Schnellere Abwicklung, bessere Angebote und weniger Leerkilometer: Elektronisches Netzwerk zur Frachtvergabe unterstützt Unternehmen und Frachtführer
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Von Alexander Hauk
Fügen/Ulm (aha). Wie man mit intelligenter Logistik-Software in der Forstbranche Geld und Zeit sparen kann, zeigt die Franz Binder GesmbH mit Hauptsitz im österreichischen Fügen. Ohne die Mitarbeiterzahl zu erhöhen, konnte der Konzern seinen Umsatz 2005 im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent auf insgesamt 230 Millionen Euro steigern. Logistikleiter Silvio Schitter führt den Erfolg unter anderem auf eine Software zurück, mit deren Hilfe das Unternehmen die meisten Frachtaufträge nun online vergibt: „Im Vergleich zu früher können wir unsere Aufträge doppelt so schnell erledigen.“ Die gewonnene Zeit investierten die Mitarbeiter erfolgreich in den Vertrieb.
Unternehmen wollen Transportkosten senken, Frachtführer sind an guten Preisen interessiert. Ein Weg, für beide Seiten zufrieden stellende Ergebnisse zu erzielen, sind elektronische Vergabeplattformen, wie die Franz Binder GesmbH zeigt: Das Holzindustrieunternehmen, das 1957 von Franz Binder gegründet wurde, zählt zu den größten Holz verarbeitenden Unternehmen Europas. Aus ursprünglich sechs Mitarbeitern sind inzwischen 1140 geworden, die im Stammsitz in Fügen und in den Werken in Jenbach, St. Georgen, Hallein, in Unternberg und im bayerischen Kösching beschäftigt sind. Die Produkte des Unternehmens, unter anderem Brettschichtholz und Massivholzplatten, werden zur Weiterverarbeitung in 35 Länder geliefert. Die Kunden stammen überwiegend aus der Möbel- und Bauindustrie.
Mehr als 30.000 LKW-Transporte müssen Logistikleiter Schitter und seine Mitarbeiter jährlich organisieren. Über 200 Speditionen und Frachtführer sind für das Unternehmen europaweit unterwegs. „Früher hatte jedes unserer Werke einen eigenen Kreis von Spediteuren, an die Aufträge vergeben wurden“, berichtet Schitter. In der Regel geschah dies über das Telefon, per Fax und E-Mail. Nun werden die meisten Aufträge zeitsparend über das Internet vergeben. Binder setzt dafür seit Mai 2004 TISYS® (Transport-Informations-System), eine Software der Transporeon GmbH & Co. KG ein. „Etwa 400 Ladungen pro Woche erledigen wir mit TISYS®“, so Schitter.
Hohe Transparenz
Das wichtigste TISYS® -Modul für Binder ist TICAP®, eine geschlossene Vergabeplattform. Das Programm ermöglicht die Veröffentlichung von Transportaufträgen unter mehreren vom Verlader ausgewählten Spediteuren und Frachtführern. Jeder Spediteur, dem Binder Zugriff erteilt hat, kann nun auf die Ladungen aller Werke der Unternehmensgruppe zugreifen. Die Transporteure melden sich auf die Aufträge, die optimal in ihre Fahrzeugdisposition passen - als Anschlussladungen oder gar für Rundläufe. Dies ermöglicht den für beide Seiten, das heißt sowohl für den Auftraggeber wie auch den Transportunternehmer, optimalen Einsatz der vorhandenen LKW-Kapazitäten. Gerade in Zeiten knappen Frachtraums am Transportmarkt ein wichtiger strategischer Vorteil zur Gewährleistung der Auslieferungssicherheit. Über das Internet erhalten Spediteure und Frachtführer zeitgleich alle wichtigen Details zum Auftrag. Dazu gehören Informationen über die Art des benötigen Fahrzeugs ebenso wie das Mengenvolumen und der Transporttermin.
TICAP® habe die Arbeit deutlich vereinfacht, berichtet Schitter: „Der Frachtführer oder Spediteur sieht sofort, was für einen Auftrag wir zu vergeben haben und wir wissen unverzüglich, wer Interesse an unserem Auftrag hat.“ Zum Vergleich: „Früher mussten wir bis zu 15 Telefonate für eine Ladung führen“, so Schitter. Die Telefonkosten seien durch die Einführung von TISYS® deutlich gesunken. „Unser Zeitaufwand für eine Disposition hat sich halbiert.“ Dank TISYS® kann sich Schitter nun auch außerhalb der regulären Arbeitszeit um seine Ladungen kümmern: „Ich bin nun nicht mehr auf die Zeit zwischen 7 und 19 Uhr beschränkt, sondern kann, wenn es dringend ist, auch am Samstag oder Sonntag Aufträge bearbeiten.“ Das könne zum Beispiel bei einem unerwarteten Produktionsausfall notwendig werden.
Der Umstieg sei auch deshalb leicht gefallen, weil TISYS® bereits am Markt etabliert sei. „Viele Frachtführer kannten die Programme schon“, so Schitter. Zudem wird die Software kostenlos zur Verfügung gestellt. Transporeon berechnet Transaktionsgebühren pro vergebenem Auftrag. Die anfallenden Gebühren teilen sich Verlader und Spediteure. Bevor auch die Franz Binder GesmbH umgestiegen ist, haben sich Schitter und seine Mitarbeiter ausgiebig über die elektronische Kommunikationsplattform informiert. So waren sie bei der Salzburger Aluminium AG im österreichischen Lend und bei der Knauf Gips KG in Iphofen zu Gast, um sich die elektronische Plattform im täglichen Einsatz zeigen zu lassen. Beide Unternehmen nutzen TISYS® schon seit längerer Zeit für ihre Transporte.
Ständig aktuelle Daten
Auch Spediteure und Frachtführer, die im Auftrag von Binder unterwegs sind, profitieren von TICAP®: Mit Hilfe des Programms können sie unkompliziert nach Anschlussladungen suchen und so teure Leerfahrten vermeiden. Der so genannte Frachtführer-Client lädt automatisch die neuesten Aufträge von der Plattform. „Durch die Mehrwegoptimierung zahlen wir seit zwei Jahren die gleichen Frachtpreise – trotz steigender Dieselkosten“, freut sich Schitter. Gleichzeitig erzielen die Spediteure eine höhere Wirtschaftlichkeit. TICAP® ist mit allen gängigen Transportplanungs- und abwicklungssystemen kompatibel. Von einem Verlader gewünschte Frachtführer und Spediteure können sich das Programm kostenlos von der Transporeon-Internetseite herunterladen. Nachdem sie sich angemeldet haben, erhalten sie einen Überblick über die aktuellen Aufträge der Verlader, für die sie berechtigt sind und können ihre Angebote abgeben. Die Befürchtung einiger Spediteure, dass mit der Kommunikationsplattform der Preis gedrückt werden solle, sei rasch widerlegt worden, sagt Schitter. „Selbstverständlich nehmen wir Kostenvorteile wahr, nutzen TISYS® aber nicht als Mittel zum Preisdruck.“ Den Zuschlag für einen Auftrag erhalte nicht der billigste Anbieter, sondern derjenige, der die Produkte optimal transportieren könne.
Unabhängigkeit durch Strategiewechsel
Der Einsatz von TICAP® bedeutet in vielen Unternehmen auch einen Richtungswechsel in der bisherigen Unternehmensstrategie: „Um nicht jeden Tag erneut mit all den Transportunternehmen verhandeln zu müssen, haben einige Verlader bisher ihre Frachtaufträge exklusiv an einige wenige Spediteure vergeben“, berichtet Peter Förster, Mitgründer von Transporeon im baden-württembergischen Ulm. Mit TICAP® nutzen die Logistikverantwortlichen ein Tool, mit dem sie sich wieder an mehr Transportunternehmen wenden und so ihre Unabhängigkeit stärken können. So sei optimal sichergestellt, dass die Produkte fristgerecht geliefert werden.
Mit TIFLOW® setzt die Franz Binder GesmbH ein weiteres Modul von TISYS® ein. TIFLOW® leitet Aufträge aus von Hr. Schitter speziell definierten Transportsegmenten innerhalb weniger Sekunden automatisch an vorher in Kontrakten festgelegte Frachtführer weiter. Möglich macht dies das Programm mit seinen frei konfigurierbaren Kriterien, wie etwa Region, Land, Fahrzeugtyp und Art der Kunden sowie Güter. So kann er für jedes Transportsegment die jeweils optimale Vergabeart (TICAP oder TIFLOW) gemäß der Logistikstrategie der Franz Binder GesmbH wählen. Egal mit welchem Modul Schitter arbeitet, er verliert dabei nie den Überblick: Stets arbeitet er nur mit einer einzigen, übersichtlichen Oberfläche.
Im Moment testet der Logistikleiter auch TISLOT®, ein weiteres Modul von TISYS®. Es verkürzt die Durchlaufzeiten bei der Be- und Entladung von Transportfahrzeugen und soll so Wartezeiten an den Laderampen verhindern. Mit dem Programm können Frachtführer Zeitfenster für die Be- und Entladung buchen. Erste Tests sind erfolgreich verlaufen.
Die Firma Binder Holz wurde 1957 von Franz Binder gegründet. Aus dem Unternehmen mit sechs Mitarbeitern ist ein Konzern mit 1141 Mitarbeitern geworden. Neben dem Stammsitz im österreichischen Fügen gibt es Werke in Jenbach, St. Georgen, Hallein, in Unternberg und im bayerischen Kösching. 2005 machte die Binder Holz GesmbH einen Umsatz von 230 Millionen Euro. Heute zählt das Unternehmen europaweit zu den sechstgrößten in der Holzindustrie. Binder-Holz wird in 35 Länder geliefert, überwiegend nach Italien, Spanien, Frankreich. Außerdem wird für den US-amerikanischen Markt produziert.
Die im Juli 2000 gegründete Transporeon GmbH & Co. KG mit Sitz in Ulm hat sich auf die Entwicklung von Kommunikationsplattformen für die Transportlogistik von Industrie- und Handelsunternehmen spezialisiert und versteht sich als Logistikpartner.
Die von Transporeon entwickelte Produktfamilie TISYS® (Transport-Informations-System) besteht aus verschiedenen Modulen, die für unterschiedliche Bereiche der Transportlogistik eingesetzt werden. Das Basismodul heißt TICAP®: Das Programm vernetzt über eine geschlossene, internetbasierte Plattform Verlader mit den Transporteuren, vereinfacht die Vergabe von Frachtaufträgen und senkt die Kosten der Transportlogistik. Zur Kommunikationsplattform TISYS® gehören außer TICAP® die Module TIFLOW®, TISLOT® und TITRAC®. TIFLOW® wird bei der automatisierten Frachtvergabe von Aufträgen aus fixen Kontrakten eingesetzt: Das Modul beauftragt automatisch die Frachtführer und sorgt durch frei konfigurierbare Kriterien, wie zum Beispiel die Art der Güter dafür, dass die Aufträge innerhalb kürzester Zeit an den richtigen Partner weitergeleitet werden. TISLOT® wird zur elektronischen Zeitfensterbuchung von Laderampen eingesetzt und verkürzt die Durchlaufzeiten bei der Be- und Entladung. TITRAC® informiert über den aktuellen Auslieferungsstatus und wird zur Sendungsverfolgung eingesetzt.
Quelle: bayern-nachrichten.de / pressbot.net
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23.08.2006 - 17:28 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 2491 X