Demographie: Unaufhaltsam in den Niedergang?
Berliner Umschau kommentiert die demographische Entwicklung in Deutschland
Zu Forderungen, Kinderlosen die Rente zu kürzen, veröffentlicht die internetbasierte Tageszeitung Berliner Umschau (www.berlinerumschau.de) in ihrer heutigen Ausgabe eine aktuellen Kommentar. Darin heißt es u.a.:
Zunächst ist die Bundesrepublik ein zutiefst kinderfeindliches Land. Alles, voran der Arbeitsmarkt,, wird flexibilisiert. Das Ideal ist das allzeit verfügbare Individuum, das ununterbrochen für Erwerbsarbeit zur Verfügung steht und zum Ausgleich weltmeisterlich konsumiert. Dem entspricht auch der ideologische Überbau, ein regelrechter Selbstverwirklichungswahn, der keinen Platz mehr läßt für natürlich Bindungen, diese eher für verdächtig hält und sich davon „emanzipieren" will. So entstehen Leitbilder von isolierten Individuen, die jederzeit frei entscheiden mit wem sie wann was eingehen wollen. Doch der einzige Berufszweig, der davon wirklich profitieren wird, ist jener, der sich mit der Reparatur psychischer Schäden befaßt. Kein Mensch ist für die Flexibilität, die propagiert wird, geschaffen. Niemand erträgt den ständigen Wechsel der Bezugspersonen - auch als Patchwork-Familie bekannt - wirklich ohne Schaden. Doch Stabilität ist nirgends mehr zu bekommen.
Wer heute heiratet, muß damit rechnen, daß diese Ehe nicht halten wird „bis daß der Tod euch scheidet". So wird gleich „kalkuliert". Der Mann kalkuliert gleich ein, daß ihm die Frau die Kinder wegnimmt und er zahlen muß. Das kann er billiger haben. Die Frau muß damit rechnen, daß sie irgendwann allein steht, da geht dann vielleicht ein Kind - mehr aber auch nicht. So machen die Frauen den Männern Vorwürfe, während die Männer eher schweigen und sich in die Unverbindlichkeit des Singles zurückziehen, wobei es sich hier ja nur selten um den so oft zitierten Fall des aufstiegsorientierten Karrieristen handelt, sondern oft um Leute aus dem „Normalbereich", die sich halt so durchschlagen. Freilich finden diese - und die Unterschichten - im öffentlichen Diskurs kein Gehör. Dort dominiert jene eigentümliche Gemisch aus Neoliberalismus, Politischer Korrektheit und Hedonismus mit feministischen Einsprengseln, daß die Gesellschaft als eine einzige große Mittelschicht aus Künstlern, Fernsehmoderatoren, Geschäftsleuten usw erscheinen läßt. Dazu kommt diese seltsame Neigung, zwar jeden persönlichen Pipifax an die Öffentlichkeit zu ziehen, aber nie wirklich ehrlich zu sein.
Nötig wäre es die ganze Gesellschaft zu ändern. Schluß mit der Unterordnung aller Lebensbereiche unter die Bedürfnisse der Kapitalvermehrung. Schluß mit dem aussichtslosen Streben nach isolierter Emanzipation, Schluß mit den unehrlichen gesellschaftlichen Diskursen und es muß die Bereitschaft her, daß man Bindungen und andere Menschen braucht, auch im Rahmen der Institution Ehe. Da ist eben nicht alles gleich, nicht die homosexuelle Beziehung mit der Verantwortung für eine „richtige" Familie. Manches davon klingt vielleicht, als sehne sich das eine in alte Zeiten zurück. Gewiß nicht, aber aus Sackgassen kommt man nur nach hinten heraus.
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17.03.2006 - 10:59 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 202 X