Navigation zwischen Ober- und Unterkiefer: Dentale Navigationsschablone hilft bei Zahnimplantationen
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Ludwigshafen/Rhn. - In der Metropolregion Rhein-Neckar wurde unlängst ein medizinisches Hilfsmittel entwickelt, das in kurzer Zeit in Fachkreisen weltweit Verbreitung gefunden hat und das von einem Zahnarzt in Ludwigshafen/Rhn. bereits erfolgreich eingesetzt wird. Mit Hilfe dieser so genannten Gaiberger Navigationsschablone sind Zahnimplantologen nun in der Lage, die Position von Implantaten so genau wie noch nie festzulegen - und das über eine nahezu beliebig große Entfernung per Internet.
„Den Begriff der Navigation muss man wesentlich spezieller fassen, als man ihn vom Auto, der Luft- oder Seefahrt her kennt“, erklärt Martin Rossa, Zahnarzt und Spezialist auf dem Gebiet der Implantologie. „Es geht darum, dass der Zahnspezialist, der dem Patienten ein Implantat einsetzt, wissen muss, an welcher Stelle und in welchem Winkel er den Bohrer anzusetzen hat, um das Implantat richtig einzusetzen, an dem später die Zahnkrone oder auch ein ganzes Gebissteil befestigt wird.“ Jede dieser ‚Gaiberger Navigationsschablonen’ ist ein individuelles, handgefertigtes Meisterwerk, zu dessen Herstellung hochkomplexe Computerprogramme benötigt werden. Martin Rossa, der an der Entwicklung ebenso beteiligt war wie der Heidelberger Implantologe Dr. Uwe Richter, kooperiert dabei mit einem Dentallabor viele Kilometer entfernt im Kraichgau. Gemeinsam erstellen sie die Schablone per Internet und nutzen dabei zeitgleich eine spezielle Rechner-Software.
Am einfachsten versteht man die Anwendungsweise der Schablone, wenn man den Produktionsprozess schrittweise verfolgt. Es gibt Patienten, die haben durch einen Unfall mehrere Zähne verloren, oder, was weit häufiger ist, sie haben auf Grund einer Parodontitis, einer schwerwiegenden Erkrankung des Zahnhalteapparates, ihre Zähne verloren: Das Zahnfleisch und der Kieferknochen haben sich auf Grund chronischer Entzündungen zurückgezogen, die gesunden Zähne verlieren ihren Halt und müssen gezogen werden. Der Zahnarzt macht nun einen Abdruck von Ober- und Unterkiefer, und der Zahntechniker fertigt hierauf ein so genanntes Setup; dies ist ein Entwurf des später gewünschten Zahnersatzes, eine handgefertigte Schablone aus einem Material, das auf einer Röntgenaufnahme sichtbar ist.
Der Patient wird mit dieser Schablone nun bei einem Radiologen in „die Röhre“ geschoben. Hier wird ein Computertomogramm („CT“) des Kiefers angefertigt. Es entsteht ein hochgenaues, dreidimensionales Röntgenbild, das sowohl die exakte Position der Modellzähne des Setup zeigt als auch die gesamte Knochenstruktur und vor allem alle sensible Bereiche wie Nerven und Kieferhöhlen, die geschont werden müssen. Das CT-Bild wird in den Computer übernommen und dort als drehbare 3-D-Aufnahme farbig dargestellt.
Nun beginnt die Arbeit des Implantologen. Zusammen mit dem Zahntechniker wird für jedes Implantat die optimale Position auf dem dreidimensionalen Bild des Setups auf dem Rechner bestimmt. Im Gaiberger Dentallabor macht dies in der Regel Firmenchef Wolfgang Bollack auf Anweisungen von Martin Rossa, der per ISDN-Verbindung zeitgleich die identische 3-D-Aufnahme auf seinem Rechner sieht und in allen drei Raumrichtungen verschieben und drehen kann. Bei Bedarf kann Martin Rossa aus der Ferne auch selbst in den Produktionsprozess eingreifen.
Wenn nun die Positionen der geplanten Implantate auf Zehntel-Millimeter genau bestimmt sind, müssen die Computerdaten noch auf das Setup übertragen werden. Die Positionen der geplanten Implantate werden im exakten, errechneten Winkel durch Titanbohrhülsen auf dem Setup fixiert - die Navigationsschablone ist so gut wie fertig. „Diese Bohrhülsen sind quasi eine Führungsschiene für den Bohrer in der Hand des Implantologen“, erklärt Wolfgang Bollack. Und in die Bohrlöcher werden dann die eigentlichen Implantate eingeschraubt, die Träger der Zahnkronen.
Die Gaiberger Entwicklung wird inzwischen weltweit auf Fachkongressen präsentiert und findet international Nachahmer. (4015 Zeichen)
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06.11.2006 - 0:00 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 280 X
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