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Neues sinus-Carotid-RX-System sorgt für großes Interesse auf dem Deutschen Röntgenkongress in Berlin


Von Alexander Hauk

Ettlingen/Berlin. Eines der weltweit dünnsten RX-Applikationsbestecke zum Setzen von Stents hat das Medizintechnikunternehmen Optimed entwickelt. Das System hat gerade mal einen Durchmesser von 5 F (French). Am Schaft hat das Applikationsbesteck sogar nur einen Durchmesser von 2,7 F. Auf dem 87. Deutschen Röntgenkongress in Berlin (24. bis 27. Mai) stellte das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Ettlingen nun erstmals sein sinus-Carotid-RX-System vor. „Die Resonanz der Kongressbesucher auf unsere Entwicklung war durchwegs positiv“, berichtet Peter Gah, Marketingleiter bei Optimed. Das Unternehmen präsentierte seine Produkte an einem rund 30 Quadratmeter großen Stand.

Der Schlaganfall ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache: Statistisch betrachtet erleidet jeder sechste Bundesbürger einen Schlaganfall, jeder dritte stirbt daran. Der sinus-Carotid-Stent von Optimed soll dafür sorgen, dass kein Blutstau in den hirnversorgenden Arterien entsteht. Mit dem sinus-Carotid-RX-System wird der Stent minimalinvasiv in den Körper eingesetzt. „Je kleiner das System ist, desto schonender ist der Eingriff für den Patienten“, so Gah. Durch das sinus-Carotid-RX-System mit seinem Durchmesser von 5 F könne die Zeit, die ein Patient in einem Krankenhaus stationär behandelt werden müsse, verkürzt werden.

Für die Käufer des Rapid-Exchange-Applikationsbestecks hat das auch finanzielle Vorteile: „Derartige Eingriffe werden nicht nach der Liegezeit der Patienten, sondern pauschal abgerechnet“, so Gah. Das heißt: Je kürzer der Patient stationär behandelt werden kann, desto größer ist der wirtschaftliche Vorteil für die Klinik.

Die so genannte Anti-Jump-Technik sorgt dafür, dass der Stent beim Setzen nicht verrutscht: „Kleine Löffelchen am Stent und passende Aussparungen am Besteck ermöglichen eine punktgenaue Platzierung“, erklärt Gah. Eine flexible Soft-Spitze am Applikationssystem soll Gefäßverletzungen verhindern. Bei Radiologen, Kardiologen, Angiologen und Internisten sei das 135 Zentimeter lange und in verschiedenen Größen erhältliche sinus-Carotid-RX-System bereits auf großes Interesse gestoßen, berichtet Gah.

Innovationsführer minimalinvasiver Techniken

Schon mehrmals hat Optimed mit seinen Stents und den dazugehörigen Applikationsbestecken von sich Reden gemacht. Seit langem gilt das Medizintechnikunternehmen in der Branche als ein Innovationsführer minimalinvasiver Techniken. So hat zum Beispiel erst zu Beginn diesen Jahres der erste weltweit zugelassene Sinus-Reduzierstent für den transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunt (TIPS) für Aufsehen unter Fachleuten gesorgt. Entwickelt wurde der Sinus-Reduzierstent für schwer lebergeschädigte Patienten.

Der TIPS ist eine Methode, mit der eine Portale Hypertension in der zur Leber führenden Pfortader durch das Setzen eines Stents in der Leber abgebaut werden kann. Diese Aufgabe übernimmt der selbstexpandierende Nitinol-Stent von Optimed. In manchen Fällen kann er die Zeit bis zu einer notwendigen Lebertransplantation bis zu mehreren Jahren verlängern.

Bisher muss der künstlich geschaffene Shunt häufig in mehreren Folgeinterventionen angepasst werden, denn nicht immer ist eine Shunt-Anlage beim ersten Mal erfolgreich. Bis das Ergebnis zufriedenstellend war, wurden deshalb oft mehrere herkömmliche Stents eingesetzt. Mit dem sinus-Reduzierstent von Optimed entfallen diese üblichen Folgeinterventionen und damit auch Kosten. „Das Sanduhr-Design kombiniert mit der Repositionierungstechnik ist weltweit einzigartig“, so Gah.

Seit 1995 forschen die inzwischen mehr als 100 Optimed-Mitarbeiter an neuer Medizintechnik. Während dieser Zeit wurden an den beiden Standorten in Ettlingen zahlreiche neue Produkte für die minimalinvasive Therapie entwickelt. Nach Unternehmensangaben haben die Stents und das dazugehörige Applikationsbesteck von Optimed bundesweit einen Marktanteil von etwa 5 Prozent. Jährlich verkauft das Medizintechnikunternehmen rund 15.000 Stents.



Ein Stent ist ein medizinisches Implantat, das unter anderem in Arterien eingesetzt wird, um die Gefäßwand abzustützen. Dabei handelt es sich um ein kleines Gittergerüst in Röhrchenform aus Metall. Der Stent wird durch eine etwa Stecknadelkopfgroße Körperöffnung bis zu der Stelle vorgeschoben, wo die Gefäßwand verkrustet und die Arterie verengt ist. Dort wird der Stent meist mit Hilfe eines Ballons von innen an die Gefäßwand gedrückt. Dabei wird die Wand gedehnt und gleichzeitig gefestigt. Mit der Zeit wachsen Zellen der Gefäßwand um den Stent herum, so dass er zu einer Stütze in der Arterie wird. Der Stent bewirkt auch, dass sich die Arterie nicht mehr zusammenziehen kann. So bleibt der Durchfluss offen. Das Risiko, dass sich an dieser Stelle wieder ein Engpass bildet, verringert sich.

Eine TIPS-Implantation erfolgt stets in der Klinik. Zunächst erhält der Patient ein Schmerz- und Beruhigungsmittel. Eine Vollnarkose ist nicht möglich, weil der Patient während des Eingriffs ansprechbar sein muss. Das Arbeiten in den Blutgefäßen und der Leber kann sich als unangenehmes Druckgefühl bemerkbar machen. Zuerst wird ein Katheter an der rechten Seite des Halses in eine Vene eingeführt und am Schlüsselbein vorbei Richtung Leber geschoben. Dieser Katheter dient zum Einführen aller notwendigen Geräte für die Anlage des Shunts. Von der rechten Lebervene aus wird innerhalb der Leber mit einer Punktionsnadel eine Verbindung zur Pfortader gestochen. An einem eingelegten Führungsdraht entlang wird dann diese Öffnung mit einem Ballon geweitet und dann ein Stent eingeschoben.
Man sollte mit einigen Tagen stationärem Aufenthalt rechnen. In der Folgezeit muss regelmäßig kontrolliert werden, ob der Shunt weiter wie geplant durchblutet ist. Dies geschieht durch eine Farbdoppler-Ultraschalluntersuchung, die nicht mit einer Belastung verbunden ist.

Quelle: bayern-nachrichten.de / pressbot.net

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31.07.2006 - 17:19 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 241 X