Verschmelzung von Festnetz und Mobilfunk rüttelt Telefonmarkt durcheinander
Düsseldorf - Das Zusammenwachsen zwischen Mobil- und Festnetz ist plötzlich zum Greifen nahe. „Ob Festnetz- oder Mobilfunkinfrastruktur - Telefongesellschaften kreieren auf einmal Produkte, bei denen die dahinterliegende Technologie verschwindet. Ohne dass der Kunde es merkt, soll jeweils die beste und preiswerteste Verbindung für Telefon- oder Datenverbindungen zum Einsatz kommen“, schreibt die Wirtschaftswoche in ihrer aktuellen Ausgabe.
Statt zu Hause, im Büro oder unterwegs mit unterschiedlichen Geräten zu telefonieren, bekomme der Kunden ein Handy, das sich automatisch die beste und günstigste Verbindung aussucht. Das mobile Gerät, mit allen am Markt relevanten Funk- und Festnetz-Techniken bestückt, funktioniere unterwegs wie ein normales Handy, verwandelt sich aber in ein preiswertes Schnurlostelefon, sobald zu Hause, im Büro oder an öffentlichen Hotspots eine Funkverbindung (WLan oder Bluetooth) ins Festnetz zur Verfügung steht, die alle Gespräche direkt ins Internet leitet.
Selbst reine Festnetzgesellschaften könnten dann alle Restriktionen der leitungsgebundenen Telefonie überwinden und den Festnetzanschluss mobil machen: „Das Internet Protocol (IP) als neuer Festnetzstandard ermöglicht Internettelefonate unter einer persönlichen Rufnummer von jedem beliebigen DSL-Anschluss. Und die Funktechnik WLan sorgt dafür, dass dies - etwa zu Hause oder an öffentlichen Hotspots - auch drahtlos funktioniert“, so die Wirtschaftswoche
Die neue Übertragungstechnik sprenge alle Restriktionen: Reine Festnetzgesellschaften treten wie Mobilfunkbetreiber auf. Internetanbieter wie Ebay, Google und AOL können Telefon- wie E-Mail-Dienste künftig auch unterwegs offerieren.
Leistungsmerkmale einer klassischen TK-Anlage könnten jetzt viel günstiger realisiert werden. In der Stockholmer Ericsson-Zentrale ist das schon Realität. Statt mit unterschiedlichen Geräten - Festnetztelefon, Handy, Blackberry - am Schreibtisch zu jonglieren, sind die 20 000 Mitarbeiter nur noch über ein Handy erreichbar, das alle Funktionen einer TK-Anlage erfüllt. "Das erhöht die Effizienz", so Ericsson-Manager Mehdi Schröder gegenüber der Wirtschaftswoche. "Die durchschnittliche Anzahl der Telefone eines Mitarbeiters hat sich von 2,5 auf 1,2 deutlich reduziert."
Ericsson hatte vorher die Kommunikationsinfrastruktur im eigenen Unternehmen analysiert: 70 Prozent aller Mitarbeiter benutzten bislang neben einem Festnetzanschluss auch ein Mobiltelefon, das bestenfalls per Rufumleitung auch die Anrufe auf das Festnetzgerät empfangen konnte. Dennoch waren Mobilität und Kommunikationsmöglichkeiten des Mitarbeiters beschränkt. Durchwahlnummern oder die Weiterverbindungen zu Kollegen konnte auf diese Art noch nicht genutzt werden, da kein Zugriff auf die Möglichkeiten einer kompletten firmeninternen Telefonanlage möglich war. Hier setzt Ericsson nun an: „Jeder Mitarbeiter ist unter einer einzigen Telefonnummer erreichbar und kann, egal ob er sich im Büro aufhält, bei einem Kundentermin ist oder sich auf Geschäftsreise befindet, jederzeit auf die volle Leistung der firmeninternen Telekommunikationsanlage zugreifen. Neben der Kurzwahl kann der Anwender auch seinen PIM in Echtzeit synchronisieren. Er braucht sich für das Abgleichen seines Kalenders, seiner E-Mails oder Kontakte nicht mehr ins Büro bemühen“, erklärt Schröder.
Die TK-Anlage bleibe dabei das Herzstück der Unternehmenskommunikation. Dabei sei es egal, ob man eine klassische TK-Anlage besitzt oder eine hybride Mischform aus beiden Welt einsetzt, um neue Standorte mit günstigeren IP-Telefonen und Komponenten auszustatten. Investitionen in die bestehende Infrastruktur müssten nicht abgeschrieben werden. „Der bisherige ‚Showstopper’ für diese Entwicklung, zu hohe Mobilfunkgebühren in Deutschland, fällt inzwischen immer weniger ins Gewicht. Die Pauschaltarife in Festnetz und Mobilfunk versprechen mobilen Geschäftsanwendungen endgültig zum Durchbruch. Mobile Arbeitsplätze und Telearbeitsplätze werden nahtlos in die Kommunikation des Unternehmens einbezogen – der Mitarbeiter befindet sich immer und überall ‚virtuell im Firmennetz’ und hat Zugriff auf alle TK-Funktionen“, weiß Schröder.
Quelle: medienbüro.sohn / pressbot.net
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16.11.2005 - 9:15 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 201 X
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