Positives Marktklima verhilft der Hannover Messe zu zweitem Frühling
Weltgrößte Technologieschau startet überraschend positiv. Erneuerbare Energien präsentieren sich auf der Hannover Messe. Versorger EnBW will Probleme bei Speicherung von Windenergie gelöst haben. Solaraussteller sehen Messe als mögliche Ergänzung zu den üblichen Branchentreffen.
Hannover. Die Hannover Messe (HMI) – weltweit die größte Technologieschau des Jahres – schwimmt regelrecht auf einer Welle der Begeisterung. Nach zuletzt schwachen Jahren startete die Messe in diesem Jahr, getrieben von guten Prognosen für das Wirtschaftswachstum und getragen von der nachhaltigen Innovationsfreude der gesamten Technologiebranche, überraschend positiv. Grund genug für die wichtigsten Industrieverbände, ihre Wachstumsprognosen für das laufende Jahr im Rahmen der Messe nach oben zu korrigieren. So geht der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) davon aus, dass die prognostizierten vier Prozent Wachstum im Jahr 2007 noch überschritten werden. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat seine Wachstumsprognosen im Zuge der Messe nach oben korrigiert und erwartet für dieses Jahr ein Wachstum der deutschen Wirtschaft von rund 2,5 Prozent. In dieser Woche präsentieren sich auf der Hannover Messe mehr als 6.400 Aussteller aus über 60 Nationen, so der Veranstalter gegenüber dem Europressedienst. Vertreten sind, neben den klassischen Industriezeigen, auch Aussteller aus dem Energiesektor. Neben Branchenverbänden und Energieversorgern, stellen auch Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien ihre Innovationen vor.
EnBW: Probleme bei Speicherung von Windenergie gelöst
Besonders stark vertreten sind in diesem Jahr die Aussteller von Windkraftanlagen. Anbieter wie Winenergy, Fuhrländer und der Anlagenhersteller Vestas zeigen, welches Potenzial ihre Branche auch zukünftig hat. Denn: Insbesondere die Energiegewinnung mittels Windkraft ist bei Experten nicht unumstritten. Kritiker bemängeln, dass der aus Windkraft erzeugte Strom bislang nicht ausreichend gespeichert werden kann und zudem bei der Produktion großen Schwankungen ausgesetzt ist. Ein Problem, das die Branche seit langem beschäftigt und das auch von Ex-Umweltminister Klaus Töpfer im Rahmen des „World Energy Dialogue 2007“ thematisiert wurde. „Die Speicherung der gewonnenen Energie ist derzeit das zentrale Thema im Bereich der Windkraft“, so Töpfer bei einer Podiumsdiskussion am Mittwoch. Dieses Problem will der baden-württembergische Energieversorger EnBW jetzt gelöst haben. Dazu haben die Ingenieure der EnBW lediglich die bestehende Technologie der Druckluftspeicherung weiterentwickelt. Eine Technologie, die es in ähnlicher Form schon seit Ende der 70er Jahren gibt, der es bislang aber an der nötigen Effizienz mangelte. Neu ist beim Verfahren von EnBW, dass die Wärme die beim Komprimieren entsteht zukünftig in einen Wärmespeicher eingespeist und so ebenfalls nutzbar gemacht wird. Nach Angaben des Energieversorgers werde so ein Nutzungsgrad von etwa 70 Prozent erreicht.
Solaranbieter sehen die Hannover Messe als Versuchsballon
Im Gegensatz zu den Bereichen Windenergie und Biomasse zeigte sich die Solarbranche auf der Hannover Messe eher unterrepräsentiert. Anders als die Branchenriesen, die der Messe allesamt fern blieben, nutzen Wagner Solartechnik, Würz Energy und Sunset Solar die Technikschau als eine Art Versuchsballon. Inga Paetsch, Sales Managerin von Wagner & Co, gegenüber dem Europressedienst: „Wir wollen einfach mal ausloten, ob die HMI für uns eine Ergänzung zu den PV-Branchentreffen sein kann.“ Und auch Joachim Ender, Assistent der Geschäftsführung bei Würz Energy, sieht die Photovoltaik auf der Messe als eine Randerscheinung. „Ich kann nur spekulieren, aber ich denke, dass der PV Markt derzeit einfach überschwemmt ist. Wir setzen – neben den PV-Großanlagen – im Augenblick verstärkt auf Blockheizkraftwerke die mit Pflanzenöl betrieben werden“, so Ender im Gespräch. Stellvertretend für die gesamte Solar-Branche präsentierte sich der Bundesverband für Solarenergie (BSW) und gab sich gewohnt zuversichtlich. Vom Solarboom profitierten derzeit besonders die Zulieferer aus dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau, so der BSW. Durch nationale und internationale Aufträge der Branche sowie steigende Investitionen der Zell- und Modulhersteller sei die Nachfrage nach modernem Equipment „Made in Germany“ weiterhin groß, gibt er in einer Presseerklärung bekannt. Nach Angaben des Verbandes sind derzeit rund 35.000 Menschen in der deutschen PV-Branche beschäftigt, die im vorigen Jahr rund 3,8 Milliarden Euro umsetzten – Tendenz steigend. Bernhard Maier, zuständig für den PV-Vertrieb beim Anlagenhersteller Sunset Solar, bestätigt diesen positiven Trend: „Wir spüren in diesem Jahr eine deutliche Steigerung der Nachfrage. Auch mit den Ergebnissen der Messe sind wir bislang mehr als zufrieden“. Ob die Hannover Messe also zukünftig in die Kalender aller PV-Hersteller aufgenommen wird, bleibt abzuwarten.
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19.04.2007 - 15:09 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 932 X
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