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Industrie berät über neue Allokationsmodelle


Chance auf Harmonisierung in der ersten Handelsperiode nicht genutzt. Industrie fordert bedeutsamere Preise. Bisher keine Klagen nach Evaluation der Nationalen Allokationspläne.

London/Bonn. Rund 40 Vertreter von Regierungen, europäischer Energiewirtschaft und energieintensiver Industrie sowie der EU-Kommission diskutierten auf der „8th Annual Emissions Trading Conference“, die vom 22. bis 23. Januar in London statt fand, über Herausforderungen des Emissionshandelsmarktes. Die noch fehlenden Nationalen Allokationspläne (NAPs) werden im Hinblick auf mehr Investitionssicherheit ungeduldig erwartet. Unternehmen kritisierten vor allem die niedrigen Zertifikatspreise sowie die andauernde fehlende Einheitlichkeit beim Monitoring und den Verifikationsmechanismen. Die Bilanz der ersten Vor-Kyoto Periode fiel daher kritisch aus.

Industrie fordert „bedeutsamere“ Preise
Über die zukünftige Entwicklung des European Emissions Trading Scheme (EU ETS) herrscht weiterhin Ungewissheit. Eine Analyse des niederländischen Energieberaters Ecofys zeigte, dass der Markt momentan mit rund 50 Millionen überschüssigen Zertifikaten, den so genannten EU-Allowances (EUAs), übersättigt ist. Ann Gardiner, Group Manager Energy and Climate Strategies bei Ecofys, sprach sich mit Blick auf den enormen Handelsüberschuss für eine Änderung der bestehenden Regelungen des Handelssystems aus. Vianney Schyns, zuständig für den Bereich Klima und Energieeffizienz bei der niederländischen Utility Support Group, forderte: „Wir wollen einen bedeutsameren Preis zwischen 20 und 30 Euro pro Zertifikat. Fünf Euro besitzen weder Anreizpotential noch ein planbares Return of Investment“. Die enormen Preisschwankungen wurden von den Vertretern der Industrie besorgt diskutiert. Im Wesentlichen wurden drei Gründe für die aktuellen Unsicherheiten verantwortlich gemacht: Neben den noch ausstehenden Anpassungen der bereits überprüften NAPs, wie beispielsweise des Deutschen, erwartet der Handel noch die Allokationspläne von Frankreich, Spanien, Polen und Italien. Auch die Länder, die mit Beginn der ersten Kyoto-Periode von 2008 bis 2012 an dem Emissionshandelsmarkt teilnehmen werden, verstärken die Unsicherheiten über die weitere Entwicklung. Zu den Ländern zählen unter anderem Norwegen und Australien. Zuletzt blickt die Industrie auf die Veröffentlichung der tatsächlich ausgestoßenen Emissionen, die im Mai dieses Jahres bekannt gegeben werden. Im vorigen Jahr hatte die Veröffentlichung zu einem enormen Preiseinbruch geführt, der sich bis jetzt fortsetzt. Gardiner betonte, dass die Preisschwankungen vor allem durch anhaltende politische Unsicherheiten hervorgerufen würden. Insgesamt äußerten sich die Teilnehmer eher negativ über die erste Handelsperiode. Die Chance auf ein verbessertes Regelsystem und Harmonisierung sei verpasst worden, resümierte Chris Dekkers vom niederländischen Ministerium für Wohnungswesen, Raumordnung und Umwelt. So seien beispielsweise ein Jahr lang Diskussionen über den Begriff der Verbrennungsanlage geführt worden.

Diskussion neuer Allokationsmodelle
Die Teilnehmer diskutierten unter anderem drei mögliche Allokationsverfahren für die CO2- Zertifikate. William Kyte, Berater für nachhaltige Entwicklung bei EON UK, glaubt, dass Regierungen zukünftig verstärkt auf Auktionierungen zurückgreifen werden: „Es bietet eine Möglichkeit, die Windfall Profits zu minimieren, Gewinne zu erzeugen und geht einher mit dem Prinzip, dass der Verschmutzer zahlt“. Doch dass alle 27 Mitgliedsstaaten unterschiedliche nationale Regulierungsvorschriften etablieren könnten, mache das System sehr kompliziert, fügte er hinzu. Damit bezog er sich auf die Möglichkeit, dass unterschiedliche Regelsysteme die Diskrepanzen innerhalb der EU ETS weiter verstärken können. Die Meinung der Industrievertreter zum Benchmarking als weiterem Allokationsverfahren gingen auseinander. Scot Imrie der britischen Niederlassung des US-Unternehmens International Paper wies in dem Zusammenhang auf das Beispiel unterschiedlicher CO2-Emissionen der Sektoren innerhalb der Papierindustrie hin, die das Aufstellen einer Normgröße schwierig machen würden. Dass die Heterogenität der Produkte und Prozesse das Benchmarking zu einem komplizierten Regelsystem mache, betonte auch der Vizepräsident des Bereichs Umwelt bei der Schweizer Holcim Group Support Ltd., Bruno Vanderborght. Das Grandfathering wurde schließlich besonders kritisch diskutiert. Schyns kritisierte, dass es letzten Endes keinen wirklichen Reduktionsanreiz setze, da man auch die Produktion zurückfahren könne. Kyte von EON verwies zusätzlich darauf, dass das Basisjahr für die Festlegung der Emissionen mit der Zeit irrelevant werde.

Bisher keine Klagen bei der EU-Kommission
Damien Meadows von der Europäischen Kommission bestätigte, dass bisher noch keine Klagen gegen die vorgeschlagenen Kürzungen der Reduktionsziele in den NAPs eingegangen seien. Dies könnte sich jedoch bald ändern, denn Deutschland prüft momentan eine Klage gegen die EU-Reduktionsvorgaben: „Wer Frieden will, muss sich auf den Krieg vorbereiten“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos dazu am Mittwoch auf der vom Handelsblatt veranstalteten Jahreskonferenz der Energiewirtschaft.

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Quelle: oak media GmbH / pressbot.net

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25.01.2007 - 19:04 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 408 X