Kosten der Atomenergie nicht weiter staatlich verschleiern
Greenpeace warnt moegliche Koalition vor Einknicken beim Atomausstieg und beim Klimaschutz
Hamburg, 26.10.2005 - Greenpeace warnt die Spitzen von CDU/CSU und SPD davor, bei den Koalitionsverhandlungen den Atomausstieg und den Klimaschutz zu Gunsten der Interessen einiger Gewerkschafts- und Industrievertreter zu opfern. Nur Laufzeitverkuerzungen von Atomkraftwerken reduzieren das Risiko fuer die Bevoelkerung. Darueber hinaus muessen bei der Atomstromproduktion die wahren Kosten endlich offen gelegt werden. Im Fall eines Super-GAUs liegen nicht nur die gesundheitlichen Folgen bei den Menschen, sondern auch die finanziellen und wirtschaftlichen Risiken. Bei einer Firmenpleite muessten die Buerger die Kosten etwa fuer den Atommuell ebenfalls selbst zahlen. Die deutsche Gesetzgebung spart den Energiekonzernen jaehrlich mindestens eine Milliarde Euro an Finanzierungskosten. Das stellt die Regenerativen Energien im Verhaeltnis teurer dar als sie sind.
Mit ihren Forderungen an SPD und CDU nach laengeren Laufzeiten sind Industrie und Gewerkschaften eine unheilvolle Allianz eingegangen. "Trotz der umwelt- und volkswirtschaftlichen Risiken wollen der BDI, die Stromkonzerne und die Gewerkschaften den Menschen in Deutschland das Risiko eines Super-GAUs noch laenger aufbuerden", kritisiert Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace. "Verwunderlich ist darueber hinaus, dass sich die Gewerkschaften und der BDI mit ihren Forderungen ausgerechnet gegen einen Ausbau der Erneuerbaren Energien richten, wo in den letzten Jahren ueber 130.000 neue Arbeitsplaetze entstanden sind."
Das finanzielle Risiko durch Atomenergie entsteht durch die so genannten Rueckstellungen. Die Atomkonzerne RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW muessen fuer den Atommuell und den Rueckbau der Atomanlagen Rueckstellungen in ihren Bilanzen bilden. So kamen bis heute etwa 29 Milliarden Euro zusammen. Das Geld verwalten die Atomstromkonzerne allerdings selbst und finanzieren damit ihre Geschaefte. Das bedeutet, dass diese Gelder im Falle einer Firmenpleite verloren sind. Die Kosten fuer den Atommuell und den Rueckbau wuerde in diesem Fall letztendlich der Steuerzahler tragen muessen.
In der Schweiz werden die Gelder in staatlich verwaltete Rueckstellungsfonds eingezahlt. Dies muesste auch in Deutschland geschehen, damit die Gelder jederzeit tatsaechlich zur Verfuegung stehen wuerden. "Die deutsche Regelung spart den Atomkonzernen jaehrlich mindestens eine Milliarde Euro an Finanzierungskosten, was auch zu einer Wettbewerbsverzerrung am Strommarkt fuehrt. Das Risiko dieser verfehlten Politik der Bundesregierung traegt der Steuerzahler. Denn, dass auch grosse Firmen pleite gehen koennen, ist seit Enron und Worldcom kein Geheimnis mehr", sagt Thomas Breuer.
Dass Klimaschutz mit Atomkraft nicht zu bewerkstelligen ist, zeigen die aktuellen Klimaextreme weltweit. "Klimaschutz braucht klare Reduktionsziele, Laufzeitverlaengerungen von Atomkraftwerken frieren den aktuellen Status Quo ein. Die Kosten fuer die vom BDI und den Energieversorgern vorgeschlagenen Klimaschutzpolitik traegt wiederum der Buerger", so Breuer.
Quelle: GREENPEACE / pressrelations.de
26.10.2005 - 18:01 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 729 X