(pur). Noch gibt es sie, die alten Buchen auf der schwäbischen Alb, die knorrigen Eichen im Kraichgau und die mächtigen Tannen im Schwarzwald. Aber ihre Tage sind gezählt. Denn die Landesforstverwaltung von Baden-Württemberg hat Waldbesitzer und Förster aufgerufen, sie zu fällen und in gewinnbringenden Profit zu verwandeln. Auf diesen Missstand weist der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, mit seinem aktuellen "Schwarzbuch Wald" anhand von 17 Beispielen exemplarisch hin. Gefällt werden Bäume mit Spechthöhlen und Greifvogelhorsten sowie morsche Stämme, die bedrohte Arten wie Heldbock und Hirschkäfer beheimaten. Dabei hinterlassen die riesigen Forstmaschinen Schneisen der Verwüstung. Und obwohl das Landeswaldgesetz es verbietet, werden Kahlhiebe auch an Steilhängen und in Wasserschutzgebieten vollzogen. Noch nicht einmal die wertvollsten Gebiete - die sich selbst überlassenen Bannwälder - werden verschont. Die Bilanz des "BUND-Schwarzbuch Wald" ist erschütternd: "Während die Forstwirtschaft in den vergangenen 20 Jahren den naturnahen Waldbau gezielt gefördert und dadurch Laubbäume und strukturreiche Waldbestände aufgebaut hat, steht vor dem Hintergrund leerer Kassen nun vor allem der finanzielle Ertrag aus dem Wald im Vordergrund. Mühsam errungene ökologische Standards bei der Waldwirtschaft rücken in den Hintergrund und werden von vielen Forstleuten und Waldbesitzern offenbar nur noch als Hindernis auf dem Weg zu einem möglichst hohen Gewinn angesehen", kritisiert die BUND-Landesvorsitzende Dr. Brigitte Dahlbender. Sogar der von der deutschen Forstwirtschaft entwickelte Grundsatz der Nachhaltigkeit wird gebrochen. Ausgerechnet im Staatswald wird mehr Holz eingeschlagen, als gleichzeitig nachwächst. Dieser Trend wird durch die steigenden Energiepreise verstärkt, denn die Nachfrage u. a. nach Brennholz steigt und auch Bäume, die bislang keinen hohen ökonomischen Wert hatten, landen nun in den heimischen Brennöfen. Dicke, krumme, alte und absterbende Bäume sind davon besonders stark betroffen.
Der BUND fordert von der Landesregierung ein unverzügliches Umdenken und eine Rückbesinnung auf die bewährten Grundsätze der naturnahen Forstwirtschaft. Dabei stellt sich der BUND nicht grundsätzlich gegen eine nachhaltige Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs Holz, der CO2 bindet und damit einen wirksamen Schutz gegen den Klimawandel darstellt. Dahlbender betont: "Gerade im Wald lassen sich ökologische und ökonomische Ziele problemlos vereinbaren. Dazu braucht es allerdings Geduld, qualifiziertes Forstpersonal und Geld für Ausgleichszahlungen, da vor allem im Privatwald ein Nutzungsverzicht oft mit Ertragseinbußen verbunden ist."
Als Bürgerwald muss der Staatswald hingegen gemäß Waldgesetz vorbildlich bewirtschaftet werden. "Der BUND fordert hier eine Drosselung des Holzeinschlags auf ein naturverträgliches Maß, eine schonende und einzelstammweise Waldverjüngung, einen weitgehenden Nutzungsstopp in Altbeständen über 180 Jahre und das konsequente Belassen von Totholz und Habitatbäumen", erläutert Dahlbender. "Außerdem muss endlich die Fläche der ungenutzten Wälder - der so genannten Bannwälder - von derzeit 0,5 Prozent auf fünf Prozent innerhalb der nächsten 20 Jahre gesteigert werden. Denn nur in Bannwäldern kann die ursprüngliche Artenvielfalt vollständig erhalten werden. Das Potenzial hierfür ist vorhanden, jetzt fehlt nur noch der politische Wille."
Das BUND-Schwarzbuch Wald findet sich zum Downloaden im Internet unter http://vorort.bund.net/bawue/ in der Rubrik "Aktuell".
Eklatante Beispiele aus dem Bund-Schwarzbuch Wald:
1. Starker Holzeinschlag im Glastal, geplante Kernzone im Biosphärengebiet Schwäbische Alb (Landkreis Reutlingen); 2. Starker Holzeinschlag im Wehratal (südlicher Schwarzwald), betroffen ist Bodenschutzwald und Bannwald (Ldkrse. Lörrach und Waldshut); 3. Starker Holzeinschlag im Stadtwald Meersburg im Erholungswald, entnommen wurden u.a. Altbuchen und Habitatbäume (Landkreis Bodenseekreis); 4. Kahlhieb und anschließende Pflanzung von Nadelbäumen (Großprivatwald Oberschwaben bei Bad Waldsee, Lkrs. Ravensburg); 5. Holzeinschlag im Bannwald Napf (Ldkrs. Breisgau-Hochwaldwald); 6. Unpflegliche Holzernte durch Maschineneinsatz bei ungünstiger Witterung (Staatswald Kaltenbronn, Ldkrs. Rastatt) 7. Starker Holzeinschlag im Bodenschutzwald und LSG, Gde. Wertheim (Ldkrs. Tauberbischofsheim); 8. Einschlag von Alteichen mit Bruthabitaten des Heldbocks im Karlsruher Hardtwald.
Quelle: djd / pressetreff.de
21.05.2008 - 10:04 Quelle: pressetreff.de | Gelesen: 270 X

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