Kristallsalz liegt nicht nur in der Küche voll im Trend: Auch Medizin und Kosmetik entdecken das naturbelassene Salz
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Von Alexander Hauk
München/Herrsching/Berchtesgaden/Bad Wörishofen (aha). Für die meisten Menschen ist Salz nichts weiter als ein billiges Gewürzmittel, massenhaft hergestellt und immer verfügbar. Was soll auch schon besonderes an dem unauffälligen, körnigen und meist weißen Pulver sein? In jedem Supermarkt gibt es das Päckchen Salz für rund einen Euro zu kaufen und im Winter werden sogar die Straßen damit gestreut. Früher dagegen war Salz ein Luxusgut, man nannte es „das weiße Gold“. Salzgewinnung und Salzhandel ließen viele Verkehrswege und Städte entstehen. Um Salz wurde gestritten und gekämpft, Griechen und Römer sahen es gar als göttlich an. Voll im Trend liegt heute Kristallsalz. Ob Mediziner, Köche oder Kosmetiker: Experten aus verschiedenen Bereichen verwenden das naturbelassene Salz. Im Vergleich zu normalem Küchensalz enthält es ein größeres Spektrum an Mineralien.
Der Mensch braucht das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Ohne kann er nicht leben, denn das Mineral regelt den Wasserhaushalt im Körper. Die Bestandteile von Salz sind bei vielen Prozessen im Körper notwendig. Ein Erbe unseres Ursprungs aus den salzigen Ozeanen, denn alles Leben auf unserer Erde geht streng genommen auf das Salzwasser der Urmeere zurück. Auch im Menschen steckt Salz, insgesamt etwa 160 Gramm. Salz ist aber nicht gleich Salz: „Das Speisesalz, das heutzutage in der Küche verwendet wird, ist kein Natursalz mehr, sondern ein raffiniertes chemisches Produkt, reduziert auf die Stoffe Natrium und Chlorid“, berichtet der vielfach ausgezeichnete Sternekoch und Autor zahlreicher Kochbücher Patrik Jaros. Voraussetzung für ein perfektes Gericht sei aber naturbelassenes Salz, so der Witzigmann-Schüler in Köln: „Der Geschmack ist im Vergleich zu herkömmlichem Salz viel milder und unterstreicht die Aromen der Zutaten auf ganz besondere Weise.“ Immer mehr Köche nutzen es deshalb als Zutat für feine Speisen und perfektionieren ihre Gerichte mit Kristallsalz.
Mit Salz heilen
Auch viele Mediziner schwören auf die Wirkung von naturbelassenem Salz. „Dabei sind Salzanwendungen nicht neu, sondern waren lediglich lange Zeit in Vergessenheit geraten“, sagt Dr. Lutz Bannasch, der in der Theatinerstrasse in München eine Gemeinschaftspraxis betreibt. Schon vor mehr als 2000 Jahren beschrieb der griechische Arzt und Wissenschaftler Hippokrates die Heilwirkung des Meerwassers auf die unterschiedlichsten Krankheiten. Heißes wie auch kaltes Salzwasser diente für Bäder, Dampfinhalationen sowie zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen, Gicht und Hautkrankheiten.
In Sachen „Heilen mit Kristallsalz“ gilt Dr. Bannasch als Experte: „Kristallsalzbäder stärken die Abwehrkraft und können rheumatische Beschwerden lindern.“ Für die Badkur werden etwa zehn bis 15 Gramm Kristallsalz pro Liter Wasser benötigt. Auch bei Halsschmerzen ist Kristallsalz ein bewährtes Hausmittel: „Etwa einen Teelöffel Salz in ein Glas warmes Wasser geben und gurgeln“, empfiehlt Dr. Bannasch.
Besonders gute Erfahrungen hat der Mediziner mit Nasenspülungen bei Patienten mit Heuschnupfen gemacht. „Das Salzwasser reinigt die Nasenschleimhaut und spült die allergieauslösenden Pollen weg.“ Gleichzeitig lagere sich das Kristallsalz in die Schleimhaut ein und binde die Feuchtigkeit. Das sei deshalb so wichtig, weil sonst Viren und Bakterien leichtes Spiel hätten, so Dr. Bannasch. Viele herkömmliche Sprays würden hingegen die Nasenschleimhaut austrocknen und damit auch schädigen.
Etwa fünf bis zehn Gramm Salz sollte der Mensch täglich zu sich nehmen. „Untersuchungen haben ergeben, dass bei einem Verbrauch von unter einem Gramm Salz das Kurzzeitgedächtnis nachlässt und die Konzentrationsfähigkeit gemindert werden kann“, sagt Dr. Bannasch.
Ein Unternehmer, der von dem Kristallsalz-Trend profitiert, ist Manuel Hendel aus dem bayerischen Herrsching. Auf einer Internetseite (www.gesundheit-wellness-leben.de) informiert er rund um das Thema Kristallsalz und bietet zahlreiche Kristallsalz-Produkte an. Auch er bestätigt den Kristallsalz-Trend: „Im Vergleich zum Vorjahr hat sich unser Umsatz verdoppelt.“ Die hohe Nachfrage sei mit auf die Bio-Welle zurückzuführen, sagt Hendel: „Die Menschen ernähren sich bewusster und achten mehr auf die Gesundheit.“
Gesundheitserlebnis 120 Meter unter der Erdoberfläche
Die positiven Auswirkungen von Kristallsalz auf die Gesundheit bestätigt auch Dr. Wolf Bürklin, Geschäftsführer des Salzheilstollens im bayerischen Berchtesgaden. Rund 120 Meter unter der Erdoberfläche liegt der 850 Quadratmeter große und in Westeuropa einzigartige Salzheilstollen. In seiner Mitte befindet sich ein mit konzentriertem Natursalz gefülltes Solebecken mit einem Springbrunnen. Die 250 Millionen Jahre alten Salzstöcke schotten das ehemalige Bergwerk ab.
In Decken gehüllt entspannen sich bis zu 50 Besucher rund zwei Stunden lang auf Holzliegen, die um das Solebecken stehen. In dem ständig 12 Grad kühlen Heilstollen sind sie vor elektromagnetischer Strahlung und Pollen geschützt. Die Ruhe und die salzhaltige Luft sollen die Selbstheilungskräfte stärken und Erkrankungen wie Tinnitus, Asthma, Bronchitis, Heuschnupfen, Neurodermitis und Allergien lindern. Wie gut ein Aufenthalt in dem Stollen tut, belegen Erfahrungsberichte der Besucher: „Nach unseren Untersuchungen haben ein großer Prozentsatz der Tinnitus-Kranken, Asthmatiker und Bronchitis-Kranken eine subjektive Verbesserung ihres Zustandes gespürt“, berichtet Dr. Bürklin.
Salz für schöne Haut
Während das Salzwasser des Meeres in Kombination mit starker Sonneneinstrahlung eher schädigend auf die Haut wirkt, kann ihre Regeneration durch ein Salz-Gesichtsbad gefördert werden. „Dazu löst man ein bis zwei Esslöffel Kristallsalz in einem Liter Wasser auf und trägt mit einem Schwämmchen die Lösung auf die Haut auf“, empfiehlt die Kosmetikerin und Visagistin Miriam Schmidt. In ihrem Studio in der bayerischen Kurstadt Bad Wörishofen setzt die Schönheitsexpertin verstärkt Produkte mit Kristallsalz ein: Im Angebot hat sie unter anderem Peelingcreme, eine Rosenblütencreme für das Gesicht, ein Peloid (Mineralschlick zum Auftragen auf die Haut), eine Bodycreme, ein Gesichtstonikum und eine Reinigungsmilch. Produkte mit Kristallsalz seien sowohl für trockene wie auch fettige Haut geeignet, weil Salz einen ausgleichenden Effekt habe. „Die Nachfrage nach Produkten mit Kristallsalz hat merklich zugenommen“, berichtet Schmidt.
„Unter allen Edelsteinen ist Salz der kostbarste“, sagte einst Justus von Liebig und würdigte damit die elementare Bedeutung von Salz – eine der einfachsten Verbindungen, die trotzdem für das Leben eine ungewöhnlich große Bedeutung hat.
Quelle: bayern-nachrichten.de / pressbot.net
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27.04.2006 - 13:43 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 3464 X