Wenn das Trauma zur Qual wird - Seelische Narben von Traumatisierungen und ihre Folgen
Für den fünften Jahrestag des Amoklaufes am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt erwarten Experten ein Wiederaufleben der schmerzlichen Traumatisierungen von damals. Gleichzeitig wird verstärkt die Unterversorgung mit psychotherapeutischen Behandlern zur wirklichen Verarbeitung solcher und anderer Schreckenserlebnisse deutlich gemacht.
Seit dem Amoklauf des damals 19-jährigen Robert Steinhäuser am 26. April 2002, bei dem dieser gezielt 13 Lehrkräfte, zwei Schüler, einen Polizisten und anschließend sich selbst erschoss, sind genau fünf Jahre vergangen. Eine lange Zeit und doch zeigen sich erst jetzt nach und nach die tatsächlichen Auswirkungen des „Schulmassakers“, das bei den Überlebenden, den Hinterbliebenen der Opfer und vor allem den Polizisten schwere Traumatisierungen hervorgerufen hat, die über den ersten Schock weit hinaus reichen.
Denn Traumatisierungen können neben den direkten psychosomatischen Auswirkungen, (beispielsweise chronische Rückenschmerzen, Allergien oder Krebs) auch unbewusste, nachhaltige Schädigungen bei Menschen hinterlassen. Werden Ereignisse von einer Person als lebensbedrohlich erfahren, kann sie diese kaum verarbeiten und die menschliche Psyche schaltet die Möglichkeiten der Stress- und Erlebnisbewältigung ab.
So gehen dramatische Auswirkungen eines nicht in den Alltag integrierbaren Ereignisses, wie beispielsweise auch die Terroranschläge in England und den USA, die schrecklichen Kriege in Afghanistan oder die Entführung der Natascha Kampusch, mit einer massiven Grenzüberschreitung des Verträglichen einher. Diese Schädigungen können wieder zutage treten, indem plötzlich und ohne willentliches Herbeiführen des Betroffenen Faktoren auftauchen, die ihm oder ihr das Trauma wieder ins Gedächtnis rufen. Die vielfältigen Reaktionen auf das traumatische Ereignis hängen dabei besonders von der persönlichen Verarbeitung eines Menschen sowie von sozialen Faktoren ab.
Dabei wechseln traumatisierte Personen oft zwischen dem Verdrängen von Erinnerungen und dem bewussten Wiederaufleben des Ereignisses, um es zu verarbeiten.
Nur durch intensive Erinnerungs- und Trauerarbeit kann eine Auseinandersetzung mit dem Erlebten stattfinden und somit Wunden geheilt werden, wobei die Opfer selbst und ihre Angehörigen kompetent psychotherapeutisch betreut werden sollten. Dies wurde im Falle des „Amoklaufes von Erfurt“ oft bemängelt, dass genau diese psychotherapeutische Hilfe und Unterstützung nach dem Abflauen des Medieninteresses gefehlt hat. Durch die Bilder und Berichte in den Medien zum fünften Jahrestag dieses dramatischen Vorfalles können die Betroffenen und Hinterbliebenen erneut den Halt verlieren und z. B. in schwere Depressionen abrutschen. Gute Chancen der Erholung und Verarbeitung von traumatischen Ereignissen bestehen nur dann, wenn eine ausreichende psychotherapeutische Hilfe von Fachkräften geleistet wird.
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Quelle: tba Business to Business GmbH / pressbot.net
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12.04.2007 - 0:00 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 304 X

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