Tschernobyl: WHO rechnet Opferzahlen klein
Kaum zu glauben: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Folgen von Tschernobyl verharmlost und die Erkenntnisse der eigenen Forscher heruntergespielt. Das berichtet die Zeitschrift natur+kosmos in ihrer Aprilausgabe. Bis zu 4000 Menschen könnten durch die Strahlenbelastung von Tschernobyl sterben, verkündete die WHO vergangenen September und berief sich auf eine umfassende Studie des in Lyon ansässigen WHO-Instituts für Krebsforschung (IARC) und die Arbeit von Hunderten von Wissenschaftlern. Woran niemand auch nur im Traum gedacht hätte: Die Zahlen sind falsch. Der IARC-Bericht spricht nicht von 4000 Toten, sondern von über 9000.
Die kanadische Strahlenepidemiologin Elisabeth Cardis, die die Forschungsarbeiten leitet, bestätigte gegenüber natur+kosmos: Die Presseerkärung hat nur die belasteten Gruppen der Liquidatoren, der Evakuierten und der Bewohner der streng kontrollierten Zonen berücksichtigt. Unter diesen Gruppen erwarten die Forscher wie gemeldet 4000 Opfer. Berücksichtigt man die Bewohner aus weniger belasteten Regionen, kommt man auf rund 9000 Opfer. Es sei dahingestellt, ob die Zahlen aus Versehen oder mit Absicht verharmlost wurden. Tatsache ist, dass die WHO es über ein halbes Jahr nicht für notwendig erachtet hat, den offensichtlichen Fehler zu korrigieren. Darüber hinaus gibt es gute Gründe, auch an der Zahl von 9000 Tschernobyl-Opfern zu zweifeln - vor allem wegen der unsicheren Datenlage. In der Tat sind unsere Vorhersagen aus verschiedenen Gründen sehr unsicher, räumt Elisabeth Cardis ein. Selbst auf der Datenbasis der WHO-Forscher könnten es mehr als 20000 Tote werden.
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18.03.2006 - 10:02 Quelle: pressetext.de | Gelesen: 87 X
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