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Deutscher Gewerkschaftsbund: Kauf deutscher Produkte schafft Arbeitsplätze


Allerdings: Deutsche Produkte schwer erkennbar – Schon ein kleiner Arbeitsgang in Deutschland reicht für die Aufschrift „Made in Germany“

von Alexander Hauk

Mit dem bewussten Kauf von inländischen Produkten tragen Konsumenten nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zur Entspannung des deutschen Arbeitsmarktes bei. „Natürlich schafft das Arbeitsplätze“, sagte Pressesprecher Hilmar Höhn in Berlin. Einen Aufruf zum verstärkten Kauf von Produkten „Made in Germany“ werde es von den Gewerkschaften aber nicht geben. Der DGB ist die größte Dachorganisation von Einzelgewerkschaften in Deutschland.

Wörtlich sagte Höhn: „’Kauft Deutsch’ ist sicherlich keine Orientierung, die die Gewerkschaften ausgeben.“ Zum einen, weil auch im Ausland gute Produkte hergestellt würden, zum anderen aufgrund der hohen Exportabhängigkeit der deutschen Wirtschaft. Der Austausch von Waren gehöre in einer modernen, globalisierten Welt dazu, so DGB-Sprecher Höhn: „Wir stehen dem freien Welthandel zu fairen Bedingungen positiv gegenüber.“ Gleichzeitig bestätigte er aber, dass der DGB gezielt Produkte einkaufe und bewusst Aufträge vergebe an Unternehmen vergebe, die sich an Tarifverträge halten und einen Betriebsrat haben. Diese seien zumeist Unternehmen aus Deutschland. Als Beispiel nannte er die Fahrzeugflotte des DGB und seiner acht Mitgliedsgewerkschaften.


Diskussionen um den „patriotischen Kunden“

Die Debatte um den „patriotischen Kunden“ ist mindestens so alt, wie die Strafzölle, mit denen das Deutsche Reich im 19. Jahrhundert die Waren aus den freien Hansestädten belegte. Erst vor wenigen Monaten löste die damalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) heftige Diskussionen aus, als sie die Bevölkerung dazu aufrief, gezielt heimische Produkte zu kaufen und damit neue Arbeitsplätze zu schaffen. Doch ist die Rechnung so einfach?

„Rein theoretisch stimmt dieser Mechanismus“, sagt Dr. Martin Werding, Leiter für Sozialpolitik und Arbeitsmärkte am ifo Institut für Wirtschaftsforschung (IFO) in München. „Die Nachfrage nach in Deutschland produzierten Produkten hängt stark von der Inlandsnachfrage ab.“ Die Gesamtnachfrage nach deutschen Produkten sei hoch: „Nur die heimische Nachfrage schwächelt.“ Allerdings sei es für den Konsumenten bereits schwer, zwischen deutschen und ausländischen Produkten zu unterscheiden, so Werding: „Nur weil es sich bei einem Produkt um eine deutsche Marke handelt, heißt dies noch lange nicht, dass dieses Produkt auch in Deutschland hergestellt worden ist.“ Es gebe kaum noch ein reines deutsches Produkt, denn das Label „Made in Germany“ könne schon nach dem kleinsten Arbeitsgang in Deutschland aufgebracht werden. „Ich wüsste nicht, wie man dieses Informationsproblem lösen könnte“, so Werding. Aufklärungs-Kampagnen, zum Beispiel über das Internet, seien zwar gut, aber utopisch: „So können keine Arbeitsplätze geschaffen werden“, sagt Werding.

Peter Fendt, ein Geschäftsmann aus dem bayerischen Marktoberdorf (Kreis Ostallgäu), hat ein solches Informations-Portal im Internet unter der Adresse: www.deutsch-kaufen.de eingerichtet und sieht dies erwartungsgemäß ganz anders. Die Internet-Seite solle helfen, Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten, so Fendt. Ziel seiner Initiative sei die Förderung der deutschen Wirtschaft: „Durch das Internet-Portal können Unternehmen, die in Deutschland herstellen, sich und ihre Produkte potenziellen Kunden und der Öffentlichkeit präsentieren. Auf diese Weise erfahren Konsumenten, wo sie in Deutschland gefertigte Produkte kaufen und dadurch die heimische Wirtschaft stützen können.“ Bisher haben sich zehn Firmen auf der Internetseite eingetragen, darunter der Bekleidungshersteller Trigema aus dem baden-württembergischen Burladingen.

Bundesweit bekannt wurde die Firma durch einen Fernsehspot mit einem Schimpansen, den kreative Werbeleute sagen lassen: „Ich kaufe nur Trigema-Produkte und sichere diese Arbeitsplätze.“ Gemeint sind die 1200 Arbeitsplätze des Unternehmens, das auf seiner Internetseite so für sich wirbt: „Vom Baumwollfaden bis zum fertigen T-Shirt verläuft die gesamte Produktion ebenerdig mit modernsten Techniken im eigenen Haus – ein Qualitätsprodukt ‚Made in Germany’.“ Für Wolfgang Grupp, den Inhaber der Trigema GmbH&Co. KG, ist der Standort Deutschland ein Vorteil im internationalen Wettbewerb.

Mit seiner Ansicht ist Grupp nicht allein. Die Produktion im Ausland muss nicht immer günstiger sein als hierzulande. Nach einem Bericht der Welt am Sonntag vom März vergangenen Jahres haben zwischen 2001 und 2003 1200 Firmen ihre Produktion wieder nach Deutschland zurück geholt.

So ließ zum Beispiel die Tiptel AG, ein Anbieter von Telekommunikationsgeräten und Sicherheitstechnik mit Hauptsitz in Ratingen nahe Düsseldorf, eine Zeit lang Leiterplatten auch in Osteuropa bestücken. Aber: „Unsere Aufwendungen für Logistik und Lagerhaltung konnten nicht durch den Vorteil der geringeren Lohnkosten ausgeglichen werden“, berichtet Unternehmenssprecher Ralf Kleinsteinberg. Heute produziert das Unternehmen wieder in Deutschland. „Kurze Wege mit entsprechend schnellen Reaktionszeiten, hohe Qualität, ein geringer Logistikaufwand und gut ausgebildete Mitarbeiter sind uns wichtiger als niedrigere Lohnkosten“, sagt Kleinsteinberg.

Für einige Unternehmer kommt der Gang ins Ausland von vornherein nicht in Frage. „Wir sind ein mittelständisches Unternehmen, das Reinigungs- und Pflegemittel produziert und in der Region stark verwurzelt ist. Uns ist es wichtig in Deutschland zu produzieren, da hier auch die Menschen leben, die die Produkte kaufen“, sagt Torsten Emigholz, Geschäftsführer der Poliboy Brandt & Walter GmbH in Lilienthal: „So bleibt die Wertschöpfung dort, so die Kunden bereit sind zu kaufen. Die ausreichende Wertschöpfung im eigenen Land sichert und den Erhalt der Sozialsysteme.“

Hoher Exportüberschuss

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden exportierten deutsche Unternehmen von Januar bis September vergangenen Jahres Waren und Dienstleistungen im Wert von 579,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig wurden Waren und Dienstleistungen im Gesamtwert von 453,8 Milliarden Euro eingeführt. Das macht ein Plus in der Außenhandelsbilanz in Höhe von 125,8 Milliarden Euro.

Trotz gut gemeinten Patriotismus warnen Wirtschaftsexperten ausdrücklich vor einem Boykott-Aufruf gegenüber ausländischen Produkten, um hierzulande die Arbeitslosigkeit zu senken. „Das funktioniert heutzutage nicht“, sagt Prof. Dr. Herbert Müller vom Lehrstuhl für Allgemeine Volkswirtschaftslehre an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Hielten sich im Gegenzug auch Amerikaner, Japaner oder Chinesen beim Kauf deutscher Produkte zurück, wäre der Einbruch der Exportwirtschaft die sichere Folge, so Müller. „Dann geht die Nachfrage nach deutschen Produkten zurück und wir müssen die Preise für unsere Produkte senken. Doch dann sinken auch die Löhne.“ Insgesamt würde das dem deutschen Arbeitsmarkt mehr schaden als nutzen.

Dem stimmt Dr. Martin Werding zu: „Ich halte eine Kampagne für kompletten Unsinn.“ Niemand werde deutsche Produkte kaufen, obwohl sie teurer oder zum gleichen Preis schlechter seien. „Nur wenn die Deutschen besser sind, werden ihre Produkte auch stärker gekauft“, so Werding.

Quelle: bayern-nachrichten.de / pressbot.net

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11.05.2006 - 10:10 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 154 X