Emissionshandel auf dem Prüfstand
WWF analysiert Nationale Allokationspläne und fordert Korrekturen für die nächste Runde
Berlin, 9. November 2005 - Der Emissionshandel bleibt nach Einschätzung des WWF das zentrale Instrument, um den Klimaschutz in der EU zum Erfolg zu führen. Das System könne sein Potenzial jedoch nur entfalten, wenn die strukturellen Schwächen und mageren Ziele in den nächsten Nationalen Allokationsplänen (NAP) ausgeräumt würden. Zu diesem Ergebnis kommt der WWF in zwei jetzt vorgestellten Studien. Darin werden die nationalen Allokationspläne von sechs Staaten (Deutschland, Großbritannien, Italien, Niederlande, Polen und Spanien) unter die Lupe genommen. Es wird erstmals mit Zahlen aufgezeigt, welche Wirkungen die unterschiedlichen Regelungen in den NAPs entfalten. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die bisherigen Pläne geben zu wenig Impulse für eine klimaverträgliche Energieversorgung. Zum Teil heben sie sogar den gegenteiligen Effekt und bevorteilen Kraftwerke mit hohem CO2-Ausstoß. "Wenn die Pläne für die nächste Phase von 2008 bis 2012 erneut so diffus ausfallen, wird die europäische Klimaschutzpolitik grandios scheitern", prognostiziert Regine Günther, Leiterin des Klimareferats beim WWF Deutschland. Die neueste Klimabilanz zeige, dass der CO2-Ausstoß in den wichtigsten EU Staaten zwischen 2002 und 2003 um knapp zwei Prozent angestiegen sei. Vom eigentlichen EU Ziel, den Ausstoß um acht Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken, sei man meilenweit entfernt.
Bislang habe das System zu viele Schwachstellen, um sein Potenzial zu entfalten. Der WWF fordert erhebliche strukturelle Änderungen. Gegenwärtig werden die Zertifikate ausschließlich kostenlos und in Deutschland zudem nach dem Prinzip "wer viel braucht, bekommt viel" verteilt. Die Versteigerung der Zertifikate sei der ökonomisch und ökologisch effizientere Weg. Die Strompreise würden sich mit solch einer Regelung gegenüber einer kostenlosen Vergabe nicht verändern.
Was die Obergrenzen der Emissionen angeht, sieht der WWF ebenfalls Handlungsbedarf. Es wurde zu wenig Wert darauf gelegt, den CO2-Ausstoß insgesamt stärker zu begrenzen. Deutschland plant Emissionszertifikate in Höhe von 495 Mio. Tonnen für die Jahre 2008 bis 2012 zu vergeben. "Diese Entscheidung muss in der nächsten Runde revidiert werden. Mehr als jährlich 473 Mio. Tonnen dürfen an den deutschen Handelssektor nicht vergeben werden. Das muss reichen, diese Menge entspricht der Selbstverpflichtungserklärung der Industrie", betont Regine Günther. Zudem hätten in Deutschland und anderen EU Ländern diverse Sonderregeln das Instrument seiner Effizienz beraubt. "Die Formel muss lauten: Mehr Markt, mehr Marktteilnehmer und weniger Protektionismus für die Besitzstandswahrer", so Günther. Die künftigen Nationalen Allokationspläne für die Zeit von 2008 bis 2012 müssten sicherstellen, dass die Kyoto-Ziele erreicht werden. Die Staaten sollten künftig nachweisen, welche Klimaschutzimpulse von den gesetzten Regelungen ausgehen.
Weitere Informationen:
Unter dem Titel "The environmental effectiveness of the EU ETS" hat sich die britische ILEX Energy Consulting mit den Höchstmengen und das Öko-Institut mit den Strukturen der nationalen Allokationspläne auseinandergesetzt. Beide Arbeiten im Internet unter: www.wwf.de/emissionshandel
Jörn Ehlers, Pressestelle WWF Deutschland, Tel.: 0 30/30 87 42-12; Fax –50
Quelle: WWF / pressrelations.de
10.11.2005 - 10:01 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 1028 X