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Müller: Bessere Versorgung von Patienten mit Ess-Störungen




AOK-Vertrag zur integrierten Versorgung soll für ganz Bayern Schule machen - Drehtüreffekte vermeiden.

Die Versorgung von Patientinnen mit Ess-Störungen wird verbessert.

Gesundheitsstaatssekretärin Emilia Müller stellte dazu zusammen mit dem AOK Vorstandsvorsitzenden Helmut Platzer und Leistungsträgern ein deutschlandweit neues Projekt zur integrierten Versorgung heute in München vor. "Wir dürfen nicht zusehen, wie sich in unserer Mitte junge Menschen buchstäblich zu Tode hungern und die Angehörigen tatenlos daneben stehen müssen. Betroffene und ihre Angehörigen müssen qualifizierte Hilfe frühzeitig angeboten bekommen", betonte Müller und rief Kosten- und Leistungsträger dazu auf, dem Beispiel der AOK und ihrer Partner zu folgen. "Dieses Projekt muss Nachahmer bei der bayernweiten Versorgung von essgestörten Menschen, wie in der Suchthilfe insgesamt finden", so Müller weiter. Die sektorenübergreifenden Zusammenarbeit fußt auf Empfehlungen einer Konsensusgruppe zu Prävention, Clearing, Therapie und Nachsorge von Patienten mit Essstörungen. Diese Plattform hatte das Bayerische Gesundheitsministerium geschaffen, um gemeinsam einheitliche Qualitätsstandards zu entwickeln.

Kern des integrierten Versorgungskonzeptes ist ein sog. Clearingverfahren. Unter Zusammenarbeit eines multiprofessionellen Teams aus Fachärzten, Diplompsychologen, Diplom-Sozialpädagogen, Diplom-Oecotrophologen und Diätassistenten dient das Clearing der fundierten Anamnese und Diagnostik. Je nach Schweregrad der Erkrankung werden die passenden Therapieformen ausgewählt. Zur Verfügung stehen ambulante, stationäre und teilstationäre Angebote in Wohngruppen. Die Patientin wird entsprechend ihren Bedürfnissen bis zur Gesundung begleitet. "Das Besondere ist, die Patientin sieht von Anfang an klare Wegweiser und erhält eine kontinuierliche Unterstützung. Dadurch lassen sich auch Drehtüreffekte vermeiden", machte Müller deutlich.

Dem neuen Projekt zugrunde liegt ein Vertrag über die integrierte Versorgung und Finanzierung. "Durch feste Kooperationen unter dem Dach der integrierten Versorgung wird die Behandlung steuerbar und auch ökonomisch planbarer. Abgestimmte Behandlungsprozesse helfen dem Patienten und tragen gleichzeitig dazu bei, unnötige Kosten zu vermeiden", erläuterte Platzer. Vertragspartner sind die AOK Bayern, die Psychosozialen Beratungsstelle für Ess-Störungen ANAD, niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten sowie die Medizinisch-Psychosomatische Klinik Roseneck und die Interne Klinik Argirov als stationäre Leistungserbringer.

ANAD (Anorexia nervosa and Associated Disorders) ist eigenen Angaben zufolge die bundesweit größte professionelle Beratungsstelle bei Ess-Störungen mit Hauptwohnsitz in München. ANAD ist zudem Träger der intensivtherapeutischen Wohngruppen bei Ess-Störungen, namens pathways in München.

Ess-Störungen nehmen seit Jahren zu. Sie zählen inzwischen mit zu den häufigsten Erkrankungen des Jugend- und frühen Erwachsenenalters. Schätzungen zufolge leiden bis zu fünf Prozent aller Frauen im Alter zwischen 14 und 35 Jahren an einer Ess-Störung. Tendenziell zeigt sich ein immer früherer Krankheitsbeginn, diesen Trend bestätigt auch eine aktuelle Studie der Universität Halle. Etwa jeder siebte Jugendliche sei gefährdet und zwar zunehmend auch Buben und junge Männer.

Ess-Störungen können sehr hartnäckig sein; bis zu 50% der PatientInnen leiden auch nach 10 Jahren noch an ihrer Ess-Störung. Neben der psychischen Dimension wie sozialer Rückzug, Isolation, Traurigkeit, Depressionen, geringes bis kein Selbstwertgefühl sind auch die körperlichen Auswirkungen einer Ess-Störung gravierend, wie bei

- Anorexia nervosa (Magersucht): Ausbleiben der Menstruationsblutung, chronische Verstopfung, niedrige Pulsfrequenz, niedrige Körpertemperatur, Stoffwechselstörungen, Wachstum von Babyflaumhaar am ganzen Körper, Frieren oder bei

- Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht): starke Gewichtsschwankungen, Müdigkeit, Mattigkeit, Lustlosigkeit, Schlafstörungen, Haarausfall, Zahnverfall (Karies), Muskelschäden, Menstruationsstörungen, Verstopfung, Elektrolytentgleisungen

Etwa 10 % der Magersüchtigen sterben an ihrer Sucht.

Weitere Informationen: http://www.gesundheit.bayern.de



Quelle: BAYERISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT (STMUGV) / pressrelations.de

03.08.2005 - 18:01 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 648 X

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