50 Euro für anspruchsvollen Service und 3.000 Dollar für ein Auto – Stellt sich die Automobilbranche mit „Billigheimer“-Aktionen selbst ein Bein?
Bonn/Hannover – „Höher, schneller, weiter“ ist ein Motto aus dem Sport. Das Motto der Automobilindustrie könnte man mit den Worten „Billig, billiger, am billigsten“ umschreiben. Zwei aktuelle Beispiele illustrieren diesen Trend. So soll bald ein Auto für 3.000 Dollar keine Utopie mehr sein, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) http://www.faz.net berichtet. Das Gemeinschaftsunternehmen Renault-Nissan wolle in einem Forschungszentrum in Indien ein solches Auto für Schwellenländer entwickeln. Laut FAZ-Redakteur Henning Peitsmeier bestätigte der Konzern zwar nicht den Preis von 3.000 Dollar, erklärte aber, dass das Auto deutlich preiswerter sein solle als der Billigwagen Dacia-Logan http://www.dacia.de.
Dieses „Super-low-cost“-Fahrzeug solle nicht nur für Indien, sondern für weitere Schellenländer wie China, Vietnam oder Thailand bestimmt sein. Kaum ein westlicher Massenhersteller arbeite nicht an einem Konzept für das Segment unterhalb der 10.000 Dollar-Grenze, da man diesen Markt nicht allein den Chinesen und Indern überlassen wolle. Auch westliche Zulieferer wollen etwas von diesem Kuchen abhaben. Bei Bosch http://www.bosch.de geht man davon aus, dass Pkw zum Preis von unter 7.000 Euro schon im Jahr 2010 einen Anteil von 13 Prozent am Weltautomobilmarkt erreichen. Heute seien hier chinesische Hersteller wie Geely oder Chery oder indische Firmen wie Tata tonangebend.
„Es leuchtet ein, dass die Hersteller – jeder für sich oder in Kooperation mit anderen – ihre Kompetenz unter Beweis stellen wollen, schlanke Entwicklungs- und Produktionskosten zu erzielen. Ich frage mich nur, warum sie dies erst vor dem Hintergrund eines Billigheimerautos tun wollen und dies nicht schon längst in die bisherigen Modellbaureihen der vergangenen Jahre integriert wurde?“, sagt Automobilexperte Uwe Röhrig vom Hannoveraner Beratungshaus International Car Concept (ICC) http://www.icconcept.de. Röhrig kann dem Ansatz nichts abgewinnen, Fahrzeuge nur für die Schwellenländer zu entwickeln. „Damit kann man sicher gut Marktanteile, also Absatz für den Hersteller erzielen. Aber wie groß sollen die Margen für den Handel sein, zu welchen Preisen wird ein solches Auto dann gewartet und repariert?“
Auch andere „Billigheimer“-Aktionen sorgen für Unruhe in der Branche. Wie die Automobilwoche http://www.automobilwoche.de berichtete, hat sich der Lebensmitteldiscounter Lidl http://www.lidl.de mit der Fachmarktkette Auto Teile Unger (ATU) http://www.atu.de „verbündet“. Seit kurzem bietet Lidl für 50 Euro einen Service-Gutschein für eine umfassende Kfz-Inspektion bei den rund 600 ATU-Werkstätten. Der Lidl-Preis, so die Automobilwoche, liege deutlich unter dem Preis für eine einzige durchschnittliche Verrechnungsstunde der im Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) http://www.kfzgewerbe.de organisierten Werkstätten. Es bleibt abzuwarten, ob die Autoindustrie sich mit solchen Aktionen insgesamt einen Gefallen tut.
Quelle: medienbüro.sohn / pressbot.net
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20.06.2007 - 0:00 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 464 X
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