Ein Pionier der Gesichts- und Kieferchirurgie
Von HaukMedienArchiv / www.bayern-nachrichten.de
Bad Tölz/Mindelheim. In Bad Tölz, wo er seinen Lebensabend verbringt, kann ein Bahnbrecher der Gesichts- und Kieferchirurgie, Dr. Johannes Müller, am 11. Oktober 1994 auf sein 85. Lebensjahr zurückblicken. Der Kieferchirurg, der mehrere Jahre ein Versehrtenkrankenhaus auf dem Mindelburg in Mindelheim leitete, hat neue Methoden angewendet, um durch Kriegswunden entstandene Entstellungen zu beheben.
Der aus Oberschlesien stammende Kieferchirurg, dem heute so viele Menschen die Wiederherstellung ihres Antlitzes verdanken, entfaltet von 1945 bis 1950 auf der zum Großlazarett gewordenen Mindelburg neue Methoden der rekonstruktiven Chirurgie, die eine hohe Kombinationsgabe verrieten. Der Erfolg war so beispielhaft, dass auch die moderne Medizin dadurch gewann. Namhafte Fachärzte stellen heute fest: Die moderne Kieferchirurgie, vor allem bei oft schwersten Verletzungen im Straßenverkehr, wäre ohne die eingebrachten Erfahrungen der Pioniere in der Kriegs- und ersten Nachkriegszeit nicht denkbar.
Johannes Müller war bei Kriegsende zusammen mit den Verwundeten des Breslauer Reservelazaretts, hart von den nachrückenden Russen verfolgt, wie durch ein Wunder nach Mindelheim in Schwaben gelangt, wo ihnen die Frundsbergfeste eine Bleibe bot. In diesem provisorischen haus des Roten Kreuzes begann sofort die Behandlung der Verwundeten. Ein Netzwerk von Operationen, oft zwanzig bis dreißig Eingriffe, gab den geschlagenen Menschen neue Hoffnung. Die Wiederherstellung zerstörter Gesichter glich oft einem Wunder. Dr. Müller, menschlich wie ärztlich ein idealer Helfer, ging auch auf die seelische Situation seiner Schützlinge ein, die durch die zerstörerischen Verwundungen auf einen Tiefpunkt gesunken war.
Zu den Patienten des Chefarztes und seines Teams gehörte auch Johannes Steinhoff, zuletzt Luftwaffeninspekteur der Bundeswehr. Dieser einst mit höchsten Auszeichnungen geehrte Jagdflieger hatte bei der Erprobung des ersten deutschen Düsenflugzeuges Me 262 schwerste Verbrennungen erlitten. In einer Langen Folge von Operationen formte Dr. Johannes Müller die neue Gesichtsplastik, die Fehlstellen ersetzte. Johannes Steinhoff flog später in den USA moderne Düsenjäger ein und ging auch mit Erfolg dem Rätsel nach, warum die F 104 Starfighter so leicht ins Trudeln gerieten.
Die Stadt Mindelheim hat an der Maristenschule wie auch am Eingang zur Mindelburg Gedenktafeln enthüllt, die an die menschenfreundliche Tat der Ärzte erinnern. Der „Verein der Gesichts- und Kieferverletzten des ehemaligen Versehrtenkrankenhauses Mindelburg“ hält die Erinnerung an das Ärzteteam aufrecht und trifft sich alljährlich in Mindelheim. (Text von Oktober 1994)
Quelle: bayern-nachrichten.de / pressbot.net
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06.03.2007 - 19:13 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 551 X

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