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40 Jahre Marionettenbühne: An der Mindelheimer Maristenschule lassen Realschüler und Gymnasiasten die Puppen tanzen


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Von Alexander Hauk

Mindelheim (aha). Hans, der Flötenspieler wirkt gewöhnlich etwas hölzern. Frei bewegen kann er sich eigentlich auch nicht. Doch sobald Lisa Leitner die Marionette vom so genannten Galgen nimmt und an ihren Fäden zieht, kehrt Leben in die Figur: Hans winkt mit der Hand, geht ein paar Schritte und spielt scheinbar auf seiner Flöte. Die 16-jährige Strippenzieherin gehört zur Marionettenspielgruppe der Maristenschule im bayerischen Mindelheim (Kreis Unterallgäu), die vor 40 Jahren gegründet wurde.

Die Anfänge der Bühne waren äußerst einfach: „In einem winzigen Raum im Internatskeller hat es ein kleines Fenster gegeben, das zur Verfügung stand, um auf die Bühne zu schauen“, berichtet Lehrer Götz Hehr, seit 15 Jahren Leiter der
Schülergruppe. Von seinem Vorgänger Egon Stähler stammt die Idee für die heute weit über die Grenzen des Allgäus bekannte Marionettenbühne: Der Lehrer gründete 1966 Theater und Gruppe und studierte zusammen mit seinen Schülern als erstes Stück „Aladin und die Wunderlampe“ ein.

Insgesamt 25 verschiedene Stücke haben Stähler und Hehr seitdem mit ihren Schülern auf die Bühne gebracht. Darunter „Hänsel und Gretel“, „Der Fischer und seine Frau“, „Der kleine Muck“, „Der kleine Prinz“ und „Der kleine Muck“. Kassenschlager waren „Max und Moritz“: „In den 40 Jahren haben wir das Stück vier Mal aufgeführt, einmal sogar in lateinischer Sprache“, so Hehr. Die Figuren und Kulissen sind meistens aus Holz und Pappmache und haben die Marionenettenspieler stets selbst gebaut.

Vom Kulissenschieber zum Marionettenspieler

Einst war das Spiel mit den Marionetten an der christlichen Schule nur Jungen vorbehalten. Seit Hehr die Gruppe leitet, dürfen auch Mädchen die Strippen ziehen und die Puppen auf der eigens gebauten Marionettenbühne in der Aula tanzen lassen. Bis auf die so genannte Katze - wie die Spielbrücke genannt wird - ist es aber für alle Mitglieder ein langer Weg. Im ersten Jahr fängt der angehende Marionettenspieler gewöhnlich als Kulissenschieber an. „Zum Spieler kann man erst im zweiten Jahr aufsteigen“, berichtet Hehr.

Lisa Leitner, Sebastian Hehr und Patrick Jaletzky gehören zu den Mitgliedern, die diese Ausbildung bereits hinter sich und damit ihren Platz in rund dreieinhalb Metern Höhe sicher haben. Für die stets zahlreichen Zuschauer unsichtbar, erwecken sie ihre Figuren zu Leben. Dabei können sich die Realschüler und Gymnasiasten voll und ganz auf ihr Spielkreuz mit den vielen Fäden konzentrieren. Sämtliche Dialoge wurden bereits im Vorfeld von Lehrern und Schülern eingesprochen und kommen von der CD.

Bevor sich der Vorhang zum ersten Mal hebt, haben die Spieler aus der 5. bis zur 13. Klasse rund 150 Probenstunden hinter sich. Dennoch lassen sich Fehler nicht vermeiden: „Wenn sich ein Fuß oder ein Bein aus der Verankerung löst und dann durch die Gegend schwebt, sorgt das bei den Zuschauern für viel Gelächter“, berichtet Jaletzky. Ein Spieler ist während einer Vorführung sogar schon einmal von der Katze direkt in die Kulisse gefallen.

Wie eine große Familie

Die Mitglieder der Marionettenbühne erhalten für ihr Engagement zwar keine Noten, aber einen wohlwollenden Eintrag ins Zeugnis. „Ab und zu bekommen wir für Proben und Aufführungen auch unterrichtsfrei“, sagt Sebastian Hehr. Als Marionettenspieler ist er Teil einer großen Familie: Aktive und ehemalige Marionettenspieler wollen sich im kommenden Oktober in Mindelheim treffen, um das Jubiläum zu feiern. „Professioneller Puppenspieler ist in den vergangen 40 Jahren zwar keiner geworden“, berichtet Götz Hehr. Die Zeit auf der Katze scheint sich aber positiv auf die Karriere auszuwirken:„Alle Ehemaligen haben heute angesehene Berufe, es sind sehr viele dabei, die ihren Doktor gemacht haben“, so der Chef der Marionettengruppe.

In diesem Jahr zeigt die „Marionettenbühne Egon Stähler“ das Stück „Die Schildbürger“. Am kommenden Sonntag (23. Juli) lassen die Schüler noch einmal um 17.00 Uhr und um 20.00 Uhr Hans, den Flötenspieler und viele weitere Figuren tanzen.

(Internet: marionetten-maristen.de)

Quelle: bayern-nachrichten.de / pressbot.net

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22.07.2006 - 22:25 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 410 X