Haushaltsposten des Staates. So zahlen die Bürger und Unternehmen in Deutschland beispielsweise seit 1995 einen Solidarzuschlag zur Einkommen- und Körperschaftssteuer. Das Institut für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn schlägt vor, den Satz des Soli von gegenwärtig 5,5 Prozent ab 2008 jährlich um 0,25 Prozent zu senken. 2019 läge er dann bei 2,5 Prozent. Ab 2020, mit Auslaufen der Solidarpaktleistungen, würde er ganz entfallen. Ich halte das für durchaus diskussionswürdig. Es darf dem Staat nicht mehr um das reine Stopfen von Haushaltslöchern gehen, sondern um Investitionen in Innovationen, die das Land voranbringen.“
Ähnlich wie das Agenda-Team des Handelsblattes plädiert Janßen für einen „Brückenbau vom Elfenbeinturm zur Produktionshalle“. Die Leistungen der Forscher müssten immer auch daran gemessen werden, welche Produkte aus ihren Ideen entstehen könnten. Dazu bräuchten die Forscher mehr Freiheit und bessere Arbeitsbedingungen: „Wenn wir uns hier nicht mehr anstrengen, gehen immer mehr renommierte und Nachwuchswissenschaftler nach Amerika. Außerdem brauchen wir mehr ausländische Spitzenkräfte in Deutschland. Abgesehen davon, dass Ausländerfeindlichkeit immer schlimm ist. Auch rational spricht nichts dagegen, die sprichwörtlichen Inder ins Land zu holen, denn die Akademikerarbeitslosigkeit in Deutschland ist verschwindend gering. Holen wir schlaue Inder, Chinesen oder Slowaken nach Deutschland, so nehmen wir keinem Deutschen, der gut qualifiziert ist, den Job weg.“
Quelle: medienbüro.sohn / pressbot.net
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02.08.2007 - 15:11 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 182 X
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