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Sherlock Holmes auf der Spur: Als Detektiv in der Kneippstadt: Eine Aufgabe zwischen Seelsorge und Schnüffler


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Von Alexander Hauk, www.bayernnachrichten.de

Dass Cornelius Benedicter ein Detektiv ist, sieht man ihm nicht an. Kein versoffener und übernächtigter Sam Spade öffnet die Tür zum Büro der Detektei – und einen Trenchcoat besitzt er nicht einmal: „Das wäre viel zu auffällig.“ Eine gute Tarnung und viel Menschenkenntnis sind in diesem Beruf wichtig.

Eine Milchglasscheibe, auf der gut lesbar der Name der Detektei prangt und die Silhouette einer männlichen Gestalt mit Hut, die sich auf ihr verschwommen abzeichnet. So kennt man das Büro eines „Schnüfflers“ aus dem Fernsehen. „Mit solchen Klischees kann ich nicht dienen“, sagt Cornelius Benedicter und startet sein Auto.

Heute soll er einen Kurgast aus Norddeutschland beobachten. Auftraggeber ist die Ehefrau des Mannes, die ihren Gatten fern der Heimat des Ehebruchs verdächtigt. Benedicter soll Beweise vom vermeintlichen Kurschatten herbeischaffen. Auf der Fahrt nach Bad Wörishofen baumeln die vier verschiedenen Sonnenbrillen am Rückspiegel hin- und her. Etwa 100 Meter von der Unterkunft des „Objekts“ entfernt, hält er, den Eingang im Blickfeld. Dann beginnt das lange Warten und Benedicter erzählt über seinen Beruf und seine Erfahrungen.

„Es hat mich schon immer gereizt, Rätsel zu lösen und Sachen rauszufinden“, sagt er. Oft rufe jemand an, weil sich das Verhalten des Ehepartners plötzlich auffällig verändert, oder weil der kürzlich mit einem neuen „Hobby“ begonnen hat. Bei allen Aufträgen müsse man zu einem großen Teil eine Art Seelsorge sein, weil einem die Menschen häufig ihr ganzes Leben ausbreiten. „Sie müssen sich geborgen fühlen, sonst erzählen sie dir nichts.“

Leider, so Benedicter, gebe es viel zu viele unseriöse Anbieter. Seit langem schon hofft er auf eine Art Arbeitslizenz für Detektive. Zwar gibt es in Bayern einen Berufsverband der Detektive, aber die Mitgliedschaft ist nicht verpflichtend, genauso wenig, wie eine Ausbildung.

Bevor Benedicter sich 1989 in Mindelheim selbständig machte, rüstete er seine Detektei mit den notwendigen Geräten aus. Neben Computer, Fotoausrüstung, Funk- und Aufzeichnungsgeräten gehören auch Chemikalien zur Standartausrüstung. Sie werden unsichtbar, etwa auf Geldscheinen aufgebracht, und sorgen bei Langfingern für schwarze Finger.

Ganz ungefährlich ist der Beruf nicht. Schon mehrmals ist Benedicter massiv bedroht worden: „Prügel musste ich aber noch nie einstecken.“ Neben der Observation von vermeintlichen Ehebrechern lebt Benedicter vor allem von Aufträgen aus der Wirtschaft, wenn Spionage-, Betrug-, oder Diebstahlverdacht besteht. Aus ganz Deutschland kommen die Aufträge.

Nachdem sich mehrere Stunden nichts vor dem Haus regt, startet Benedicter wieder den Wagen und fährt davon. „Bei aller Fernsehromantik - lange Nächte, die ich mir im Auto um die Ohren schlagen muss, sind nicht selten.“ Und das Einkommen hängt von der Auftragslage ab. Wichtig, so sagt er am Schluss, seien vor allem gute Beziehungen, um an die notwendigen Informationen zu kommen. Morgen wird er mit seiner Auftraggeberin telefonieren und das weitere Vorgehen absprechen.

Quelle: bayern-nachrichten.de / pressbot.net

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26.08.2006 - 0:00 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 1136 X