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Ulrich Reichenbach ist bundesweit einer der ersten Metzger, die ausschließlich allergenfreie Wurstwaren anbieten - In Deutschland reagieren rund 400.000 Menschen allergisch auf Lebensmittelzusatzstoffe


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Von Alexander Hauk

Frankfurt/München/Glottertal (aha). Allergie-Experten warnen vor Reaktionen die durch Zusatzstoffe in Fleisch und Wurstwaren ausgelöst werden können. So könne zum Beispiel der Geschmacksverstärker Glutamat Übelkeit, Schweißausbrüche und Kopfschmerzen hervorrufen, berichtet Dr. Knut Brockow von der Dermatologischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München. Metzgermeister Ulrich Reichenbach aus dem baden-württembergischen Glottertal hat deshalb vor rund einem Jahr als einer der ersten seine Produktion komplett umgestellt. Bewusst verzichtet der Metzger seitdem ohne Ausnahme auf Zusatzstoffe wie Glutamat, Laktose und Phosphate. Zusätzlich sind alle Produkte gluten- und allergenfrei nach EU-Richtlinie (2003/89/EG). Inzwischen verkauft Reichenbach seine allergenfreie Wurst und Schinken bis nach Japan. Reichenbach liegt voll im Trend: „Die Nachfrage nach allergenfreien Produkten ist auf Grund der steigenden Zahl von Allergikern angestiegen“, berichtet Martin Fuchs, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Fleischer-Verbandes in Frankfurt am Main.

Geplant war ein schöner Abend im China-Restaurant. Doch schon so mancher Gast litt kurz nach den ersten Bissen unter Übelkeit und Kopfschmerzen. Diese und weitere Symptome können bei dem so genannten China-Restaurant-Syndrom auftreten: „Dahinter steckt in der Regel eine Unverträglichkeit auf Glutamat“, erklärt Brockow. Glutamat ist ein Würzmittel, das besonders häufig in asiatischen Restaurants, aber auch bei Fertiggerichten, in Schnellimbissen und Metzgereien eingesetzt wird. Der Geschmacksverstärker kann, wie viele weitere Zusatzstoffe, bei empfindlichen Menschen eine Lebensmittelunverträglichkeit beziehungsweise -allergie auslösen.

Rund 400.000 Bundesbürger reagieren auf Zusatzstoffe

Auch Laktose kann zu unerwünschten Reaktionen führen: „Eine Laktoseintoleranz äußert sich häufig in Form von Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfällen“, so Brockow. Sulfite und Farbstoffe können sogar Asthmaanfälle und Nesselsucht hervorrufen. In Deutschland leiden nach Angaben des Lebensmittelallergie-Experten rund drei Prozent der Erwachsenen und etwa fünf Prozent aller Kinder unter einer Lebensmittelallergie. Etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung, also rund 400.000 Menschen, reagieren auf Lebensmittelzusatzstoffe. „Diese Zahlen sind nur eine vorsichtige Schätzung", sagt Brockow.

Ulrich Reichenbach kennt diese Zahlen. Der Metzgermeister hat sich bei Medizinern und Allergologen ausgiebig über Lebensmittelallergien, Reaktionen und Zusatzstoffe informiert. „Mir war aufgefallen, dass es immer mehr Allergiker gibt“, so Reichenbach. In seinen Metzgereien wollten eine zunehmende Zahl von Kunden Wurst ohne Zusatzstoffe kaufen. Rund zwei Jahre tüftelte Reichenbach an seinen Gewürzmischungen. Schließlich sollte die Wurst mindestens genauso gut schmecken wie die bisherigen Wurstspezialitäten mit Zusatzstoffen.

DFV-Hauptgeschäftsführer Martin Fuchs erklärt die Schwierigkeiten bei der Wurstproduktion ohne Zusatzstoffe: „Es gibt eine Reihe von Wurstwaren, die ihre besonderen Eigenschaften der Verwendung von Zusatzstoffen verdanken. Lässt der Fleischer diese Zusatzstoffe weg, verändern sich Eigenschaften, wie etwa Geschmack und Aussehen, was seine Kundschaft womöglich nicht akzeptiert.“ Ein gutes Beispiel sei Glutamat. Viele Verbraucher hätten sich so sehr an den charakteristischen Geschmack des Zusatzstoffes gewöhnt, der in Kartoffelchips, Brühwürfeln, aber auch in Wurst verwendet wird, dass sie den Geschmack eines glutamatfreien Produktes als untypisch, im schlimmsten Fall als fade bewerten würden, so Fuchs. Da befinde sich der Fleischer in der Zwickmühle. Als Ersatz für den Geschmacksverstärker könne man zwar Selleriesalz verwenden, aber auch dagegen gebe es Mensch, die auf den Verzehr überempfindlich reagieren. Ein weiteres Beispiel ist Phospat, das Wasser und Fett bindet. Ohne Phosphat kann der Metzger weniger Fett und Wasser verarbeiten. Dabei ist gerade Fett ein wichtiger Geschmacksträger.

Inhaltsstoffe der Gewürzmischung sind geheim

Immer wieder stellte Reichenbach für seine Würste neue Gewürzmischungen zusammen und ließ Familie, Verwandtschaft und Bekannte testen. Die genaue Zusammensetzung der natürlichen Gewürzmischung hält der Metzgermeister geheim. Nur soviel verrät er: „Unter anderem stecken Muskat, Kardamom und Pfeffer drin.“ Und: „Die Wurstwaren werden mit Hilfe moderner Verfahren hergestellt, die Rezeptur entspricht der von vor 50 Jahren.“ Lebensmittelallergie-Experte Dr. Knut Brockow befürwortet zusatzstofffreie Wurst: „Für Allergiker ist es begrüßenswert, wenn Anstrengungen gemacht werden auf Zusatzstoffe zu verzichten.“

Reichenbacher Wurst auch in Japan gefragt

Mit seiner allergenfreien Wurst, deren Fleisch ausschließlich von eigener Tierhaltung stammt, hat Ulrich Reichenbach eine Marktlücke entdeckt und einen Verkaufsschlager entwickelt. Bis nach Japan lassen sich die Kunden seine Schwarzwälder Spezialitäten senden. Inzwischen bietet der Metzgermeister unter anderem seinen Schwarzwälder Schinkenspeck, seine Kirschwassersalami, seine Rauchlyoner und vieles mehr auch über das Internet (www.metzgerei-reichenbach.de) an.



















Der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) ist der freiwillige Zusammenschluss der 15 Landesinnungsverbände des Fleischerhandwerks. Der DFV ist die Spitzenorganisation des Fleischerhandwerks in Deutschland und vertritt rund 18.000 Betriebe mit insgesamt etwas über 168.000 Beschäftigten.

Wertvolle Informationen für die Herstellung von Nahrung für Lebensmittelallergiker liefert eine Studie der Hautklinik am Biederstein der Technischen Universität (TU) in München. Dabei haben Mediziner der beteiligten Kliniken die Verträglichkeit von allergenreduzierten Lebensmitteln nachgewiesen. Für die Allergietests in München war Dr. Knut Brockow verantwortlich.

In Deutschland leiden etwa fünf Prozent der Kinder an einer Lebensmittelallergie. Dabei reagiert der Körper allergisch auf körperfremde Eiweißsstoffe mit zum Beispiel Asthma, Ekzemen, Durchfall oder Erbrechen, im Extremfall auch mit einem anaphylaktischem Schock. Etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung, also rund 400.000 Menschen, reagieren auf Lebensmittelzusatzstoffe, wie Glutamat.

Anneliese und Max Reichenbach - die Eltern des heutigen Geschäftsführers Ulrich Reichenbach - gründeten 1959 das Unternehmen. Seit dieser Zeit werden sämtliche Wurstsorten und Fleischwaren selbst hergestellt. Auch die Schlachtung erfolgt bei Reichenbach. Seit 1993 leitet Ulrich Reichenbach das Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern und vier Geschäften - zwei im Glottertal, eines in Gundelfingen und eines in Umkirch - sowie zwei mobilen Verkaufsstellen. Für die hervorragende Qualität der Wurst- und Fleischwaren ist die Metzgerei Reichenbach in diesem Jahr mit 14 Goldmedaillen von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) ausgezeichnet worden.

Quelle: bayern-nachrichten.de / pressbot.net

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21.08.2006 - 18:05 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 646 X

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