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Clement zur Lage auf dem Ausbildungsmarkt




3.8.2005 - Zur gegenwärtigen Lage auf dem Ausbildungsmarkt erklärt Bundeswirtschafts- und -arbeitsminister Wolfgang Clement:

1. Die gegenwärtige Lage auf dem Ausbildungsmarkt gibt keinen Grund zur Dramatisierung der Situation, wohl aber zum konkreten Handeln aller verantwortlichen Akteure, vor allem aller Partner des Ausbildungspaktes.

2. Nach den Feststellungen der Bundesagentur für Arbeit beläuft sich die rechnerische Lücke im Monat Juli auf 169.853. Sie liegt damit um 8.419 oder 5,2% höher als im Juli 2004. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die tatsächliche Ausbildungsleistung der Betriebe stets deutlich höher ist als von der Bundesagentur für Arbeit erfasst. So wurden auch im "Erfolgsjahr des Ausbildungspaktes" 2004 deutlich mehr Ausbildungsverträge als im Vorjahr 2003 abgeschlossen, obwohl den Agenturen für Arbeit weniger Ausbildungsplätze gemeldet worden waren. Der Grund: Während der Werbekampagnen melden die Unternehmen ihre neuen Ausbildungsplätze eher den Kammern als den Agenturen.

3. Es müssen dennoch die Anstrengungen zur Mobilisierung von Ausbildungsplätzen und Einstiegsqualifikationen deutlich verstärkt werden. Das Zwischenergebnis ist tatsächlich noch recht differenziert:

- Die Ergebnisse einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft bei 740 Betrieben ergeben zwar keinen Anlass, Alarm zu schlagen, aber auch sie signalisieren einen - wenn auch nur geringen - Rückgang des bisherigen Lehrstellenangebots gegenüber 2004 von -1,1%.

- Bis Ende Juni wurden von den Industrie- und Handelskammern in ganz Deutschland rund 17.500 neue Ausbildungsplätze eingeworben, bis Ende Mai von den Handwerkskammern über 5.000, zusammen also rund 23.000 neue Ausbildungsplätze. Damit ist davon auszugehen, dass das Paktziel (mindestens 30.000 neue Ausbildungsplätze) auch in diesem Jahr wieder erreicht wird. (2004 wurde das Ziel sogar mit 59.500 weit übertroffen.)

- Bis Ende Juni wurden bei den Industrie- und Handelskammern 154.776 abgeschlossene Ausbildungsverträge gemeldet, das waren 3.212 oder 2,1% mehr als im Juni 2004. Bei den Handwerkskammern waren es 50.300 oder 1.260 (-2,4%) weniger als im Vorjahr. In beiden Kammersystemen ergibt dies für Juni 2005 insgesamt ein Plus von 1.952 oder +1%.

4. In dieser Situation appelliere ich:

I. an Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern in Deutschland, in ihren Bemühungen um mehr Ausbildungsbetriebe und mehr Ausbildungsplätze und Einstiegsqualifikationen nicht nachzulassen, sondern diese - wenn möglich - noch zu verstärken;

II. namentlich an kleine und mittlere Unternehmen, soweit diese allein nicht ausbilden können, sich mit anderen zu Ausbildungsverbünden zusammenzuschließen, um gemeinsam etwas zur Entspannung am Ausbildungsmarkt beitragen zu können;

III. an die Großunternehmen, sich der Situation nicht zu verschließen, sondern - soweit sie bereits ausbilden - zu prüfen, ob eine Verstärkung der Ausbildungsleistungen möglich ist;

IV. an die Mitglieder der Freien Berufe, ebenfalls zu prüfen, ob sie einem oder einer oder sogar mehreren Jugendlichen mit der Einrichtung eines Ausbildungsplatzes eine berufliche Perspektive eröffnen können, und

V. an Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund, sich an den Ausbildungsbemühungen in unserem Land ebenfalls zu beteiligen; derzeit bilden etwa 10% der Unternehmen mit Migrationshintergrund aus; aus Untersuchungen etwa bei Unternehmern türkischer Herkunft wissen wir, dass 40% dieser Unternehmen ausbildungsfähig sind.

5. Zugleich wende ich mich an die jugendlichen Ausbildungsbewerber und bitte Sie, sich an die örtlichen Agenturen für Arbeit und an die Kammern zu wenden und sich auch an Vermittlungsbemühungen - etwa in Form von "Ausbildungsbörsen" o.ä. - zu beteiligen. Jugendliche, die bereits die Ausbildungszusage eines Unternehmens erhalten haben, davon aber keinen Gebrauch machen wollen - etwa, weil sie sich zwischenzeitlich für einen anderen Betrieb oder für ein Studium entschieden haben - , sollten sich sofort bei dem ersten Ausbildungsbetrieb abmelden, weil anderenfalls potentielle Ausbildungsmöglichkeiten verloren zu gehen drohen.

6. Schließlich weise ich darauf hin, dass bloß opportunistische, ausschließlich für den Wahlkampf gedachte Behauptungen weder der Lage noch dem Anspruch der jungen Generation, ernst genommen zu werden, gerecht werden.

- So geht die Zahl der Insolvenzen in Deutschland seit dem vergangenen Jahr zurück; die Zahl der Unternehmensgründungen wird in diesem Jahr überdies - wie schon im Vorjahr - deutlich höher liegen als die Zahl der Insolvenzen - eine Abnahme des Ausbildungsplatzangebotes ist so also auf keinen Fall zu begründen.

- Der Rückgang der Zahl der bisher vom Handwerk angebotenen Ausbildungsplätze hat auch kaum etwas mit dem Handwerksreform zu tun: Gerade die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass vor allem im Bauhandwerk und in der Elektrobranche der Rückgang an Ausbildungsplätzen signifikant ist. Diese Handwerke sind nach wir vor meisterpflichtig.

- Im übrigen steigen junge Unternehmen erfahrungsgemäß erst ab dem vierten oder fünften Jahr einer erfolgreichen Existenzgründung in die Lehrlingsausbildung ein. Das neue Handwerksrecht ermöglicht aber erst seit 2004 die Existenzgründung ohne Meisterzwang in 53 nicht gefahrgeneigten Handwerken. Diese jungen Unternehmen müssen zunächst einmal am Markt Fuß fassen, bevor sie die Berufsqualifizierung junger Menschen in Angriff nehmen. Sie für den bisherigen Rückgang der Ausbildungsleistung im Handwerk mitverantwortlich machen zu wollen, ginge völlig an der Realität vorbei.

- Hinsichtlich der Höhe der Ausbildungsvergütungen ist klar, dass sie in der Verantwortung der Tarifvertragsparteien liegt. Die Tarifvertragsparteien haben die derzeit geltenden Vergütungen vereinbart; es ist auch an ihnen, über Veränderungen, die sie für notwendig halten, zu verhandeln und gegebenenfalls neue Vereinbarungen zu treffen. - Im übrigen wäre es von hohem zusätzlichen Wert, wenn sich die Tarifpartner aller Branchen des Themas Ausbildung und Ausbildungsplätze annähmen. Pauschal gesprochen sind die Tarifparteien - Ausnahmen bestätigen die Regel - auf diesem Feld bisher nicht beeindruckend aktiv.

7. Nicht zuletzt sind die öffentlichen Hände - die Verwaltungen, Behörden und öffentlich-rechtlichen Einrichtungen auf allen Ebenen - aufgerufen, sich ebenfalls ihrer Verantwortung für die Ausbildung der jungen Generation zu stellen. Die Bundesregierung wird selbstverständlich ihre Verpflichtungen aus dem Ausbildungspakt erfüllen bzw. überfüllen.

Alles in allem: Der Ausbildungspakt ist intakt und funktioniert. Er hat im Ausbildungsjahr 2004/05 bessere Ergebnisse erbracht als von der Wirtschaft und von Bundesseite zugesagt. Es gibt keinerlei Grund, den Abgesang auf den Ausbildungspakt anzustimmen und erneut eine Ausbildungsplatzabgabe zu beschwören, die die Situation mit Sicherheit nicht verbessern würde, schon gar nicht die aktuelle Situation. All dies lenkt nur von der gemeinsamen Aufgabe ab, die für alle gilt, die sich dazu verpflichtet haben, und für die, die mittun wollen und können, ihre Beiträge für die junge Generation zu leisten.

Da erfahrungsgemäß die meisten Vermittlungen in den Sommermonaten bis Oktober stattfinden, ist es selbstverständlich noch möglich, das Vorjahresergebnis zum Bilanzierungsstichtag 30.09. zu erreichen, wenn nicht zu verbessern. Voraussetzung ist allerdings, dass alle Akteure ihre Anstrengungen noch verstärken. Dazu rufe ich ganz im Sinne unseres Ausbildungspaktes auf!

Das Internetangebot des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit: www.bmwa.bund.de

Für Rückfragen zu Pressemitteilungen, Tagesnachrichten, Reden und Statements wenden Sie sich bitte an:Pressestelle des BMWATelefon: 01888-615-6121 oder -6131E-Mail: buero-lp1bmwa.bund.de Pressemitteilungen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit: http://www.bmwa.bund.de/Navigation/Presse/pressemitteilungen.html



Quelle: BUNDESMINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT UND ARBEIT / pressrelations.de

03.08.2005 - 18:00 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 87 X

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