"Der unbekannte Barlach"
Ernst Barlach ist unbestritten einer der bedeutenden Bildhauer des 20. Jahrhunderts, weil er den geschundenen Menschen als beseelte Figur in monumentaler Präsenz darstellte. Zugleich unterliegt sein Werk einer klischeehaften Wahrnehmung, denn seine Skulpturen sind zu vertrauten Formeln der inneren Bewegtheit und des würdevollen Leidens geworden. Dadurch ist mitunter der Blick auf die künstlerischen Differenzierungen Barlachs und seine jahrelange Suche nach Ausdruck verstellt.
Die Ausstellung in der Lyonel-Feininger-Galerie zeigt den unbekannten Barlach mit frühen Zeichnungen und Karikaturen aus der Sammlung des Ernst Barlach Hauses - Stiftung Hermann F. Reemtsma, Hamburg. Die frühen Arbeiten von 1889 bis 1909 stellen den suchenden und hadernden, aber auch sehr selbstständigen Künstler vor, der zwar früh ahnt, dass er Bildhauer werden will, aber lange nicht weiß, wie er das bewerkstelligen soll. Ein besonderer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den für die Jugend und den Simplicissimus entstandenen Karikaturen, die bislang kaum Beachtung gefunden haben.
Nach Ausbildungsstationen in Hamburg und Dresden befreit sich Barlach in Paris von den akademischen Zwängen und verfolgt seine früh formulierte Vorstellung von Vereinfachung und Monumentalisierung weiter, indem er seine alltägliche Umgebung in vielen Skizzen festhält. Die Ausstellung versammelt aus dieser Phase des künstlerischen Übergangs überzeugende Beispiele, souverän und leichthändig geschaffen und in der Gestaltung noch sehr dem zeitgemäßen Jugendstil folgend. Außerdem entstehen Karikaturen und Bildhauerzeichnungen.
Der Weg zur Formenreduzierung ist bereitet, als Barlach im Sommer 1906 nach Russland aufbricht, um seinen Bruder zu besuchen. Hier entstehen unzählige Skizzen des einfachen ländlichen Lebens, das in blockhafter Vereinfachung dargestellt wird. Bald nach seiner Rückkehr entwickelt Barlach aus den russischen Notizen seinen charakteristischen skulpturalen Stil. Der neue Ausdruck fließt aver ebenfalls in die Karikaturen ein, die Barlach nach der Russlandreise für den Simplicissimus zeichnet. Offenbar eignete sich der summarische, auf voluminösen Elementen beruhende Stil für die karikierende Pointierung ebenso gut wie für die verdichteten, elegischen Plastiken, denn in beiden Fällen ging es Barlach schließlich um die Deutung des Kreatürlichen, wie einmal über Barlachs Karikaturen geschrieben wurde. So gibt es Blätter wie das wohl auf eine plastische Studie zurückgehende Russische Bauernpaar von 1907, das ein autonomes Werk darstellt und zugleich unter der Überschrift An den Ufern des Jennisei im selben Jahr im Simplicissimus erscheint. Die stilisierte Darstellung des bäuerlichen Lebens bei Barlach entspricht hier einerseits dem zugeneigten Blick des Künstlers auf die russische Einfachheit, taugt aber eben auch zur kritischen Auseinandersetzung mit den sozialen Missständen.
In der Ausstellung werden die Karikaturen Barlachs einigen Bildsatiren von Lyonel Feininger aus einer Hamburger Privatsammlung zum Vergleich gegenübergestellt. Bereichert wird die Ausstellung außerdem durch eine Auswahl plastischer Arbeiten, die die bildhauerische Entwicklung des Künstlers anschaulich machen wird. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog zum Preis von ca. 20 EUR.
Weitere Informationen zur Ausstellung:
Lyonel-Feininger-Galerie, Quedlinburg
vom 15.9.-18.11.2007
Pressekonferenz:
Mittwoch, 12. September, 11 Uhr
Außerdem:
Höhepunkte von Lyonel-Feininger aus der Sammlung Dr. Hermann Klumpp
Neben Ernst Barlach zeigt die Lyonel-Feininger-Galerie eine repräsentative Werkauswahl von Druckgrafiken und Aquarellen Feiningers aus den Jahren 1906 bis 1932. Die frühen Arbeiten orientieren sich noch an seinen Karikaturen, die reifen Werke zeichnen sich durch die charakteristische prismatische Formgestaltung aus.
Weitere Informationen:
Quedlinburg-Tourismus-Marketing GmbH
Markt 2
06484 Quedlinburg
Tel.: +49-3946-905625
E-Mail: qtm
quedlinburg.de
Internet: http://www.quedlinburg.de
03.09.2007 - 17:03 Quelle: pressetext.de | Gelesen: 187 X
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